Casomai - Trauen wir uns?! (2002)

Originaltitel: Casomai
Casomai - Trauen wir uns?! Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Casomai - Trauen wir uns?!: Originelles Beziehungsdrama aus Italien, das mit gesellschaftskritischen Kommentaren für die Liebe plädiert.

Stefania (Stefania Rocca) und Tommaso (Fabio Volo) wollen heiraten, und auch Nachwuchs ist bereits unterwegs. Am Tage der Vermählung rückt die liebe Verwandt- und Bekanntschaft an, und ein jeder hat neben guten Wünschen auch Erwartungen im Gepäck, denen das junge Glück gefälligst zu genügen hat. Da ergreift der unangepasste Pater Don Livio (Genaro Nunziate) das Wort, und schon bald wird klar: Diese Hochzeit läuft nicht so wie andere.

Der Geist eines “Don Camillo” weht durch diese originelle Bestandsaufnahme gegenwärtiger Befindlichkeiten aus wertkonservativer Perspektive. “Casomai” gewann den Publikumspreis beim “Cinema! Italia!”-Festival und wurde zum vieldiskutierten Hit an den heimischen Kinokassen.

Mailand, heute: Tommaso und Stefania wollen heiraten, nachdem sie sich an ihrem Arbeitsplatz kennen gelernt und verliebt haben. Bei der Trauung äußert der Priester Zweifel, ob er das Paar in die Ehe, schicken darf, die ihm in der immer egoistischer werdenden Gesellschaft ein zu großes Risiko zu bergen scheint. Also entwirft er ein Bild von Tommasos und Stefanias zukünftigem Eheleben und dessen Scheitern.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Pfarrer Don Livio stellt Stefania und Tommaso bei ihrer Trauung auf eine harte Probe. Er versucht so tief wie möglich in ihr Privatleben einzudringen, um beiden einen guten Start in die Ehe zu ebnen. Es kommt zu einer höchst ungewöhnlichen Trauzeremonie. Braut und Bräutigam sehen sich gemeinsam als Eiskunstläufer und beschreiben mit dieser Metapher ihre Vorstellung von der Ehe. Zu emotionsgeladener Musik gleiten die beiden über das Eis und wagen den Balanceakt der Heirat. Dass die Ehe jedoch ihre traditionelle Aura einer ewig währenden Beziehung schon lange verloren hat, zeigt sich in der gesellschaftlichen Praxis. Für steuerliche Vergünstigungen oder einen Kindergartenplatz kann schnell eine Scheidung eingereicht werden, dann lässt sich das Leben auch in einem lockeren Bund genießen. Die Spitze dieser Entwicklung ist, als Tommaso das Bild der beiden Eiskunstläufer für den Werbespot einer Speiseeisfirma verwendet. Die Ehe und Eis am Stiel bekommen immer mehr Gemeinsamkeiten und halten sich letztlich auch nur noch gleich lang.

    Bringt die Heirat von Stefania und Tommaso mehr Gefahren als Chancen mit sich? Der Arbeit, die ein Kind fordert, scheinen sie jedenfalls nicht gewachsen zu sein. Doch ihre Freunde halten vielerlei Ratschläge bereit. Es ließe sich einfach feststellen, wann eine Beziehung nicht mehr funktioniert, und zwar an drei Punkten: 1. Wenn beide nicht mehr miteinander ausgehen. 2. Wenn sie keinen Sex mehr haben. 3. Wenn sie beginnen, Fernsehen zu schauen. Die schlichte wie funktionelle Checkliste verfehlt ihre Wirkung nicht. Als sie das Kind bekommen, können sie nicht mehr miteinander ausgehen. Als es nachts zu schreien beginnt, haben sie keinen Sex mehr. Und als Stefania ihre kranke Mutter zu sich nehmen muss, läuft im Haus rund um die Uhr der Fernseher. Ist das alles also nicht zwangsweise so gekommen und gibt es überhaupt einen anderen Weg? Mit dem Scheitern der Beziehung raten die Freunde nur salopp abzuwarten, und dass der/ die nächste bestimmt kommt. Wenn der Ehe oder der Beziehung so wenig Bedeutung beigemessen wird, ist sie dann überhaupt noch möglich? Don Livio findet mit den Hochzeitsgästen eine einfache Antwort: Tommaso und Stefania müssen sich in ihrem Privatleben selbst zurechtfinden und niemand Fremdes über sich bestimmen lassen. In dem Moment, wo Don Livio die beiden darüber nachdenken lässt, hofft er, den Grundstein für eine glückliche Beziehung legen zu können.

