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Darjeeling Limited (2007)

Originaltitel: The Darjeeling Limited
Darjeeling Limited Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 5

Filmhandlung und Hintergrund

Darjeeling Limited: Gewohnt skurrile Komödie von Wes Anderson über drei voneinander entfremdete Brüder, die auf einer Reise durch Indien wieder zueinander finden wollen.

Ein Jahr nach dem Begräbnis ihres Vaters begibt sich der wohlhabende Francis (Owen Wilson) auf eine Eisenbahnfahrt mit seinen jüngeren Brüdern Peter (Adrien Brody) und Jack (Jason Schwartzman). Nach langem Schweigen wollen sie auf dem “Darjeeling Limited” quer durch Indien einander wieder näher kommen. Es soll eine spirituelle Entdeckungsreise werden, bei der Jack eine Affäre mit der Schaffnerin Rita (Amara Karan) beginnt. Doch bald endet die Fahrt im Chaos.

Gewohnt skurrile Unsinns-Komödie von Wes Anderson (“Die Royal Tenenbaums”) der einmal mehr seinen unverwechselbaren Sinn für schrullige Familienbande mit aberwitzigen Charakteren unter Beweis stellt. Mehr denn je absurd, poetisch und mit starken Schauspielerleistungen.

Francis und seine jüngeren Brüder Peter und Jack haben seit einem Jahr kein Wort mehr miteinander gewechselt. Um ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und wieder zueinander zu finden, begeben sie sich gemeinsam auf eine Zugreise durch Indien. Was als spirituelle Entdeckungsreise geplant ist, entwickelt sich alsbald zum chaotischen Trip, und die drei Brüder finden sich mit elf Koffern, einem Drucker und einer Laminiermaschine gestrandet inmitten der Wüste.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Eine spirituelle Zugreise dreier Brüder durch Indien wird von Wes Anderson zu einem Road Movie par excellence auf Schienen inszeniert. Mit opulenten, kinogerechten Bildern und der Skurrilität der Protagonisten, deren mangelnde Nähe er an das Publikum weitergibt, etabliert er eine Kunstsprache und gibt diesem interessanten Genre einen neuen Touch. Traditionell bleibt er zu Anfang mit Hotel Chevalier: zum Kinoprogramm gehört ein Kurzfilm. Diese moderne Pilgerreise hat das Zeug zum Kultfilm.

    Jurybegründung:

    Drei Söhne machen sich auf eine Reise. Kurz vorher haben sie den Vater begraben, der bei einem Unfall ums Leben kam, nun wollen sie die Mutter besuchen, die in einem abgelegenen Kloster lebt. So machen sie sich auf den Weg - nach Indien.

    Der Älteste, Francis, hat alles organisiert und erst im Laufe der Reise weiht er seine mitreisenden Brüder Peter und Jack in seine Pläne ein. Jeder der Drei lebt seine Skurrilitäten, die er pflegt und als lebensnotwendig betrachtet. Francis, der Organisator, von einem kurz zuvor knapp überlebten Motorradunfall schwer entstellt, plant alles durch, hat für alle Medizin dabei, die er verteilt und legt den Tagesablauf fest. Peter, der seine Frau Alice hochschwanger zu Hause gelassen hat, kauft beim ersten Zwischenstopp eine grüne Mamba, die er im Pappkarton transportiert und Jack, der Jüngste und Schriftsteller, reißt erfolgreich die hübsche Zugbegleiterin Rita auf, um seinen Liebeskummer zu bekämpfen. Das Abenteuer einer spirituellen Reise, wie Francis sie nennt, kann beginnen.

    Es ist eine Pilgerreise, die sie unternehmen, und so werfen sie nach und nach Ballast ab. Die Laminiermaschine, einen Teil ihrer elf Koffer und ein Drucker erweisen sich als entbehrlich. Je weiter die Reise fortschreitet, um so näher kommen sich die Drei, sie beginnen sich zu akzeptieren, ohne sich wirklich zu verstehen.

    Der Film schafft es mit scheinbar unmerklichen Wendungen, die Geschichte voran zu treiben; die Reisenden scheinen nirgendwo anzukommen - außer zu sich selbst, ohne dass diese Entwicklung prätenziös verklärt würde. Reminiszenzen an die Beatles meint man zu erkennen, und dennoch tut sich hier keine falsche Romantik auf, die an die Hippies der 1970er Jahre erinnert.

    Es sind die Kinder der Hippies, die hier Indien für sich entdecken. In einer Krisensituation handeln sie - für den Zuschauer fast unerwartet - instinktiv und zeigen ihre Menschlichkeit und Nähe zum Land, das sie bereisen. Nicht die Einheimischen sind hier die Exoten, sondern die fremden Reisenden, die alles zunächst staunend, dann immer selbstverständlicher zur Kenntnis nehmen.

