Baader (2001)

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Filmhandlung und Hintergrund

Baader: Radikales Biopic über den Terroristen Andreas Baader und seine Karriere vom Autodieb zum Anführer der RAF zwischen 1967 und 1972.

In den späten 60er Jahren fällt der junge Kleinkriminelle Andreas Baader (Frank Giering) verstärkt sowohl der Polizei als auch der weiblichen Studentenwelt auf. In den wilden Jahren der Studentenbewegung schließt er sich einer revolutionären Bande an, gewinnt die Liebe der Polit-Aktivistin Gudrun Ensslin (Laura Tonke) und entwickelt sich vom kleinen Autodieb zum politisch bewussten, rhetorisch versierten Brandstifter und Bombenleger. Dadurch gerät er ins Visier von Kurt Krone (Vadim Glowna), Chef des BKA. Zwischen Jäger und Gejagtem entwickelt sich eine eigenwillige Symbiose.

Fakten und Fiktion vermischen sich unter der Regie von Christopher Roth (“Looosers!”), Jahrgang ’64, zu einem turbulenten Politkrimi, der dem Hollywoodkino Michael Manns oder Sam Peckinpahs kaum weniger viel verdankt als der historischen Realität. Spaltet Publikum und Kritik wie eine Axt.

1967 sitzt Andreas Baader wegen Fahrens ohne Führerschein und Autodiebstahl im Gefängnis. Kurz darauf legt er mit seiner großen Liebe Gudrun Ensslin in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brände, flieht nach Paris, baut – zurück in Deutschland – mit Ensslin und Meinhof die RAF auf. Auf der Gegenseite heftet sich Kurt Krone, Chef des Bundeskriminalamts, an Baaders Fersen, bis sich 1972 beide am Frankfurter Hofeckweg gegenüberstehen.

Von 1967 bis 1972 begleitet der Film den RAF-Mitbegründer Andreas Baader. Dieser Baader ist jedoch eine Kunstfigur, ebenso historisch verbrieft wie frei erfunden – mal charmanter Autodieb, mal großmäuliger Terrorist, dem jedes Mittel recht ist, den Staat zu stürzen und Star zu sein. Fokus der Handlung ist das Duell zwischen Baader und dem BKA-Chef Kurt Krone, der den Schurken als ungezogenen Sohn zu betrachten scheint. Krone versteht Baaders Ziele, hält sie für durchaus erstrebenswert, kann nur die Wahl der Mittel so gar nicht billigen.

Vom Autodiebstahl bis zur Gründung der RAF entwickelt sich die kriminelle Karriere des jungen Andreas Baader, der mit seinem Erzfeind, BKA-Chef Krone, eine Art Vater-Sohn-Beziehung führt. Radikales Biopic von Christopher Roth, der weniger an historischer Genauigkeit als an (z.T. erfundener) Vielschichtigkeit interessiert ist.

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Kritikerrezensionen

  • Von den vier deutschen Wettbewerbsteilnehmern der diesjährigen Berlinale stellte sich “Baader” letztendlich als der am heftigsten umstrittene heraus. In einer wüsten Mischung aus Fakten und Fiktion setzt sich Christopher Roth mit dem Phänomen RAF auseinander, lässt die Grenzen von Gut und Böse verwischen und handelt die jüngste deutsche Geschichte zeitweise gar als Räuberpistole ab. Empörte so manchen Festivalbesucher die “Geschichtsfälschung”, war der Jury Roths radikales Werk immerhin der Alfred-Bauer-Preis wert.

    Nach Christian Petzold (“Die innere Sicherheit”) und Andres Veiel (“Black Box BRD”) interessiert sich nun mit Christopher Roth (“Looosers”) ein weiterer “spätgeborener” Regisseur für den “deutschen Herbst”. Dabei steht Roth, Jahrgang 1964, der Sinn weder nach Dokumentation noch nach Polit-Thriller und von den persönlichen und gesellschaftlichen Gründen, die den Titelhelden zum Terroristen werden ließen, will er schon gar nicht erzählen. Sein Baader, den er von 1967 bis zu dessen Tod 1972 begleitet, ist gleichermaßen historisch verbrieft wie frei erfunden – manchmal draufgängerischer, charmanter Autoknacker mit einem ungeheueren Schlag bei den Frauen, manchmal Bombenwerfer, Kaufhaus-Anzünder und Aufwiegler, dem jedes Mittel recht ist, den Staat zu stürzen. Dreh- und Angelpunkt der Handlung stellt jedoch das leitmotivische Duell zwischen Andreas Baader und dem BKA-Chef Kurt Krone dar, der den Terroristen als eine Art ungezogenen Sohn zu betrachten scheint. Krone versteht Baaders Ziele, hält sie für durchaus erstrebenswert, kann nur die Wahl der Mittel, sprich Waffen, so gar nicht billigen.

    Gut und Böse scheint demzufolge nur eine Frage der Perspektive zu sein, wie schon bei De Niro und Pacino in “Heat”, bei Keitel, Davis und Sarandon in “Thelma & Louise” oder William Holden und Robert Ryan in “The Wild Bunch”. Ganz folgerichtig laufen sich der Polizist und sein Gegenspieler zwischendurch auch über den Weg und plaudern im Auto freundlich miteinander, bevor die Jagd wieder beginnt – die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Roth beherrscht die Filmsprache, versteht es, mit den Stilmitteln und den Versatzstücken des Genrekinos umzugehen. Da wird ein BMW schnell zum eleganten Fluchtwagen, ein lächerlicher Polizeitrupp zur willfährigen Armee und ein kleiner Rebell zum Staatsfeind Nummer 1.

    Dass dieses sich (vielen) konventionellen Kinoregeln verweigernde Werk so gut funktioniert, ist nicht zuletzt den groß aufspielenden Schauspielern zu verdanken. Frank Gierig glänzt als zerrissener Held, als Macho und Kind, Revolutionstheoretiker und Phrasendrescher, Laura Tonke als dessen Geliebte Gudrun Ensslin und Vadim Glowna als väterlicher Freund Krone, der, der Staatsräson verpflichtet, Baader zur Strecke bringen muss. Der Vielschichtigkeit des intelligenten Drehbuchs entsprechend, arbeiten auch die beiden Kamerafrauen Bella Halben und Jutta Hohlmann. Da wechseln sich brillante, wohlkomponierte 35mm-Aufnahmen mit verwackelten Handkamerabildern ab, verschieben sich Perspektiven und verlieren sich klare Umrisse im groben Filmkorn. Wer bei “Baader” nach eindimensionalen Erklärungsmustern sucht, wird nicht fündig werden, wen der Showdown empört, hat eine falsche Vorstellung von diesem Film – wer jedoch Rudolf Thomes “Rote Sonne” liebt, den Roth im übrigen auch zitiert, ist hier bestens aufgehoben. geh.

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