Das Schwein von Gaza (2011)

Originaltitel: Le cochon de Gaza
Das Schwein von Gaza Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (1)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 3

Filmhandlung und Hintergrund

Das Schwein von Gaza: Tragikomödie um die irrwitzige Odyssee eines palästinensischen Fischers, der ein Schwein aus dem Meer fischt und versucht, es zu verkaufen. Nicht leicht in einem Gebiet, in dem die verfeindeten Moslems und Juden Schweine als unrein betrachten.

Einem Fischer vom Gazastreifen gerät ein schwarzes Schwein ins Netz. Damit gehen die Probleme los. Borstenvieh gilt bei Moslems und Juden als unrein. Der Verkauf des lästigen Tieres an einen UN-Beamten oder der Todesschuss mit der Kalaschnikov misslingen. Und die Israelis wollen nur das Sperma zu künstlichen Befruchtung, bald rollt der Schekel. Als die Islamisten Wind von der Sache kriegen, zwingen sie den armen Mann samt quiekender Begleitung zu einer tödlichen Mission.

Ein palästinensischer Fischer fischt ein Schwein aus dem Meer und versucht, es zu verkaufen – und gerät damit zwischen die Fronten. Groteske und hoffnungsvolle Komödie, die von den Absurditäten auf Seiten der Palästinenser wie der Israeli lebt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Anfangs scheint es, als überschatte das große, hehre Anliegen Sylvain Estibals die ästhetischen wie erzählerischen Aspekte seines Debütfilms. Der Regisseur hat schon 2004 in Hebron als Fotojournalist eine palästinensische und eine jüdische Familie porträtiert, und er hat – wie um ein Zeichen zu setzen – die Rolle des Jafaar mit Sasson Gabay besetzt, einem Israeli mit irakischen Wurzeln ,und die Rolle der jüdischen russischen Einwanderin Yelena mit Myriam Tekaïa, einer in Italien geborenen und in Kanada aufgewachsenen Weltenbummlerin, die sich als Tunesierin versteht.

    Doch selbst wenn man den Film nur aus internen Elementen beurteilt, bleibt der Eindruck eines allzu betulichen Beginns, einer zwar sehr sorgfältigen, aber gerade humoristisch bisweilen etwas hölzern geratenen Milieustudie. Da werden in einer seltsamen Chronistenpflicht möglichst viele Aspekte des Konflikts, wie sie sich der auswärtige Blick so vorstellt, abgehakt: die Armut der einheimischen Bevölkerung. Die alltägliche Militärpräsenz. Die restriktiven religiösen Vorschriften. Die UN-Bürokratie.

    Zumindest letztere sorgt für einen geradezu befreiend anarchischen Moment. Mit was für einem Schwachsinn man ihm denn immer komme, ereifert sich Ulrich Tukur als deutscher Beamter Schauerland, als er hört, dass Jafaar ihm persönlich ein Schwein verkaufen will – und steigert sich in einen tobenden, herrlich zügellos gespielten Wutanfall hinein. Eine Plotlinie, die umgekehrt unter ihrer mühsam herbei konstruierten Bedeutsamkeit erstickt, ist hingegen diejenige, in der es zu einer Art Verständigung zwischen einem der israelischen Wachsoldaten und Jafaars Frau Fatima (Baya Belal) kommt. Denn die beiden mögen ausgerechnet dieselbe Telenovela – und dass dieses in Kitsch und Stereotypen geradezu ersaufende Genre als Medium der Annäherung dienen soll, das erzählt Estibal erstaunlich ironiefrei.

    Nach einer Weile allerdings gewinnt die Handlung an Zug und, vor allem, an Biss. Wie kommt man an das Sperma eines Schweins? Und was blüht einem wohl, wenn man bei der, ähem, Produktion oder dem Verkauf desselben erwischt wird? Mit klugem Witz und mit großer Respektlosigkeit vor den gesellschaftlichen Zwängen, aber mit unbedingtem Respekt vor den Individuen, die in ihnen gefangen sind, wagt Estibal den Schritt zu diesen heikleren Themen. Und seinem Film tut es ausgesprochen gut, dass er das sichere Eis verlässt und seinen Humor verdunkelt bis ins beinahe Schwarze hinein.