    Formal und künstlerisch findet sich hier eine Bildsprache, die unverbraucht und frisch wirkt. Die Enge des Zugabteils wird abgelöst von der Weite einer Wüstenlandschaft. Die Kamera findet hier wie dort adäquate Bilder. Die Ausstattung erscheint authentisch und stilisiert zugleich, und die Musik unterstreicht die Stimmung des Road Movies. Mit wenigen Dialogen wird eine überzeugende Nähe zu den Figuren hergestellt, die auf die Mehrheit der FBW-Jury überzeugend wirkte.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Es ist dies ein Film, wie er nur von Wes Anderson kommen kann. Anderson – wie nur wenige andere Filmemacher – hat es mit seinen bisher fünf Langfilmen geschafft, eine ganz eigene Kategorie zu bilden, eine skurrile Komödienform, die genauso viel ihren Darstellern wie der minimalistischen Handlung wie der typischen Wes-Anderson-Ästhetik verdankt. Und all diese Elemente – das ist der eigentliche Anderson-Touch – stehen nebeneinander, unverbunden, als eigenständige Parts des Gesamtkunstwerks, nur zusammengeknüpft dadurch, dass sie alle in einem Namen, unter einem Film zusammengefügt wurden. Keineswegs zufällig freilich, sondern ausgewählt von Andersons wunderbarer Fantasie voll Sinn fürs Bizarre, ja Groteske.

    Allein die vielfältigen satten Farben, die er hier in Indien gefunden hat und deren Buntheit er voll ausspielt. Turbane, Wände, Fahrzeuge und Kleidung in Gelb, Rot, Blau. Dazu die Darsteller, die merkwürdig voneinander separiert scheinen und doch zueinander passen, so dass sowohl Reibung entsteht als auch Herzenswärme. Und dann die Handlung, die sich nie von selbst ergibt, sondern von den darin spielenden Figuren erst geformt wird – so wie Francis die Spiritualität seiner Brüder genau festgelegt hat; so wie Jack, Autor von Kurzgeschichten, immer genau auf autobiografische Erinnerungen zurückgreift. Wes Anderson zeigt immer die Inszenierung einer Inszenierung durch seine Figuren, das, was wir auf der Leinwand sehen, ist gefiltert nicht nur durch Anderson, auch durch seine Protagonisten – und wird dann im Kopf des Zuschauers wiederum noch einmal neu zusammengesetzt.

    Das alles hat gar nichts mit Mainstream zu tun, es ist ganz und gar eigenwillig. Und weil es aber doch universell ist – weil es mit universellen Mythen spielt, mit universellen Erfahrungen, mit universellem Geist fürs Absurde – ist es doch genügend erfolgreich und dabei offenbar auch keinen externen kommerziellen Zwängen unterworfen. So ist auch „The Darjeeling Limited“ ein genuines Anderson-Werk – inklusive der Tatsache, dass der Film Ende des zweiten Drittels ein paar Längen hat (das kann aber durchaus mit Absicht so konzipiert sein), inklusive auch der zerbrochenen Familie, dem andersonesken Thema überhaupt.

    Doch anders als jede „normale“ Komödie zielt Anderson nicht direkt auf die Heilung der Wunden der alleingelassenen Familienmitglieder ab. Das Primärziel ist nicht Harmonie – die stellt sich erst auf Umwegen und mit untergründiger Ironie ein, und ist dann auch noch eine fragile Angelegenheit, stets vom ungebändigten Individualismus der andersonschen Figuren bedroht. Nein: es geht eher um den Wunsch nach Harmonie, um den unbedingten Willen, eine in Mythen und Medien vorgepredigte Formel zu erfüllen; und so drängt Francis zur spirituellen Reise genauso, wie er ganz selbstverständlich seinen Brüdern das Essen bestellt (was ihn als legitimen Erben der mütterlichen Verhaltensweise ausweist).

    Er hat alles geplant für die meditative Selbstfindung, für die Reise ins eigene Ich. Inklusive einem Ritual mit Pfauenfedern, das komplett danebengeht, einer der lustigsten Szenen des Films, ein coitus interruptus mit vielen Zurufen, ekstatischen Bewegungen, großen Gesten und hehrem Ziel – das dann zusammenfällt wie ein Kartenhaus, weil schließlich nix dabei rauskommt. Die Brüder sind noch zu unreif, Vertrauen und Einigkeit sind noch weit, und Anderson hat dafür nicht nur den Blick, sondern auch den richtigen Inszenierungsstil gefunden, um alles zu potenziertem Witz – gerade durch die formale Reduktion – werden zu lassen.

