Hol Dir jetzt die neue kino.de App   Deutschland geht ins kino.de

News

„Deepwater Horizon“ – die Kritik

Die größte Öko-Katastrophe der US-Geschichte, gepresst in 107 nervenzerfetzende Minuten: Mark Wahlberg versucht einer Flammenhölle zu entkommen, die sogar das Wasser rund um die Bohrinsel in Brand setzt.

„Mein Daddy zähmt die Dinosaurier“, beschreibt Sydney, die Tochter von Cheftechniker Mike Williams (Mark Wahlberg), beim Schulreferat die Arbeit ihres Vaters auf der Bohrplattform „Deepwater Horizon“. Denn eines ist der 10-Jährigen klar: „Das Öl ist ein Monster – genau wie die fiesen alten Dinosaurier, die es früher einmal war.“ Am 20. April 2010 zeigte sich dann, was diese Dinos anrichten können, wenn sie aus ihrer Jahrmillionen währenden Gefangenschaft ausbrechen – und zwar aufgrund eines Blowouts, eines unkontrollierten Ausbruchs von Öl, Gas und Schlamm.

Das Resultat war verheerend: elf Tote Arbeiter, die schwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA – und für Betreiber BP mit 4,5 Mrd. US-Dollar die höchste jemals für ein Umweltdelikt verhängte Strafe. Basierend auf einem Artikel in der New York Times hat Regisseur Peter Berg versucht, die Chronologie der fatalen Ereignisse auf die Leinwand zu bringen. Das Ergebnis hat eine packende Einleitung, einen so abrupten wie dünnen Schluss – und einen Mittelteil, der Fingernägeln und Nervenkostüm des Publikums nachhaltigen Schaden zufügt.

Denn sobald sich die Hauptakteure des Action-Dramas  an Bord der „Deepwater Horizon“ versammelt haben – natürlich Mark Wahlberg, aber auch Kurt Russell als Bohrplattform-Kapitän und John Malkovich als BP-Einpeitscher – beginnt sich die Atmosphäre rasant zu verdichten. Speziell diese letzten beiden mimischen Haudegen liefern sich mit all ihrem kantigen Charisma ein packendes Macho-Duell, das eins klarstellt: Die Stimme der Vernunft hat auf der Bohrplattform nichts mehr zu melden. Immerhin gilt es einen teuren Terminrückstand aufzuholen. Und zeitraubende Sicherheitsmaßnahmen sind da eher kontraproduktiv. Das absolute Minimum muss reichen…

Kleine Hinweise auf ein großes Problem

Also nimmt die technische Enklave inmitten des Golfs von Mexiko wieder ihr ölverschmiertes Treiben auf. Doch clevere Kamerafahrten zur Einstichstelle am Meeresboden – und sogar durch die Bohrrohre – geben vor allem einem Menschen recht: Der kleinen Sydney. Öl ist ein Monster. Und wenn man sich beim Kampf mit ihm nur einen winzigen Fehler erlaubt, beißt es zu. Gnadenlos und tödlich.

Erst ist es nur eine Abweichung auf einer Öldruckanzeige, mit der Peter Berg seine Katastrophe einleitet. Sicher nichts Ernstes, vermutlich ein Messfehler. Dann eine weitere Unregelmäßigkeit. Und noch eine. Alle unterschiedlich interpretierbar. Jedes einzelne Mal hätte man das Bohrloch verschließen, die Eskalation aufhalten können – aber damit gleichzeitig Unmengen Geld verbrannt.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem nichts mehr das hochexplosive Gemisch aus Öl und Gas stoppen kann. Und sich die „Deepwater Horizon“ in eine glühende Hölle verwandelt, auf der über hundert Menschen Schutz vor den Flammen suchen – aber es minütlich weniger Stellen gibt, die nicht einem Hochofen gleichen…

Du weiß, dass es passiert. Du weißt, dass es schlimm wird – aber Du weißt nicht genau, wann. Mit diesem so simplen wie effektiven dramaturgischen Trick, treibt der Regisseur in der ersten Hälfte seines Katastrophen-Szenarios den Adrenalin-Level des Publikums bereits in beträchtliche Höhen.

Gnadenloser Überlebenkampf

Wenn er den mörderischen Dschinn dann endlich aus der Flasche lässt, verändert sich blitzartig der ganze Charakter seines Films: Er wird zum reinen, nervenzerfetzenden, Action-getriebenen Überlebenskampf: Alle gegen das Feuer – und manchmal auch jeder gegen jeden. Die im Hintergrund geschilderten, anlaufenden Rettungsmaßnahmen verdeutlichen letztlich nur die Hilflosigkeit des Menschen gegenüber solchen Kräften, seine fahrlässige Arroganz in dem Glauben, das uralte Monster zähmen und kontrollieren zu können.

Bei dem letztlich ausweglosen Wettlauf mit dem Feuer ringt das Publikum bald ebenso sehr nach Atem, wie die Akteure. Pures, ölversetztes Adrenalin – und mehr gibt es filmisch auf der „Deepwater Horizon“ letztlich auch nicht zu holen. Ein Spannungsbogen, der kontinuierlich am Rand des Zerreißens gehalten wird, tragfähige Schauspieler in komplett schwarz/weiß gezeichneten Rollen – und ein von Menschenhand geschaffenes Höllenfeuer, das filmisch opulent angefacht wird: So schnell können 107 Minuten vergehen. Und in der Realität insgesamt 62 Milliarden Dollar inkl. einer Bohrplattform versenkt werden.

Der Trailer zu „Deepwater Horizon“

Kommentare