Das Wochenende (2012)

Das Wochenende Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Das Wochenende: Emotionale Romanverfilmung mit Katja Riemann, Sebastian Koch und Barbara Auer über Schuld und Lebenslügen nach Bernhard Schlinks Bestseller.

Als ein RAF-Mitglied nach 18 Jahren Haft entlassen wird, versammeln sich in einem Landhaus frühere Weggenossen zum Willkommenswochenende, darunter auch seine Jugendliebe und Mutter des gemeinsamen Sohnes, sowie deren Ehemann. Das Treffen wird zur quälenden Reise in die Vergangenheit und gerät vollends aus den Fugen, als das einstige Liebespaar wieder Gefühle füreinander entdeckt und der plötzlich auftauchende Filius seinem leiblichen Vater mit Aggression begegnet.

Als ein RAF-Mitglied nach 18 Jahren aus der Haft entlassen wird, erweist sich ein Familientreffen als explosive Angelegenheit. Emotionale Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman mit Starbesetzung (u.a. Katja Riemann).

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Kritikerrezensionen

  • In dem Drama "Das Wochenende" prallen zwei Welten aufeinander. Der frühere RAF-Terrorist Jens hat seine Ansichten in 18 Jahren Gefängnis kaum verändert. Seine Freunde und Angehörigen hingegen haben sich in der Zwischenzeit eine Existenz aufgebaut und genießen die schönen Seiten des Lebens. In der ländlichen Ruhe Brandenburgs kommen verdrängte Wahrheiten und Gefühle ans Licht. Regisseurin Nina Grosse ("Feuerreiter", "Olgas Sommer") verwendete für ihr Drehbuch Motive aus dem gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink ("Der Vorleser"). Allerdings verkürzt sie die Streitgespräche und komplizierten Beziehungen aus dem Original bis zur Fernsehtauglichkeit. So geglättet gibt die Geschichte dann nicht mehr viel her.

    Dabei eignet sich Jens' Schicksal in doppelter Weise für einen Film. Zum einen weil es sich um einen Menschen handelt, der nach 18 Jahren in Haft erkennen muss, wie viel er verpasst hat. Zum anderen weil die Generation der demonstrierenden 68er mitsamt ihrem militanten Arm die bürgerlichen Werte längst wieder schätzt. Am deutlichsten wird sie mit diesem gesellschaftlichen Wandel konfrontiert, wenn sie wie hier auf einen radikalen Vertreter des alten Denkens trifft. Ulrich nennt Jens einen "Killer", er findet seine Gäste "reaktionär" und "verlogen". Aber über solche Ansätze der Generalabrechnung einer Generation mit dem RAF-Terrorismus kommt die Diskussion bei Grosse nicht hinaus.

    Der sprunghafte Inszenierungsstil, der vieles anreißt und nicht weiterverfolgt, hindert die namhaften Schauspieler daran, sich zu entfalten. Sebastian Koch stellt Jens glaubwürdig als mürrisch-schweigsamen Asketen dar, der am liebsten im Garten sitzt und raucht. Doch wie sein jähzorniger Sohn wird er charakterlich nur skizziert. Denn Grosse führt stattdessen eine Liebesgeschichte ein, die es im Buch gar nicht gibt und die eine weitere Person ins Zentrum rückt: Inga, die zwischen dem immer noch geliebten Ex und dem eifersüchtigen Ulrich steht. Aber mit dieser Konstellation verwandelt sich der Stoff in eine Allerweltsgeschichte. Deshalb sollte man lieber gleich das Original lesen.

    Fazit: Anstatt sich ernsthaft mit dem RAF-Terrorismus auseinanderzusetzen, langweilt "Das Wochenende" mit einer fernsehtauglichen Liebesgeschichte.
  • Emotionale Romanverfilmung mit Starbesetzung über das deutsche RAF-Trauma, die Frage von Schuld und die Konfrontation mit Lebenslügen.

    Nina Grosse nennt ihren Film eine “politische Familienaufstellung”, bei der zwei Dinge wichtig sind, die Aufarbeitung der verdrängten politischen Vergangenheit und die eines sich zuspitzenden Familienkonfliktes. Wie eine Familie versammeln sich ehemalige Weggenossen des RAF-Mitglieds Jens (Sebastian Koch) in einem Landhaus, um ihn nach 18 Jahren Haft willkommen zu heißen. Seine Schwester und ein Autor, der ein Buch über die RAF veröffentlicht hat, Jens’ Jugendliebe Inga und Mutter des gemeinsamen Sohnes, sowie deren geschäftstüchtiger Mann, versuchen erfolglos mit Small Talk die komplizierte Situation zu entspannen. Der Ex-Häftling will wissen, wer ihn damals verraten hat, bügelt die groteske Veranstaltung wütend nieder. Schon durch seine Unbeugsamkeit konfrontiert er die anderen mit Verdrängungen und Lebenslügen. Das Wochenende wird zur quälenden Reise in die Vergangenheit und gerät vollends aus den Fugen, als das einstige Liebespaar wieder vergessene Gefühle entdeckt und der plötzlich auftauchende Filius seinem leiblichen Vater mit Aggression begegnet.

    Bei der Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman hat Nina Grosse einige Änderungen vorgenommen, die aber in den neuen Kontext passen. Jens ist nicht vom Krebs gezeichnet, sondern ein starrköpfiger Typ, der im Kapitalismus immer noch den größten Feind sieht und glaubt, seinen einstigen Prinzipien und Zielen treu bleiben zu müssen, Inga (die sich bei Schlink umbrachte) hat sich hier mit einem satten Leben arrangiert und diskutiert nicht mehr über Unterprivilegierte, sondern über Unterschiede von Parma- und Serranoschinken, die Protagonisten sind jünger als die eigentliche RAF-Generation – ein gelungener Kniff, Menschen in einem Alter zu zeigen, in dem sie noch Lebensentwürfe hinterfragen, ihre Abwendung vom Radikalismus und Hinwendung zum Bürgertum.

    Kameramann Benedict Neuenfels und Szenenbildner Knut Loewe geben dem Haus (“ein Boxring, in dem Lebensadern kollidieren”), aus dem Menschen immer wieder vor der Wahrheit “flüchten” und doch zurückkehren, einen ganz speziellen Look, der Befindlichkeiten spiegelt. In dem hochkarätigen Ensemble trumpft Katja Riemann als Frau auf, die nicht nur zwischen zwei Männern, sondern auch zwischen Gestern und Heute steht, zwischen Traum und Trauma, die endlich aus der Passivität ausbricht und eine Entscheidung fällt. mk.

Darsteller und Crew

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