Carol (2015)

Carol Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Carol: Herausragend elegantes Melo nach Patricia-Highsmith-Vorlage über zwei Frauen in den Fünfzigerjahren, die aller Widerstände zum Trotz zueinander finden.

New York in den 1950er Jahren: Therese Belivet (Rooney Mara) arbeitet als Verkäuferin in der Spielwarenabteilung eines Warenkaufhauses und träumt von einem besseren Leben als Bühnen-Designerin im Theater. Als ihr durch die Kundin Carol Aird (Cate Blanchett) mehr Beachtung zu Teil gegeben wird, als sonst üblich, fühlt sich die Frau zur ihr hingezogen. Carol ist jedoch verheiratet mit Harge Aird (Kyle Chandler), wenn auch unglücklich. Um ihrer Ehe zu entfliehen, beginnt Carol immer mehr Zeit mit Therese zu verbringen. Daraus entwickelt sich für beide eine leidenschaftliche Affäre, an dessen Ende Therese davon überzeugt ist, sich in Carol verliebt zu haben. Doch Carol ist sich ihrer Gefühle gegenüber Therese nicht sicher. Da sie eine Tochter mit Harge hat und in den 1950er Jahren gleichgeschlechtliche Beziehungen strafrechtlich verfolgt werden, muss sie durch ihre Affäre nicht nur um ihr Sorgerecht bangen. Und Therese Sehnsucht nach ihrer Liebe wird indes immer größer. Todd Haynes verfilmte das zweite Buch der amerikanischen Autorin Patricia Highsmith, die vor allem für ihre Tom Ripley-Romanreihe bekannt ist. Das adaptierte Werk „The Price of Salt“ – in Deutschland unter dem Titel „Salz und sein Preis“ veröffentlicht – brachte die Autorin im Jahr 1952 unter dem Pseudonym Claire Morgan heraus. Grund: Das damals brisante Thema von gleichgeschlechtlichen Beziehungen sollte ihr nicht den Stempel verpassen nur lesbische Romane zu verfassen. Der Film feierte auf dem Cannes Filmfestspielen 2015 seine Weltpremiere. Dort wurden sowohl Rooney Mara für ihre Darstellung als Therese Belivet als auch Emmanuelle Bercot für den Film „Mon Roi“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • 1949 verfasste Patricia Highsmith die Liebesgeschichte einer schüchternen Verkäuferin und einer viel älteren Hausfrau. 1952 veröffentlicht kann man den Roman auch als Zeugnis des konformistischen Amerikas der Zeit lesen. Todd Haynes hat seine ganze Karriere damit verbracht, Konformität und Repression zu erforschen. In Carol richtet er seine Aufmerksamkeit auf die unsichtbare lesbische Subkultur während der 50er. Carol beschäftigt sich dabei mit dem schönen Schein, der Oberfläche des Menschen in Kontrast mit seiner wahren Natur. Die Dualität des menschlichen Seins. Therese (Rooney Mara) ist Verkäuferin in einem New Yorker Warenhaus. Sie hat eine Art festen Freund, doch irgendetwas in ihrem Verhalten hinter der Verkaufs-Theke verrät uns: Therese wartet... Vermutlich weiss sie selbst nicht auf was. Dann tritt Carol, eine elegante Blondine, in Erscheinung. Die erste Begegnung von Carol und Therese mag geschäftlich sein, Kundin und Verkäuferin. In Wahrheit aber werden wir Zeuge eines verbotenen Flirts. Haynes inszeniert die Beziehung beider mit viel Aufmerksamkeit für die Details (die schmutzigen Motel Zimmer, dunkles Bar, Carols Anwesen und Thereses Apartment). Wir erleben die Romantik, aber auch die Tücken der Situation. Manchmal werden Carol und Therese durch verschmutzte Fenster gefilmt, es scheint, als stünden sie ausserhalb. Die Einsamkeit resultiert daraus, dass beide nicht sie selbst sein dürfen. Carol und Therese müssen sich verstecken. Der Roman wird durch Thereses Perspektive erzählt. Dadurch bleibt Carol im Grunde fremd. Besonders deutlich wird das im Film in den Szenen, da Therese abwesend ist - sie verwirren uns, da wir ja gewohnt sind, eben durch Thereses Augen zu sehen. Blanchett ist eine Schauspielerin, die keine Angst davor hat "dramatisch" zu spielen. In einigen Filmen wirkt das unpassend in einem realistischen Kontext. In Carol kommt ihr das aber zugute, denn ihre Figur versteckt sich hinter "Performance": Wie sich Carol eine Zigarette ansteckt, wie sie ihr Haar zurückwirft. Auch Carol ist eine Schauspielerin. Therese erleben wir in ihrer Beziehung mit einem Mann und auch darüber hinaus hat sie einige (männliche) Freunde. Interessant ist der Unterschied dieser Beziehung gegenüber der, die sie mit Carol eingeht: Es ist nicht einfach die Geschichte der schüchternen Verkäuferin, sondern durch Carols Präsenz wird Therese eingeschüchtert. Dazu kommt, dass sie nie öffentlich Carols Hand halten kann und auch nicht davon ausgeht, dass dies jemals geschehen wird. In einer Szene sitzt Terese auf dem Rücksitz eines Taxis und beobachtet ein Pärchen, wie es Händchen haltend die Strasse entlang schlendert. Wie stark mag sie sich in diesem Moment "ausserhalb" gefühlt haben? mehr auf cinegeek.de
  • Herausragend elegantes Melo nach Patricia-Highsmith-Vorlage über zwei Frauen in den Fünfzigerjahren, die allen Widerständen zum Trotz zueinander finden.

