Marcus Cohen II
14.12.2008 13:51 Uhr
|
Wie schon Eli Roths Meisterwerke Hostel und Hostel Part II lässt "Transsiberian" Welt-unerfahrene Amerikaner in einem klischeehaft überzeichneten, bedrohlich böse skizzierten Ex-Ostblock-Land den schieren Horror durchleben. Leichte Inspiration bezieht Brad Anderson wohl auch aus diversen "Verbrechen im Zug"-Filmen a la diesem Hitchchock-Film, der auf der "Early Years"-DVD-Box zu finden ist (Titel ist mir entfallen; habe die DVD gerade nicht zur Hand und keine Muse, auf IMDB zu gucken). Zudem sind Elemente eines modernen Action-Thrillers zu finden.
Die latent mystisch anmutenden, blassen Bilder des Winters in der tiefen, unbekannten (und daher bedrohlich wirkenden) russischen Provinz wissen zu gefallen. Ebenso die Impressionen der klaustrophobischen Stimmung in der transsibirischen Eisenbahn. Recht atmosphärisch, das alles. Vor allem jedoch ist die psychologische Skizzierung des amerikanischen Ehepaares interessant; unaufdringlich wird ein Einblick in die Dynamik ihrer Ehe gegeben.
Mit Abstand am packendsten ist dabei Emily Mortimers Figur, die sie auch noch sehr gut spielt und mit ihrer wie immer starken Ausstrahlung und rauen Schönheit aufwertet. Es erzeugt durchaus emotionale Anspannung, der Frau dabei zuzusehen, wie sie immer tiefer in einen gefährlichen, immer auswegloser erscheinenden Strudel hineingerät und zusehends verzweifelt. Emily Mortimer ist schon klasse.
Das mitreisende Schmuggler-Pärchen bestehend aus dem Spanier Carlos und einem naiven Mädel aus Seattle stinkt im Vergleich dazu leicht ab (weil: prototypisches Figurenpaar, das vom Drehbuch nicht durch charakterliche Alleinstellungsmerkmale aufgewertet wurde), weiß im Großen und Ganzen aber zu überzeugen.
Weniger zu gefallen weiß der fast schon bis ins Detail vorhersehbare Kriminal-Plot (dessen wenige überraschende Momente meist jene sind, die auf mangelnder Logik basieren), der zu allem Überfluss auch noch in einem "chase and run"-Finale mündet ...und hinterher noch einen völlig fransigen Dreifach-Epilog anhängt: Gespräch mit US-Diplomaten. Stop. Krankenhausbesuch. Stop. Geld einsammeln am Tatort im Schnee. Stop. Das wirkt schon sehr fahrig, und: Es ist überflüssig, weil der Erzählung nichts hinzugefügt wird, das nicht unausgesprochen bleiben und der Phantasie des Zuschauers überlassen werden könnte.
60-70% ("ordentlich" bis "noch gut") |