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THEMA: "It's 1991 in my head...
587 mal gelesen
- 1 mal empfohlen
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John Shooter
Filmkritik:
Empfohlen:
26.01.2005 11:17 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3279
Mitglied seit 13.06.2004 |
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-
...I just wanna have no place to go
Livin' thru the sound of the dead
I'm gonna get stoned look round at my soul"
Wir sehen auf dem Filmplakat drei Männer mir riesigen Gewehren mitten in der Wüste im Armydress auf die Kamera zumarschieren. Zugegeben: Die drei kommen verdammt cool rüber. Der Titel: Three Kings – Es ist schön, König zu sein .
Ich sehe also dieses Cover, ich sehe den Titel und ich sehe die Namen der drei Protagonisten: Mark Wahlberg, ehemals Unterwäschemodel, George Clooney, ehemals TV-Arzt und Frauenbetörer und schließlich Gangster-Rapper Ice Cube.
Was erwartet man bei einem solchen Film? Ein Actionfeuerwerk der Superlative, straighte Handlung und keine zu verschachtelten Sätze, damit auch die Letzten unter uns dem allen folgen können. Doch was uns dann tatsächlich in dem Film gezeigt wird, geht in eine komplett andere Richtung.
Die drei Kumpels Archie Gates (Clooney), Troy Barlow (Wahlberg) und Chief Elgin (Cube) haben den Golfkrieg gerade hinter sich, befinden sich also weiterhin in der Wüste. Wir schreiben das Jahr 1991, Die USA und Saddam Hussein haben soeben einen Waffenstillstand ausgehandelt, das Land Irak ist im völligen Chaos, amerikanische Soldaten machen sich immer noch einen Spaß daraus, irakische Gefangene zu quälen. Bei einer Durchsuchung von Häftlingen findet der bislang im Krieg nur als Reservist eingesetzte Troy eine Karte im Arsch eines Gefangenen, das ist wörtlich zu nehmen. Zugegeben eine sehr freakige Idee, die aber zum Anfang des Films sehr gut passt.
Troy geht mit der Karte zu seinen beiden Kumpanen, und sie finden heraus, dass auf der Karte das Gold eingezeichnet ist. Saddams gestohlenes Gold aus Kuwait. Die drei entscheiden sich, da der Krieg vorbei ist, das Gold mal eben zu holen und die Expedition beginnt.
Noch hält der Film alles sehr locker, die Bilder sind mal grell und schrill, mal sehr matt und düster. Die Optik des Films ist ohnehin ein großer Pluspunkt, die Atmosphäre des Krieges wird dadurch dem Zuschauer viel näher gebracht, nichts wird verschönert. Aber irgendetwas daran ist immer noch lustig, und vielleicht ist das der Grund, warum der Film vielerorts die Plakette „Komödie“ aufgestempelt bekommen hat. Plötzliche, drastische Gewaltausbrüche, so übertrieben, dass es schon fast, und ich betone hier das fast, wieder lustig ist.
Also gehen die drei weiter ihren Weg, bis sie an eine kleine Stadt kommen, in der irakische Flüchtlinge und überlebende Zivilisten ihr Dasein fristen. Kalt, abstoßend und furcht erregend wirkt dieses Szenario. Doch auch hier schneidet Regisseur David O. Russel, der auch das Drehbuch verfasst hat, schnell ab. In einem Brunnen soll das Gold versteckt sein, der einen tiefen, unterirdischen Gang beinhaltet. Dort, im Brunnen, wird die Atmosphäre wieder aufgelockert durch die schnellen, flinken Schnitte und die cleveren Dialoge. Das Gold wird gefunden und ans Tageslicht gebracht, doch plötzlich sehen sich die drei Hauptcharaktere unter Beschuss durch Iraker, die natürlich das Gold wieder haben wollen – und plötzlich befinden wir uns mitten in einem Antikriegsfilm der Extraklasse.
Der Übergang vom Actionknaller zum Antikriegsfilm kann eigentlich gar nicht gelingen, so denkt man. Doch hier klappt es, hier funktioniert es, der Übergang war fließend, das Lachen, das man auf den Lippen hatte, erstickt plötzlich. Man fragt sich, warum man denn vorher gelacht hat und was denn an Krieg überhaupt lustig ist. Gar nichts, natürlich nicht, und das zeigt Russel hier schonungslos. Die Gewaltdarstellung ist nicht lachhaft, sondern authentisch, wie sowieso der ganze Film.