    Exquisiter und edler als Todd Haynes’ Highsmith-Verfilmung “Carol” kann eine Liebesgeschichte kaum erzählt werden. Patricia Highsmith hatte ihren zweiten Roman “Salz und sein Preis” 1953 unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlicht – zu eindeutig waren die autobiographischen Elemente. Außerdem wollte die damals 32-jährige Schriftstellerin nicht als Autorin lesbischer Stoffe abgestempelt werden. Erst 1984 bekannte sie sich zu der Arbeit. Todd Haynes, der zuletzt schon mit dem HBO-Vierteiler “Mildred Pierce” mit Kate Winslet nach dem Roman von James M. Cain einen erklärten Frauenstoff realisiert hatte, lässt seiner Verfilmung jetzt ebenso viel Ernsthaftigkeit und Grandezza angedeihen wie Anthony Minghella seinerzeit seiner Highsmith-Adaption “Der talentierte Mr. Ripley“, nur dass seine Arbeit noch besser ist, atmosphärisch und inhaltlich noch dichter, erzählerisch noch gelungener – ein fantastisches Highlight im Wettbewerb des 68. Festival de Cannes. Aktuell kann Haynes bei der Inszenierung von Frauen wohl keiner das Wasser reichen: Cate Blanchett begeistert als moderne Greta Garbo wie gewohnt, die eigentliche Sensation ist Rooney Mara, der mit der Darstellung einer Figur, die im klassischen Hollywood wohl von Audrey Hepburn gespielt worden wäre, endgültig der Durchbruch gelingen sollte.

