Boogie Nights (1997)

Boogie Nights Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Boogie Nights: Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars zwischen Lust for Life und Destruktion.

In einer Kneipe entdeckt Profi-Pornofilmer Jack Horner in Pickelgesicht Eddie ein neues Talent, das er fortan in seinen Filmen fördert. Eddie, inzwischen als Dirk Diggler Star der Porno-Szene, wird auch Teil der Horner-Familie, zu der Porno-Diva Amber, Rollergirl und andere gehören. Als Jack ein neues Talent findet, stürzt Dirk ab – in Drogen, Prostitution und Gelegenheitsverbrechen.

1977 wird der Erwachsenenfilmregisseur Jack Horner in einem Nachtclub auf den 17jährigen Tellerwäscher Eddie Adams aufmerksam, dessen gut gefüllter Schritt ihn für eine Karriere im Pornobusiness geradezu prädestiniert. Und tatsächlich: Eddie steigt unter dem Pseudonym Dirk Diggler zum Superstar der Branche auf. Diese gerät zu Beginn der 80er Jahre jedoch in die Krise – Video kündigt sich als Medium der Zukunft an – und Eddie selbst muß seinem exzessiven Lebenswandel Tribut zollen. Der Absturz ins Bodenlose scheint unausweichlich…

Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars zwischen Lust for Life und Destruktion. Ein filmischer Molotowcocktail von überschäumender Energie, der Vergleiche mit Martin Scorsese und Quentin Tarantino herausfordert – und standhält.

Videos und Bilder

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Kritikerrezensionen

  • Das amerikanische Kino ist um einen aufregenden, visionären Filmemacher reicher. Mit seinem gerademal zweiten Film gelang dem 27jährigen Wunderkind Paul Thomas Anderson ein filmischer Molotow-Cocktail von überschäumender und mitreißender Energie, der Vergleiche mit Martin Scorsese und Quentin Tarantino herausfordert – und standhält. In einem zweieinhalbstündigen Parforce-Ritt über Aufstieg und Fall eines männlichen Pornostars streift Anderson in einer Parabel auf die Filmindustrie und das Leben in Amerika im Allgemeinen mit traumwandlerischer Sicherheit durch die späten 70er und frühen 80er Jahre und läßt überbordenden Witz und Lust for Life auf eine Welt voller Gewalt und Destruktivität prallen. Eine Leistung, für die sich “Boogie Nights” schon jetzt Hoffnungen auf einen warmen Oscar-Regen machen darf.

    Ein furioser Schwenk, ähnlich Michael Ballhaus’ berühmter Kamerafahrt in “GoodFellas”, eröffnet das Spektakel, das allerdings Scorseses erstem persönlichen Film “Hexenkessel” deutlich näher steht. Ohne Schnitt hangelt sich Robert Elswits brillante Widescreen-Kamera vom “Boogie Nights”-Schriftzug über eine befahrene Straße im San Fernando Valley in eine brodelnde Disco – ein Hexenkessel für sich – und umkurvt zu den ekstatischen Klängen von “Best of My Life” alle Hauptfiguren dieser Moritat über den Zusammenhang von Tits & Ass und Kapitalismus. Da ist das blonde Nymphchen Rollergirl (Heather Graham), das mit Vorliebe die Hüllen fallen läßt, aber nie seine Rollschuhe ablegt, Pornostar Amber Waves (Julianne Moore), die sich als Übermutter aller jungen Darsteller ihrer Truppe annimmt, Jack Horner (Burt Reynolds mit seiner besten Schauspielleistung seit “Beim Sterben ist jeder der Erste”), ein Spezialist für “exotische Filme”, der davon träumt, Qualitätsfilme zu drehen, die das Publikum auch über den letzten Orgasmus hinaus an den Kinositz fesseln. Und schließlich ist da noch das 17jährige Pickelgesicht Eddie Adams (Mark Wahlberg auf Superstarkurs!), das vor dem heimischen Spiegel Bruce Lees Kung-Fu-Tricks übt und einzig auf sein eines, herausragendes Talent setzt. Ein Talent, auf das Regisseur Horner mit geübtem Blick aufmerksam wird, auch wenn es sich hinter knallengen Jeans verbirgt: Eddie verfügt aber nicht nur über Größe, sondern kann auch wann er will und so oft er will – das A und O für eine steile Karriere im Pornobusiness, die Eddie nach der Metamorphose zu Dirk Diggler als Mitglied von Horners schräger Familie einschlägt. Anderson folgt ihr in unglaublichen Szenen durch die Jahre, eine schier endlose Poolparty unter kalifornischer Sonne, die von dem Filmemacher mit einer Reihe unvergeßlicher Figuren bevölkert wird, die allesamt so spannend und unterhaltsam sind, daß sie eigene Filme tragen könnten. Im Mittelpunkt steht allerdings – wie schon in Andersons Erstling, dem Cannes-Beitrag “Last Exit Reno” (in Deutschland ab Januar als Videopremiere auf dem Markt) – eine ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung, hier zwischen dem Träumer Horner und seinem Zögling Eddie.

    Als Anderson den 70ern buchstäblich das Licht ausbläst und die 80er ihr häßliches Haupt regen läßt, folgt der Absturz: nach dem endlosen Kokain-High der hedonistischen Disco-Ära hält die eiskalte Yuppie-Ära und mit ihr Größenwahn und Kopfschmerz Einzug, die Eddie von seinem Mentor entfremdet. Ein wenig schematisch, aber doch nie klischeehaft erzählt Anderson vom schmerzhaften Erwachen und Eddies verzweifelten und komischen Versuchen, als Strichjunge, Van-Halen-artiger Rockstar (die Sequenz ist unbezahlbar – “Feel the Heat”!) und Kleinspurdealer wieder Fuß zu fassen, bis er in dieser Geschichte vom verlorenen Sohn von Horner in Gnaden wieder aufgenommen wird und sein sagenumwobenes Talent in der schon jetzt klassischen letzten Szene des Films endlich auspacken darf.

    Aber Sex ist nicht das Thema von “Boogie Nights”, in dem das Pornobusiness weder verdammt noch glorifiziert wird. Für Anderson ist diese Szene von Freaks und schrillen Figuren einfach das Sammelbecken für eine Reihe unkonventioneller Charaktere, die sich zu einer tragikomischen Familie zusammenfinden, schneller, intensiver und extremer leben als die Masse und voller erzählenswerter Geschichten stecken. Entsprechend viel Freiraum gibt Anderson seinem begnadeten Ensemble in seinen großzügigen Bildkompositionen. Weil er den Rhythmus des Films seinen faszinierenden Figuren anpaßt und nicht, wie üblich, umgekehrt, erwachen sie geradezu plastisch zum Leben. Und “Boogie Nights” ist nicht nur deswegen so meisterlich, weil Anderson nahezu zehn Jahre pralles menschliches Drama in seine wunderliche Kreation packt, sondern weil dieser wilde, rastlose und häufig undisziplinerte Film auch dann interessant bleibt, wenn ihm sein ansonsten perfektes Feingefühl entgleitet. Dafür sorgen nicht zuletzt die Schauspieler, die allesamt auf der Höhe ihrer Kunst spielen und bei der nächsten Oscar-Vergabe erst einmal geschlagen werden wollen. Vor allem aber macht diese Annäherung an eine vermeintlich oberflächliche Ära, die aus dem prallen Leben schöpft wie kein anderer amerikanischer Film in diesem Jahr, unbändig viel Spaß, ohne daß er sich anmaßt, klüger zu sein als sein Publikum. Dieser Trip ist orgiastischer als es ein Jack-Horner-Film je sein könnte. ts.

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