Away We Go - Auf nach Irgendwo (2009)

Originaltitel: Away We Go
Away We Go - Auf nach Irgendwo Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Away We Go - Auf nach Irgendwo: Leise komisches Road Movie über ein junges Paar, das für sein noch ungeborenes Kind Erziehungsvorbilder und eine neue Umgebung sucht.

Anfang 30 stehen Burt und Verona vor einer großen Zäsur. In drei Monaten wird ihr erstes Kind geboren und damit ihr sorglos ungeplantes Leben kräftig durcheinander gebracht werden. Als Burts Eltern durch Spontanumzug nach Europa als Ratgeber ausfallen, reist das Paar durch Amerika, besucht Freunde und Verwandte, um einen neuen Lebensraum für ihre Kleinfamilie und mögliche Erziehungshilfen zu finden. Die perfekte Familie aber begegnet ihnen nirgendwo, aber irgendwo ist ein Ort, an dem sie diese schließlich selbst aufzubauen versuchen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In den 60ern war das „Goin’ up the country“, das Wegziehen, das Suchen, das Ungebundensein Ausdruck einer gewissen inneren Befindlichkeit – man denke allein an das Woodstock-Festival auf einer Bauernwiese im Nirgendwo. Nicht nur, um sich selbst zu finden, zog man los; es ging auch um die Abkehr von einer Gesellschaft, der man nicht mehr angehören wollte/konnte. Dieses Topos der Reise als Reise zu sich selbst – Grundelement des Road Movies, deren Hoch-Zeit nicht von Ungefähr im New Hollywood der 60er und 70er lag – hat heutzutage eine andere Bedeutung. Die Suche nach dem Platz im Leben ist nicht mehr geprägt von einem grundsätzlich politisch-kritischen Geist, sondern von der Verzweiflung, der Verwirrung, der Verunsicherung, die den vielfältigen Möglichkeiten entspringen, aus den vielen Lebensoptionen und –alternativen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind.

    Es ist bezeichnend, dass die Drehbuchautoren Dave Eggers und Vendela Vida das ursprünglich vorgesehene Filmende – weg aus den USA nach Costa Rica – umänderten: „Wir hatten das Skript unter einer anderen Regierung geschrieben und damals erschien uns die Flucht in ein Land, das sich noch nie an einem Konflikt beteiligt hat, als die einzige vernünftige Lösung.“

    Das „Away We Go“ des Filmtitels, dem sich Burt und Verona verschrieben haben, ist kein Weglaufen, es ist eine Suche nach dem besten Ort von vielen, wo sie bleiben könnten; kein Aufbau eines neuen Lebens in einem neuen Lebensabschnitt, dem der Elternschaft, sondern der Versuch, Anschluss zu finden an etwas, was andere Leute schon entdeckt zu haben glauben. „Unterentwickelt, verwirrt, unreif“ finden sie sich, und so ist ihr Trip auch eine Forschungsreise: wie geht es anderen Eltern? Können wir etwas von ihrem Stil adoptieren? Ist bei ihnen Hilfe zu erwarten?

    Das Beste an diesem Film ist, dass er all diese Fragen ganz leicht nimmt. Und sehr witzig rüberbringt. Damit ist „Away We Go“ eine Art Geschwisterfilm zu „Zeiten des Aufruhrs“, Sam Mendes’ Film vom Frühjahr dieses Jahres, und zugleich eine Art Gegenprogramm. Eine Alternativversion: Das Paar, das sich ändern will/muss, das sich reibt an den Verhaltensweisen anderer und das sich einerseits von der Konventionalität absetzen will, sich andererseits nach Normalität sehnt, ist hier nicht tragisch-dramatisch, sondern locker-komisch aufgelöst. Sehr komisch.

    Allein die Anfangsszene, in der Burt mit der Nase auf Veronas Schwangerschaft gestoßen wird, in einem höchst intimen Moment: „Du schmeckst anders. Irgendwie fruchtig.“

    Auf immer neue Bühnen geraten Burt und Verona, auf denen dasselbe Stück – Eltern und Kinder – in vielerlei Variationen durchgespielt wird. Wo zum Beispiel Egoismus und Gleichgültigkeit gepaart sind mit ordinärer Hemmungslosigkeit und apokalyptischem Raunen über das allgegenwärtige Scheitern, was eine Art Freifahrschein fürs Asoziale ergibt. Oder wo die absolut-kategorisch verstandene Mutterschaft einen gespenstisch-absurden, sektenartig-esoterischen Glauben an die alleinige, eigene Wichtigkeit hervorbringt, inklusive Verteufelung von Kinderwagen, weil man ja seine Kinder nicht von sich wegschieben soll.