    Am Ende steht dann freilich doch wieder eine Utopie, ein schöner Traum vielleicht – aber einer, der offen ist in seiner Vieldeutigkeit und der nicht anklagt, noch nicht einmal argumentiert, sondern einfach die eindeutig filmische Lust an der Bewegung zelebriert. Eine Gruppe behinderter, womöglich kriegsversehrter Breakdancer wirbelt da in einem Kreis von begeisterten Zuschauern herum, sie balancieren mit großem, unbeeinträchtigtem Geschick ihre Körper, lassen sie drehen, tanzen, flippen. Zweckfrei – und wunderbar.

    Fazit: Nach einem arg betulichen Beginn legt die Handlung von „Das Schwein von Gaza“ nicht nur an Konzentration und Tempo, sondern auch an Mut zu. Mit einer Prise satirischer Schärfe gewinnt Sylvain Estibals Plädoyer für den Frieden im Nahen Osten auch als Film.
  • Ein vom Pech verfolgter Fischer und ein unerwünschtes Schwein auf irrwitzige Odyssee durch den Gazastreifen.

    Der Gazastreifen und Komödie, das passt zusammen wie Feuer und Wasser. Vielleicht funktioniert diese ungewohnte Kombination auch nur, weil der französische Schriftsteller und Journalist Sylvain Estibal unbekümmert und ohne Sympathie nur für die eine oder andere Seite und beherzt das brisante Thema angeht. Er greift es nicht mit Larmoyanz, gegenseitigen Schuldzuweisungen oder erhobenen Zeigefinger auf, sondern witzig und mit immenser Menschlichkeit.

    Jaffar, ein palästinensischer Fischer, fängt höchstens ein paar Sardinen und schlägt sich so durch. Bis ihm nach einem Sturm ein schwarzes Schwein ins Netz geht. Damit gehen die Probleme aber erst richtig los, gelten die Viecher doch als unrein, bei den Palästinensern wie Israelis. Nichts haut hin – weder der Verkauf des Tieres an einen deutschen UN-Beamten noch der Todesschuss mit der Kalaschnikov. Als Jaffar hört, dass die Israelis Schweine züchten, versucht er das quiekende Etwas an eine russisch-jüdische Siedlerin zu verkaufen. Die will aber nur das Sperma zur künstlichen Befruchtung. Mit Viagra und einer Pin-up-Galerie von schicken Schweinedamen kommt das Tier in Hochstimmung, bald rollt der Schekel. Leider kriegen die Islamisten bald Wind von der Sache und zwingen Mann und behaarten Begleiter zu einer tödlichen Mission.

    Der Film lebt von den Absurditäten auf Seiten der Palästinenser wie der Israelis. Passend dazu wird das Schwein zur Friedenstaube. Da halten die Israelis das unreine Borstenvieh zum Aufspüren von Sprengstoff, damit es den heiligen Boden nicht berührt, wird es auf Holzbrettern gehalten oder kriegt auch schon mal Socken angezogen. Scheinheiliger geht’s nicht. Der auf dem Dach stationierte israelische Soldat guckt genauso gerne Telenovelas wie Jaffars Frau, darüber entspinnt sich sogar ein Gespräch. Die Ähnlichkeiten zwischen den verfeindeten Gruppen sind größer als die Unterschiede. Estibal verschleiert nicht die Gewalt, sei es die von der israelischen Armee oder die von den menschenverachtenden Djihadisten. Die Opfer sind immer die Menschen, die eigentlich nur in Frieden leben wollen. Die Form der Farce erlaubt einen sich sukzessive steigernden Surrealismus, die politischen Aspekte kommen ganz nebenbei zur Geltung – im Bild eines gefällten Olivenbaums, in der Räumung der Siedlung, in der Aufnahme eines lächerlichen Bekennervideos. Über allem schwebt ein leichter Humor und eine zarte Poesie mit einer hoffnungsvollen Vision am Ende. mk.

Darsteller und Crew

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