    In gewisser Weise handelt es sich um einen Begleitfilm zu “Dem Himmel so fern“, Haynes’ kluge Variation von Douglas Sirks “Was der Himmel erlaubt” aus dem Jahr 2002, in dem ein Ehemann in der rigiden Gesellschaft der Fünfzigerjahre an seiner geheim gehaltenen Homosexualität zerbricht. Sirks außergewöhnliches Gespür für Farbe, Dekors und Stil kommt nun auch in Haynes’ neuem Woman’s Weepie zum Tragen, ein Melodram ganz im Sinne großer Meister wie William Wyler, Vincente Minnelli und Billy Wilder, ohne dass man im Hollywood der Zeit hätte zeigen dürfen, was jetzt bei Haynes ganz selbstverständlich erscheint: wie sich zwei Frauen ineinander verlieben und einander lieben. Kameramann Ed Lachman findet für diese verbotene Liebe traumhafte Einstellungen, filmt durch Fenster oder Türrahmen und in Spiegelungen. Beginnend mit einer zufälligen Begegnung in einem New Yorker Kaufhaus im Jahr 1952, ist klar, dass die junge, neugierige Verkäuferin Therese und die in ihrer gescheiterten Ehe unglückliche Upper-Class-Dame Carol füreinander geschaffen sind. Stets fürchtet man als Zuschauer eine drohende Katastrophe. Man kennt ja die Geschichten von Patricia Highsmith, man weiß, dass solche Affären niemals gut enden. Eine Pistole wird irgendwann gezeigt, ebenso wie ein Ausschnitt aus “Sunset Boulevard“. Zum Scheitern ist sie verdammt, die Liebe der beiden Frauen, glaubt man zu wissen. Und man scheint auch Recht zu behalten mit dieser Befürchtung, nachdem Carol und Therese beim ersten Liebesakt in einem entlegenen Motel von einem Privatdetektiv gefilmt werden, der für Carols Ehemann arbeitet. Aber dann geht der Film doch einen anderen Weg, und er massiert auch ein bisschen, was Highsmith in ihrem Roman erzählt, ist weniger streng mit seinen beiden Heldinnen, bis er bei der letzten Szene im gefüllten Oak Room in New York ankommt, bei einem letzten Blick, der einen regelreichten Wirbelsturm der Gefühle auslöst und seinen Platz in der Filmgeschichte jetzt schon sicher hat. ts.
  • Der Film wurde schon bei den Filmfestspielen 2015 in Cannes mehr als lobend erwähnt. Jetzt kam weitere fünf Nominierungen für die Wahl zum Golden Globe hinzu. Cate Blanchett und Rooney Mara, die beiden Hauptdarstellerinnen, zählen ebenso zu den Nominierten. Dazu als bestes Drama, die Musik und Todd Haynes als bester Regisseur.
    Im New York der 1950er Jahre lebt Carol (Cate Blanchett) in einer unerfüllten Ehe mit ihrem reichen Mann Harge (Kyle Chandler). Auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für ihre kleine Tochter lernt sie die Verkäuferin Therese (Rooney Mara) kennen.
    Sie verabreden sich einige Male und kommen sich langsam näher. Carol, die in Scheidung mir ihrem Mann lebt, schlägt Therese eine Reise durch die USA vor. Es entwickelt sich eine ganz besondere Bindung zwischen ihnen und schließlich die große Liebe.
    Ihr Ehemann will jedoch das neue Glück seiner Frau nicht akzeptieren und setzt einen Privatdetektiv auf die Beiden an. Er soll Beweise sammeln für das Scheidungsverfahren um das alleinige Sorgerecht für seine Tochter zu erlangen. Doch Carol kämpft um ihre Liebe und das Sorgerecht für ihre Tochter.
    Der Film basiert auf einen Roman „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith aus dem Jahre 1952, den sie unter dem Pseudonym Clair Morgan veröffentlichte. Nur ein kleiner Verlag wagte sich in dieser Zeit diese brisante Geschichte, zu veröffentlichen.
    Mit viel Liebe zum Detail und einem fabelhaften Kostüm- und Setdesign lässt Regisseur Todd Haynes das New York der 1950er Jahre entstehen. Dazu darf natürlich nicht die passende Musik dieser Zeit fehlen. Mit einer sehr ruhigen Kamera und viel Feingefühl erzählt der Film von den Schwierigkeiten einer Liebe in einer verklemmten Gesellschaft.
    118 Minuten – ein Film zum Weiterempfehlen.

    A.G.Wells
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