    Satirisch, ohne karikaturesk zu wirken, gestaltet Mendes die Möglichkeiten, mit denen sich Burt und Verona konfrontiert sehen. Und zeigt so: man kann in absoluter Harmonie leben wie Burt und Verona, sich dennoch unsicher und anlehnungsbedürftig fühlen, und dabei gerade im Erkennen und Ablehnen falscher Modelle sich selbst definieren.

    Burt und Verona kennen ihre Schwächen und sind intelligent genug, witzig zu sein – Burts Busen-Fixierung zum Beispiel, oder seine überraschenden Streitausbrüche, um die Herzfrequenz des ungeborenen Babys zu erhöhen. Die Drehbuchautoren sind dabei so einfühlsam, die Komik ganz natürlich – und damit umso wirkungsvoller – einfließen zu lassen; sich der Bizarrität des Lebens zu stellen. Und konsequenter- wie dankenswerterweise vermeiden sie alle Klischees von Paarkonflikten oder Schwangerschaftskomplikationen – die Auseinandersetzungen finden mit dem Außen statt, und nicht innerhalb der Einheit Burt–Verona–ungeborenes Baby.

    Und Sam Mendes, der ohnehin in all seinen Filmen als großartiger Charakterzeichner etabliert hat, ist klug genug, nie auf den Gag hin zu inszenieren. Denn: wenn etwas von sich aus, von Grund auf witzig ist, wirkt die Überforcierung tödlich. Dieser Film ist aber höchst lebendig; und um die Lebendigkeit geht es ja auch: sie strampelt in Veronas Bauch.

    Fazit: Sehr lustige, klug geschriebene und einfühlsam inszenierte Roadmovie-Elternselbstfindungs-Komödie.
  • Ein knappes Jahr nach “Zeiten des Aufruhrs” präsentiert Sam Mendes den Gegenentwurf: eine optimistische Komödie über neues Leben.

    Ohne Top-Stars, großes Budget, lange Drehzeit und die visuelle Ereignisqualität, die seine Projekte seit dem Debüt “American Beauty” auszeichneten, wirkt “Away We Go – Auf nach Irgendwo” wie ein Ausbrecher in Mendes’ Filmographie. Thematisch aber bleibt Kompatibiliät gewahrt, denn wieder geht es um Familie, die Komplexität des Lebens und auch um den Tod. In “Zeiten des Aufruhrs” besiegelte Schwangerschaft noch das langsame Sterben einer Beziehung, hier jedoch löst sie Verunsicherung und Aufbruch aus.

    Im Drehbuch von Dave Eggers und Vendela Vida, einem Autorenpaar mit eigenen Kindern, stehen Burt und Freundin Verona vor einer großen Zäsur. Sie ist im sechsten Monat schwanger und besorgt über die Zukunft, er surft dieser gelassen entgegen, weil ihn das Kind noch stärker an seine große Liebe binden wird. Als Burts Eltern unerwartet als Anker und Anlaufstelle ausfallen, bricht das Paar auf, um ein neues Umfeld und geeignete Erziehungsvorbilder zu finden. Der Road-Trip führt sie durch mehrere Bundesstaaten bis nach Kanada, durch ein nicht repräsentatives, aber vielfältig-amüsantes Spektrum von Paar-Beziehungen und Erziehungsansätzen. Darunter Albtraumeltern, die sich über vermeintliche Defizite und Ticks ihrer Kinder lustig machen oder im Erscheinungsbild von esoterisch angehauchten Späthippies den Nachwuchs vor traumatisierenden Erfahrungen wie Kinderwägen bewahren wollen. Diese Episoden mit Allison Janney und Maggie Gyllenhaal haben das skurrilste Figurenpersonal und sind am deutlichsten einem humoristischen Auftrag verpflichtet, während in der kanadischen Familie Glück, Melancholie und Trauer fast gleichberechtigt existieren.

    Die wichtigste Beziehung des Films bleibt aber die der Hauptfiguren, die einmal nicht wie Filmstars, sondern normale Menschen aussehen und von zwei Komödianten gespielt werden. Der sympathische John Krasinski (“Ein verlockendes Spiel”) bewegt sich dabei auf vertrautem Terrain, während “Saturday Night Live”-Star Maya Rudolph ernst und introspektiv überzeugend Neuland beschreitet. “Away We Go – Auf nach Irgendwo” ist visuell belangloser als frühere Mendes-Filme, bietet auch keine weltbewegend neuen Erkenntnisse, aber als leise komischer, charmanter und berührender Kommentar über Familie, Glück und das Eindringen von Verantwortung in Sorglosigkeit ist er eine Reise ins Kino sehr wohl wert. Gute Filme finden Anschluss an die eigenen Erinnerungen. Diesem hier gelingt es. kob.

Darsteller und Crew

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