    Grundlegende Fragen wirft Regisseur Allessandro D'Alatri mit "Casomai" auf. Hinter der lichten italienischen Fassade verbirgt sich der Kampf zwischen erzkonservativen und sehr liberalen Einstellungen. Don Livio fasst aus den Entwicklungen in seiner Umwelt eine Synthese und schafft eine tragikomische Atmosphäre. Die unterschiedlichen Lebensauffassungen von Stefania, Tommaso und deren Freunden sind äußerst streitbar und zwingen den Zuschauer Position zu beziehen in einem Film, der sich selbst jeder Wertung entzieht und zum Nachdenken anregt.

    Fazit: Ein empfehlenswerter, romantisch-bewegender Film.
  • Eine normale Hochzeit in einer Kirche auf dem Land wird zur Reflexion über die Zukunft der Liebe, als der Pfarrer ganz unorthodox dem Brautpaar und den anwesenden Gästen aufzeigt, wie aus dem Glück zu zweit eine unglückliche Ehe werden kann. Diese ungewöhnliche Love-Story, die in Italien zu einem der erfolgreichsten und meistdiskutiertesten Filme des vergangenen Jahres wurde, sollte in Deutschland vor allem das Herz des weiblichen Publikums gewinnen.

    Bei der Heirat hängt der Himmel meistens noch voller Geigen und die meisten Filme enden mit der Legalisierung der Gefühle – weißes Kleid, Ehering, Kuss und Tusch. Was dann kommt, wollen wir eigentlich nicht so genau wissen, eben weil wir es wissen. Da macht Alessandro D’Alatri einen Strich durch die romantische Rechnung. Es beginnt nett und gefällig: ein junges Paar aus Mailand – er Kreativer in einer Werbeagentur, sie Visagistin in der Modebranche – will in einer kleinen dörflichen Kirche heiraten, weniger aus religiösen Gründen, als um den Eltern einen Gefallen zu tun. Die geladenen Gäste erwarten gespannt das Ja-Wort, nur dazu kommt es erst mal nicht, weil der Priester den Brautleuten vorschlägt, sich immer ein Hintertürchen in puncto Treue offen zu lassen und “dass der Tod euch scheidet” sei sowieso Schnee von gestern bei der heutigen Scheidungsrate. Erst einmal ertönt lautstarker Protest, aber dann entwickelt der moderne Don Camillo das Szenario einer Beziehung – verliebt, verlobt, verheiratet, aus tollem Sex wird müde Pflicht nach Geburt des ersten Kindes, Debatten um Windeln ersetzen wilde Leidenschaft, irgendwann nur noch giftiges Anschweigen, sie vereinsamt als Hausfrau, er beruflich unter Stress, ein flotter Seitensprung, Scheidung, schmutzige Wäsche waschen. Doch auch von dieser deprimierenden “Vorschau”, die der Frage nachgeht, ob nicht die Gesellschaft auch für das Funktionieren oder Scheitern einer Beziehung verantwortlich ist, beharren die beiden auf ihrem Vorhaben, sie trauen sich trotz aller Prognosen. Alles auf Anfang…

    Die Erforschung der drei Ebenen der Ikonographie der Liebe (wie stellen wir uns sie vor, wie wird sie dargestellt und wie setzen wir sie um) ist amüsant, melancholisch und trotz aller Unkenrufe optimistisch. Bei diesem Kaleidoskop der Hoffnungen, Träume und Illusionen kommt auch das komödiantische Element nicht zu kurz. Und das sozialkritische, denn wer möchte dem Gottesmann widersprechen, wenn er aufdröselt, wie das Unglücklichsein als Motor der Wirtschaft dient. Zwei Haushalte brauche mehr als einer und Unglückliche geben mehr aus, weil sie sich trösten müssen. Wie schön, dass uns der Regisseur dennoch mit einem Happy End in die Wirklichkeit entlässt. mk.

Darsteller und Crew

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