    Ein großes Assoziationsfeld schafft Anderson mit jedem neuen Film, das das Mediengedächtnis beschäftigt, das angefüllt ist mit Originalitäten wie mit Zitaten, das einlädt zum Wandern in der Anderson-mind map. Ist alles symbolisch gemeint, oder arbeitet Anderson beständig mit Pseudo-Metaphern? Was heben die so ebenmäßig ästhetischen Zeitlupenaufnahmen zu Sixties-Popmusik hervor? Oder sind sie nur falsche Fährten, absichtsvolle Manierismen, ein Spiel mit filmischen Mitteln? Sind die orangeroten, bizarr bemalten, nummerierten Koffer der Brüder als Erbe des verstorbenen Vaters die Last der Vergangenheit, die hinter sich gelassen werden muss, um im Darjeeling Limited voranzukommen? Und wenn ja: Warum sind sie dann ganz offensichtlich den ganzen Film über leicht und leer? Und sehe ich richtig, dass Adrian Brody das süffisanten John-Lennon-Lächeln perfekt drauf hat, und dass Jason Schwartzman durchaus als George-Harrison-Lookalike durchgehen könnte, oder sind diese Gedanken an andere berühmte Indienreisende nur vom Film beabsichtigter Spuk in meinem eigenen Hirn? Oder im Hirn der Protagonisten, die süchtig sind nach der in Indien so billigen Droge Hustensaft?

    Fazit: Ein weiteres Meisterwerk von Wes Anderson, skurril, bizarr, außergewöhnlich und unglaublich witzig.
  • Ganz unverkennbar ein Wes Anderson: Mehr denn je durchweht ein Hauch von Tragikomik die Sinnsuche von drei entfremdeten Brüdern in Indien.

    Aalte sich Wes Andersons Vorgänger “Die Tiefseetaucher” ein wenig zu gefällig in seinem drolligen Ambiente und ließ dabei jegliches Spannungsmoment vermissen, markiert “Darjeeling Limited” – das ist der Name eines gemütlichen Personenzugs, der Indien durchkreuzt – eine Rückkehr zu alter Form für den literarisch gewandten und stets um ein Höchstmaß an visueller Ausgefallenheit bemühten Regisseur. Tatsächlich setzt diese neue Ballade um entwurzelte Brüder, die schwer an den Altlasten der dominanten Eltern zu tragen haben, genau da ein, wo Andersons Geniestreich “Die Royal Tenenbaums” aufhörte: bei der Beerdigung des Patriarchen, der trotzdem eine allgegenwärtige Präsenz ist, wenn die jungen Männer dessen Aufsehen errgendes Louis-Vuitton-Reisegepäck über Stock und Stein hieven und sich außer Stande sehen, sich davon zu trennen.

    Dabei befinden sich Francis, Peter und Jack eigentlich auf einer spirituellen Reise durch Indien, die dem ungleichen Trio von der traurigen Gestalt Erleuchtung und vor allem einen Neuanfang bringen soll. Was sich zunächst als Ding der Unmöglichkeit erweist, bis sie nach einem Eklat des Darjeeling Limited verwiesen werden und ein unerwarteter Todesfall sie zwingt, ihre Vergangenheit und sich selbst zu konfrontieren. All das hat Anderson, der diesmal das Drehbuch mit Co-Hauptdarsteller Jason Schwartzman und Roman Coppola geschrieben hat, mit gewohnt launigen Episoden, in denen Pfefferspray, eine entlaufene Kobra und Hustensaft mit besonders benebelnder Wirkung eine Rolle spielen, angereichert.

    Das ist immer wieder komisch; ein Film zum Lachen ist diese unglaubliche Reise in einem verrückten Zug allerdings nicht. Obwohl Anderson es sich immer wieder gönnt, sich von der eigentlichen Handlung zu lösen und seine Figuren einfach nur treiben zu lassen, ist “Darjeeling Limited” nerviger und unmittelbarer als seine bisherigen Arbeiten: Es gibt eine rauhe Sexszene, und es wird sehr unvermittelt und schockierend gestorben. Vor allem aber schwingt über dem Prozedere trotz der kräftigen Farben, ausgefallenen Designs und der beschwingten Musik, die Anderson aus alten Bollywood-Filmen adaptiert hat, eine große Wehmut und Melancholie. Owen Wilson dabei als ältesten Bruder an der Seite von Schwartzman und dem erstmals in einem Anderson-Film spielenden Adrien Brody zu sehen, bandagiert, versehrt und voller Schrammen im Gesicht, trägt zur verzweifelten Stimmung bei und macht es unmöglich, den Film nicht im Kontext mit Wilsons Depression und Selbstmordversuch zu sehen. Spirituelle Erneuerung? In der Tat. ara .

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