Babycall (2011)

Babycall Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Babycall: Zwischen Psychothriller und Psychodrama legt Pal Sletaune die Geschichte einer jungen Mutter mit schwerer Vergangenheit an.

Eine junge Frau will nach einer von Gewalt geprägten Partnerbeziehung mit ihrem Sohn ein neues Leben anfangen und zieht in einen anonymen Wohnblock. Ein Babyphon ermöglicht ihr ständigen Kontakt zum Achtjährigen im Nebenzimmer. Nur hört sie nächtens nicht nur den Jungen, sondern seltsame Stimmen und Geräusche, die ihr Angst machen, sogar auf einen Mord hindeuten können. Die Situation scheint immer bedrohlicher. Die Zeichen mehren sich, dass sich die beiden in großer Gefahr befinden.

Anna flüchtet vor ihrem Ex-Mann in staatliche Fürsorge, doch will der Alptraum scheinbar kein Ende nehmen. Noomi Rapace (“Verblendung”) liefert eine weitere komplexe Psychostudie in diesem düsteren Drama aus Skandinavien.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach sechsjähriger Spielfilmpause knüpft der norwegische Regisseur Pal Sletaune mit "Babycall" an seinen klaustrophobischen Thriller „Next Door“ („Naboer“) von 2005 an, als er in seiner Heimat und in Hessen dieses surreale Psychodrama in Szene setzte. Obwohl die Plotentwicklung nicht ganz so überdreht erscheint wie beim Vorgänger und eher langsam entwickelt wird, zeichnen sich einige Parallelen ab.

    Die wandlungsfähige schwedische Schauspielerin Noomi Rapace, bekannt als punkige, unnahbare Hackerin Lisbeth Salander in der erfolgreichen „Millenium“-Trilogie, spielt in der internationalen Co-Produktion die Rolle der allein erziehenden Mutter im Zeugenschutzprogramm. Neben Kristoffer Joner, der nicht mehr den jugendlichen Protagonisten mimt, sondern einen hilfsbereiten Elektronikexperten, nimmt der schleichende Schrecken erneut in einer anonymen Mietswohnung seinen Lauf.

    Zwar verschwindet der Einzelne leicht in der Masse identischer Appartements, was für die gepeinigte Mutter anfangs Schutz vor der Verfolgung ihres Mannes zu geben scheint. Doch letztlich bietet gerade die Anonymität keine Hilfe vor inneren und äußeren Verletzungen. Ihren Sohn kann Anna nicht ewig in den eigenen vier Wänden fest halten, wobei das Babyfon als elektronisches Überwachungsmittel keine ständige Protektion gewährleistet, sondern den Horror noch verstärkt. Zunehmend zieht sich die Schlinge zwischen dem unbewältigtem Trauma, dem Druck durch penetrante Überwachung des Jugendamtes sowie den inneren Dämonen über der überforderten Mutter zusammen.

    Dabei gelingt es Sletaune geschickt, eine desolate Atmosphäre aus eintöniger Architektur und farblosen Innenräumen zu entwickeln. Die nicht gerade moderne Einrichtung passt sich nahtlos ein an die trostlose nordische Landschaft, wobei selbst der im Grunde idyllische See den Schrecken unterstützt. Wie bei „Next Door“ gehört die Farbdramaturgie zur Stärke des Regisseurs, ebenso wie es die überzeugenden Darsteller verstehen, eine schleichende Verunsicherung im Alltag der verängstigten Mutter fühlbar zu machen, in deren Wahrnehmung sich zunehmend Realität und Scheinwelt vermischen. Lange lässt die Regie offen, welche Ereignisse nun der wachsenden Paranoia der Protagonistin entspringen.

    Dass sich am Ende nicht alle Puzzleteilchen zu einem komplexen Ganzen fügen, mag durchaus in Sletaunes Absicht gelegen haben. Schwerer wiegt, dass es „Babycall“ nicht ganz gelingt, den Zuschauer in einen halluzinierenden Sog hinein zu ziehen. Im Vergleich dazu war der kürzere „Next Door“ wesentlich stringenter inszeniert, während Sletaunes jüngste Arbeit gelegentlich droht, das Interesse am Schicksal seiner Charaktere zu verlieren.

    Fazit: Der surreale Psychothriller „Babycall“ liefert eine Paraderolle für Noomi Rapace als getriebene Mutter, kann aber seine geschickt aufgebaute Spannung nicht durchgehend halten.
  • Eine schauspielerisch auftrumpfende Noomi Rapace als Frau zwischen Wahn und Wirklichkeit, realer und surrealer Welt.

    Sie ist immer wieder für eine Überraschung gut, die Schwedin Noomi Rapace. Nach der Millennium-Trilogie hätte sie wohl mit fast jedem Regisseur drehen können, aber sie lässt sich nicht verheizen, sucht sich ihre Projekte wie Bille Augusts “Nachtzug nach Lisabon”, Ridley Scotts “Prometheus – Dunkle Zeichen” oder eben Pål Sletaunes emotionalen Psychothriller über die Grenzen menschlicher Wahrnehmung “Babycall”. Es geht um die Frage, wie viel ein Mensch ertragen kann, und wie weit sich ein Individuum, hier die allein erziehende Anna, eine eigene Welt schafft.

    Die junge Frau beginnt nach einer schwierigen Beziehung mit ihrem achtjährigen Sohn ein neues Leben und wird dennoch vom alten eingeholt. Im anonymen Wohnblock fühlt sie sich vor dem gewalttätigen Ex-Partner halbwegs sicher. Trotzdem kauft sie sich ein Babyphon, um dem Filius auch im Nebenzimmer nahe zu sein und jegliche Gefahr von ihm abwenden zu können. Aus dieser Situation heraus entwickelt der Norweger einen irritierenden Handlungsbogen, der zwischen realer und nicht-realer Welt ohne erkennbare Grenzen falsche Fährten auslegt, was das Verständnis nicht gerade erleichtert. Manchmal möchte man aussteigen, ist dann aber gefesselt von dem unergründbaren Geheimnis der Hauptfigur und der darstellerischen Tour de Force Rapaces. Sie hört auf dem Babyphon nicht nur Laute ihres Sohnes, sondern auch undefinierbare Geräusche aus Nachbarwohnungen, diffuse Schreie, die auf einen Mord hindeuten. Die Situation empfindet sie immer bedrohlicher. Der neue Schulfreund ihres Sohnes scheint dubios, Blut auf den Zeichnungen wird als unheilvolle Warnung interpretiert. Auch die zarte Freundschaft zwischen Mutter und Babyphonverkäufer im Elektromarkt ist zum Scheitern verurteilt, zu stark kämpft die vom Schicksal gezeichnete Frau gegen die Schatten der Vergangenheit und gleitet sukzessive in dunkle Phantasmagorien ab, unfähig eine Beziehung aufzubauen. Ihr Misstrauen ist groß wie auch die irreparablen psychischen Verletzungen. Die Wirklichkeit bröckelt sukzessive. Es geht schon sehr depressiv-nordisch zu und wenn sogar der idyllische See hinter dem Wohnsilo sich als Fata Morgana entpuppt, wirkt die Rätselhaftigkeit doch etwas übertrieben. Was bleibt, ist ein beklemmendes Gefühl. mk.
  • Backebackekuchen-Thriller Nummer 126974: Wenn Mindfuck-Kino das Hirn weichkocht.
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