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Albert Nobbs (2011)

Albert Nobbs Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Albert Nobbs: Drama um eine Frau, die sich im Dublin des 19. Jahrhunderts als Mann verkleidet, um in der Gesellschaft voranzukommen, darüber aber ihre Identität verliert.

Im Irland des späten 19. Jahrhunderts arbeitet der introvertierte Butler Albert Nobbs im Nobelhotel der sparsamen Mrs. Baker. Diese quartiert eines Tages den Maler Hubert Page in Nobbs’ Dachkammer ein. Sehr zu dessen Schrecken. Denn seit Albert als 14-jährige Waise missbraucht wurde, trägt sie Männerkleider und schlägt sich als penibler, höchst zuverlässiger Diener durchs Leben. Und dann fliegt Alberts Schattenexistenz auf – wegen eines Flohs, der sich in ihr Korsett verirrt hat. Aber damit nicht genug, denn schon kurz darauf gibt sich auch Page als Frau zu erkennen.

Eine Frau schlägt sich im Dublin des 19. Jahrhunderts als männlicher Butler verkleidet durch und verliebt sich in einen jungen Mann. Sorgfältig erzähltes, erschütterndes Drama, in dem Glenn Close eine Galavorstellung gibt.

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Kritikerrezensionen

  • Glenn Close gehört zu jenen renommierten Schauspielerinnen, die man schon einige Jahre nicht mehr auf der Leinwand erleben konnte. Neben Synchronrollen brillierte sie zuletzt einzig in der überragenden Justizserie "Damages – Im Netz der Macht". Daher wirkt es verständlich, dass die wandlungsfähige Darstellerin alles daran setzte, ihre Paraderolle "Albert Nobbs", die sie schon 1982 auf der Bühne verkörperte, fürs Kino zu wiederholen. Basierend auf einer Kurzgeschichte des irischen Autors George Moore verfasste Regisseur István Szabó bereits vor zehn Jahre einen ersten Entwurf. Erst 2011 gelang es, den Stoff als internationale Co-Produktion zu stemmen, wobei neben den Darstellerleistungen und der Ausstattung besonders das überzeugende Make-up herzuheben ist.

    Nicht nur als Co-Produzentin, –Autorin und Songtexterin brachte sich Glenn Close ein, sondern sie wählte mit Rodrigo Garcia einen auf Frauenthemen spezialisierten Regisseur, bei dem sie schon für "Gefühle, die man sieht" (2000) und "Nine Lives" (2005) vor der Kamera stand. Die lange Vorbereitungszeit zahlte sich aus, denn die Verwandlung von Miss Close in einen distinguierten, stillen Gentleman-Butler, der stets seine wahren Gefühle unterdrücken muss, gelang perfekt. Stets verrät nur Alberts Blick seine emotionale Verfassung. Das Gleiche gilt für Janet McTeer, die ebenfalls für den Oscar nominiert wurde. Das Aufeinandertreffen der beiden ungleichen Frauen in Hosenrollen dient erst als Auslöser für Alberts utopische Sehnsucht nach Unabhängigkeit und Freiheit, nach einem Leben ohne die Furcht der Enttarnung.

    Es zeigt sich, dass der Domestik mit der versteckten Identität nicht der Einzige im Haushalt ist, der mit verdeckten Karten spielt. Als das Zimmermädchen Helen seinem Werben nachgibt, verfolgt sie im Auftrag ihres wahren Liebhabers andere Ziele. Alberts streng gehütete Ersparnisse könnten für viele einen Ausweg aus der Misere bedeuten. Glaubwürdig unterstreicht die Inszenierung die Klassengegensätze zwischen den wohlhabenden Gästen des Nobelhotels und der Armut sowie den grassierenden Krankheiten auf Dublins Straßen. Zugleich wirft die Geschichte einen kritischen Blick auf die vorherrschenden Geschlechterrollen. Abgesehen vom undenkbaren Umstand, dass zwei Frauen offen miteinander leben könnten, besaßen allein stehende Damen zudem keine Rechte. Der Schritt in die Armut droht zu jeder Zeit, sollte der/die Waise Albert enttarnt werden und den Job verlieren.

