Anderswo (2014)

Anderswo Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (3)
  1. Ø 3.7
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 0

Filmhandlung und Hintergrund

Anderswo: Tragikomödie um eine aus Israel stammende, in Berlin lebende Frau und ihre Suche nach Heimat und Identität zwischen den Kulturen.

Beim spontanen Heimatbesuch bei ihren Angehörigen in Israel kommt Noa vom Regen in die Traufe. Dem nebelgrauen Berlin hatte sie den Rücken gekehrt, als man ihr nach Jahren des Studiums die Mittel strich und ihre Forschungsarbeit, ein Lexikon der unübersetzbaren Wörter, ablehnte. Nun ist sie bei ihrer mit eigenen Gesundheitssorgen beschäftigten Familie das fünfte Rad am Wagen. Ihre dauernörgelnde Mutter Rachel macht ihr Vorhaltungen, statt ihr Nestwärme zu geben. Dann reist auch noch Noas adretter deutscher Freund Jörg an und will Antworten.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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  • „Wertvoll”

    Die junge Israelin Noa lebt seit Jahren in Deutschland und ist gerade mit ihrem Freund Jörg zusammengezogen. In ihrer Master-Arbeit über "unübersetzbare Wörter" kommt sie nicht weiter und auch in der Beziehung scheint es zu kriseln. Noa entschließt sich zu einem Ortswechsel. Sie reist, zunächst allein, zu ihrer Familie nach Israel. Doch auch dort warten Probleme. Die Oma muss ins Krankenhaus, die Mutter nörgelt an ihr herum, der Bruder verweigert den Militärdienst. Als dann auch noch Jörg auftaucht, prallen Welten aufeinander. Und Noa muss entscheiden, wohin und zu wem sie gehört. Der Abschlussfilm von Ester Amrami, die an der HFF "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg Regie studierte, thematisiert Fragen und Konflikte, die für jeden jungen Menschen, unabhängig von Nationalität oder Kultur, entscheidend sind. Der geografische Kontext liefert zusätzliche Brisanz, wenn etwa Jörg als Deutscher auf Noas Familie in Israel trifft. Die ältere Generation vermeidet die Begegnung und kann nicht vergessen, die jüngere Generation speist sich aus Vorurteilen. Noa selbst, glaubhaft von Neta Riskin verkörpert, steht zwischen diesen Welten, zwischen Tradition, Moderne, Erinnern, Vergessen und Verzeihen. In einem zutiefst zu Herzen gehenden Moment bricht aus ihr die verzweifelte Sehnsucht nach ihrer Mutter heraus, die von Hana Laslo mit hinreißender Verve gespielt wird. Trotz trauriger Momente durchzieht den Film eine sonnige Stimmung, oft konzentriert sich die Kamera auf Großaufnahmen der Figuren. ANDERSWO findet wunderschöne Bilder für Noas Suche nach Heimat und ihrem eigenen Weg, erklärt jedoch nicht jeden ihrer Schritte. Dazu passend bietet er in kleinen Einspielern immer wieder großartige Beispiele für Wörter, die man einfach nicht erklären kann. Ein berührendes und erstaunlich reifes Debüt.

    Jurybegründung:

    Seit acht Jahren wohnt die israelische Studentin Noa in Berlin. Die Welt scheint für sie in Ordnung. Sie arbeitet an ihrer Masterarbeit und jüngst ist sie mit ihrem deutschen Freund Jörg zusammengezogen. Aber, wie so oft, funktionieren die Beziehungen in getrennten Wohnungen besser, als wenn man zusammenzieht. Es beginnt zwischen den Beiden zu kriseln, Noa fühlt sich unverstanden und dann gerät der Studienabschluss auch noch in Gefahr. Spontan fliegt Noa zu ihrer Familie nach Israel, um den Kopf frei zu bekommen. Aber schnell holt sie der Alltag auch dort ein. Zu den Problemen aus Berlin kommen sogar noch neue dazu. Bei der Rückkehr nach Deutschland wird sie einige Entscheidungen fällen müssen. Am Anfang, wie auch am Ende ihrer Reise, muss Noa sich die Frage stellen: Was habe ich falsch gemacht, was muss ich ändern und wohin wird mich mein Leben noch führen?
    Das sind schwere Themen, Szene auf Szene, welche Autorin und Regisseurin Ester Amrami dem Zuschauer vorsetzt. Diese aber erzählt sie auf erstaunlich leichte Weise.
    Alle Szenen haben ihre wichtige Bedeutung, alle enden mit einem Konflikt und ohne wirkliche Lösung. Ein dramaturgischer Reigen von Abbrüchen, aber doch für den Betrachter ertragbar. Ja mehr noch, denn dieser hat immer die Möglichkeit für persönliche Interpretationen und denkbare Lösungsansätze.
    Man merkt dem Film an, dass Ester Amrami ihre Wurzeln in Israel hat. Die Beschreibung des Familienlebens von Noas Familie wirkt in der Inszenierung, wie auch durch das Spiel der Protagonisten, so authentisch, dass man manchmal den Eindruck bekommt, sich in einem Dokumentarfilm zu befinden. In der darstellerischen Leistung überragt die Mutter der Familie auf grandiose Weise den weiteren gut besetzten und spielenden Cast.

    Eine gelungene Idee ist, in die eigentliche Geschichte eine Reihe von Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten einzufügen. Diese Interviews gehören zu Noas Masterarbeit über ein Wörterbuch für unübersetzbare Wörter. Und wenn man genau hinhört, dann sind die Wortbedeutungen allesamt auch sinnfällig für Noas Leben selbst.

    Eine gute Kameraführung, schöne musikalische Begleitung und eine perfekte Montage gehören zu den weiteren positiven handwerklichen Leistungen dieses gelungenen Films.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Tragikomödie um die Suche einer Frau um die Dreißig nach Heimat, ihrem Ich und festem Halt zwischen Berlin und Israel.

    Wie viele biografische Parallelen zwischen der in Israel geborenen Berlinerin Ester Amrami und der weiblichen Hauptfigur existieren, ist nicht überliefert. Aber es dürfen Ähnlichkeiten vermutet werden, so authentisch wirkt die der reizvollen Newcomerin Neta Riskin auf den Leib geschriebene Geschichte. Was die Suche nach Identität und die Verlorenheit zwischen verschiedenen Kulturen als Grundidee an Originalität vermissen lässt, macht Amrami in ihrem u.a. mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichneten Abschlussfilm mit Unbefangenheit und Einfallsreichtum wett.

    “Was für eine durchgeknallte Familie”, stöhnt Noa (Rsikin), wenn sie auf Heimatbesuch bei ihren Angehörigen in Israel vom Regen in die Traufe kommt. Dem nebelgrauen Berlin hatte sie Hals über Kopf den Rücken gekehrt, da man ihr nach Jahren des Studiums die Mittel strich und ihre Forschungsarbeit, ein Lexikon unübersetzbarer Begriffe, ablehnte. In witzigen Kurzinterviews erklären Menschen verschiedener Herkunft (darunter Wladimir Kaminer in einem Cameo) ihre Lieblingswörter, die auch viel vom Gemütszustand von Noa verraten, die überall aneckt, sich fremd fühlt und darüber in grüblerischen Unmut verfällt.

    Nun ist sie bei ihrer mit Gesundheitssorgen beschäftigten Familie das fünfte Rad am Wagen und ihre dauernörgelnde Mutter Rachel (Hana Laszlo) macht ihr Vorhaltungen, statt ihr Nestwärme zu geben. Mutter und Tochter kommen sich nicht näher. Gleiches gilt für Noa und ihren adretten, arglosen deutschen Freund Jörg (Golo Euler), der ihr nachreist und Antworten will, die Noa nicht geben mag. Lieber besucht sie ihre moribunde Oma, der sie eng verbunden ist. Die ersnthaften Verständigungsprobleme, die keineswegs nur die Sprache betreffen, und die Selbstfindungskrise lockert Amrami tragikomisch mit ihrem Sinn für leicht absurde und sonderbare Situationen, für ungewöhnliche Formen und Farben auf. Optisch bilden etwa blumige Kleider und inhaltlich die charakterlichen Eigenarten der Figuren einen Gegenpol. So kann sich die Käseglocke-Atmosphäre in bewegten Umarmungen auflösen, wenn die Figuren sich einmal wirklich gegenseitig wahrnehmen. tk.

Darsteller und Crew

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