    Wert wurde darauf gelegt, dass auch die Nebenrollen glaubwürdig angelegt sind. Jenseits der überragenden Darstellerriege, aus der sich einige US-Akteure wie Mia Wasikowska im Original einen irischen Akzent zulegten, bleibt Rodrigo Garcias Inszenierung weitgehend konventionell. Während er gegen Ende einige zu melodramatische Akzente nicht vermeidet, gleitet "Albert Nobbs" anfangs gelegentlich in Richtung Sexfarce ab, wohl um den Konventionen des mitunter angestaubten Kostümkinos zu entgehen.

    Dank der Infragestellung tradierter Geschlechterrollen und der sorgfältigen Gestaltung besonders der introvertierten Titelfigur gelang dennoch ein bitteres, eindringliches "Period Picture". Neben einer Oscar-Nominierung wurde Glenn Closes Engagement immerhin mit einer Handvoll neuer Spielfilmprojekte belohnt.

    Fazit: Mit "Albert Nobbs" glänzt Glenn Close als tragischer Charakter einer verkleideten Frau in einem Männerjob, wobei die recht konventionelle Inszenierung sowohl einen Blick auf überkommene Geschlechterrollen als auch auf den harten Hotelalltag des 19. Jahrhunderts wirft.
  • Von Glenn Close getragenes, dem Theater verpflichtetes Drama um eine Frau, die sich im Dublin des 19. Jahrhunderts als Butler verkleidet durchs Leben schlägt.

    1982 schon war Glenn Close in die Rolle des Albert Nobbs geschlüpft. Off-Broadway, in einer Inszenierung von Simone Benmussa, erhielt sie damals beste Kritiken. Seitdem, so sagt sie, hat sie der Part nicht mehr losgelassen. Lange Jahre kämpfte sie um eine Kinoversion, nun liegt sie vor. Als Produzentin firmiert sie bei “Albert Nobbs”, George Moores Kurzgeschichte “The Singular Life of Albert Nobbs” hat sie – gemeinsam mit John Banville, Gewinner des Booker Prize – zu einem Drehbuch adaptiert. Regie führte Rodrigo García, Sohn von Gabriel García Márquez, ein routinierter (TV-)Handwerker, der unter anderem Episoden von “The Sopranos”, “Six Feet Under” und “Big Love” verantwortete.

    Zurück ins Irland des späten 19. Jahrhunderts führt die Story. Seit 17 Jahren arbeitet Nobbs als Butler im kleinen aber feinen Familienhotel von Mrs. Baker (Pauline Collins). Die sparsame Besitzerin quartiert eines Tages den Maler Hubert Page (Janet McTeer) – er soll Renovierungsarbeiten durchführen – in Nobbs’ Dachkammer ein. Sehr zu dessen Schrecken. Denn seit Albert als 14-jährige Waise missbraucht wurde, trägt sie Männerkleider und schlägt sich als penibler, zuverlässiger Diener durchs Leben. Und dann fliegt Alberts Schattenexistenz auf – wegen eines Flohs, der sich in ihr Korsett verirrt hat.

    Wer nun eine (schrille) Kleidertauschkomödie im Gefolge von “Charleys Tante” vermutet, liegt falsch. Man bekommt es hier vielmehr mit einem – mit komödiantischen Momenten durchsetzten – Drama zu tun, in dem eine alleinstehende Frau in einer rigiden Männergesellschaft zu überleben versucht. Es geht um unterdrückte Gefühle, den Traum vom eigenen Geschäft, um sexuelle Identität und natürlich die Liebe. Wenig ist hier wie es scheint, nicht nur Nobbs, auch Page hat einiges zu verbergen. Gradlinig, ruhig, entspinnt sich die Handlung, der Film ist ganz aufs Spiel von Close zugeschnitten und sie bringt sich – oft mit etwas redundanten Kommentaren – auch als Off-Erzählerin mit ein.

    Für einen Oscar waren Close und McTeer zu Recht nominiert, ebenso wie das Trio, das das Make-up verantwortete. Überaus gelungen und schön anzusehen ist Patrizia Von Brandensteins Produktionsdesign, das der Story den perfekten Rahmen gibt. Was fehlt ist die körperlich spürbare Tragödie, denn Nobbs alias Close bewahrt stets die Kontenance, bleibt steif, distanziert, selbst als sie erkennen muss, dass sie um ihre Liebe zum Dienstmädchen Helen (Mia Wasikowska) betrogen wird. Mehr Kino, weniger Theater hätte man sich gewünscht – wer aber auf hohe Schauspielkunst steht, wird nicht enttäuscht. geh.

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