Doch zurück zur Handlung: In einer atemberaubenden Flucht über Minenfelder wird wieder etwas aufs Tempo gedrückt, ohne aber wieder in ein Stadium zu gelangen, das dem Anfang des Filmes gleicht. Von nun an wird es aber immer mehr, immer tiefer zu einer authentischen Darstellung der schrecklichen Geschehnisse aus dem Jahre 1991. Wir sehen Tod und Folter, Dinge, die gegen jedes Gesetz der Menschlichkeit verstoßen, und die drei US-Soldaten immer mittendrin. Hatten sie sich zu Beginn noch über den Krieg beschwert, weil er langweilig war, so erleben sie hier die grausame Realität.
Zeitweise erinnert der Film, trotz der komplett anderen Aufmachung und einer natürlich auch anderen Situation, an Spielbergs Meisterwerk „Schindlers Liste“. Dass dieser nicht als Vorbild diente, lässt sich aber an einigen Szenen ablesen, auch wenn das wunderbar inszenierte, schreckliche Ende doch wieder wie eine kleine Hommage an Meister Spielberg wirkt.
Barlow, Elgin und Gates erleben eine Odyssee durch den Irak, die für sie kein Ende zu nehmen scheint. Wollten sie zu Beginn nur etwas Gold stehlen, finden sie sich mitten in Freiheitskämpfen wieder und unterstützen irakische Gefangene so gut sie können. Die Menschlichkeit, die zumindest Barlow und Elgin schon zu Beginn des Filmes beinahe abgesprochen wurde, wird hier deutlich.
Die Darsteller überzeugen absolut alle. George Clooney als charismatischer Anführer des kleinen Trupps, beweist hier scheinbar locker, dass Arzt in einer TV-Serie zu sein wohl doch nicht seine wahre Bestimmung ist. Fast schon souverän zieht er die anderen mit durch heikle Szenen, wirkt manchmal seinem Charakter in „From Dusk Till Dawn“ gar nicht so unähnlich. An seine Leistung im Coen-Meisterwerk „O Brother, where art thou?“ kommt er trotzdem nicht heran, was aber keineswegs eine Schande ist.
Mark Wahlberg stellt dar, dass er zwar gut aussieht, aber als Unterwäschemodel für Calvin Klein doch weit unter seinem Talent verkauft wurde. Er spielt seine Rolle, da kann man sagen was man will, ganz einfach gut. Dass er Talent hat, bewies er ja schon in „Boogie Nights“, hier zeigt er es erneut.
Ice Cube ist Rapper, nun gut. Hier fällt es kaum auf, er spielt seine Rolle mehr als ordentlich und ohne große Fehler, bislang blieb diese Rolle aber auch seine einzige gute, und für den zweiten Teil der unsäglichen „xXx“-Reihe bin ich nicht gerade guter Hoffnung, dass er einen Weg aus diesem Schauspiel-Nirvana findet.
Der Film an sich lässt sich im Endeffekt doch ziemlich eindeutig in eine Kategorie einordnen: Antikriegsfilm. Da können andere sagen, was sie wollen, für mich ist es doch recht eindeutig. Trotz der typischen Merkmale eines Actionfilms zu Beginn von „Three Kings“, trotz der wenigen, eingestreuten Elemente, die auf schwarzen Humor schließen lassen und den Film somit als eine Art Satire proklamieren, bleibt für mich doch das Wichtigste da: Die Handlung. Unter keinen Umständen kann man bei der Handlung auch nur im Ansatz von Komödie, Satire oder sonst was sprechen. David O. Russel geling ein herber Antikriegsfilm mit politischem Unterton – vielleicht sogar mehr, aber auf keinen Fall weniger.
Die Situation des Filmes lässt sich fast 1:1 auf die heutige übertragen. Überraschend, dass ein amerikanischer Film so schonungslos ehrlich daherkommt. Bush schickt Soldaten in den Irak zum Kampf gegen Saddam – kennen wir das nicht irgendwo her?
Das zeigt, dass der Film ein mehr als brisantes Thema anspricht, den ganzen Film über aber nicht den Fehler macht, irgendwo zu übertreiben oder enorm Partei zu ergreifen. Diese Leistung ist dem Regisseur hoch anzurechnen.
Die falsche Aufmachung des Filmes, die ich zu Beginn meiner Kritik ja schon ansprach, ist allerdings nicht dem Regisseur anzurechnen, sondern dem Verleih. Dadurch entstand ein komplett falscher Eindruck und vielleicht ist der Film deshalb so dermaßen unterschätzt.
Und nachdem der Abspann gelaufen ist, versteht man auch den Titel des Films, man versteht auch diese Zeile, die auf den Plakaten in Amerika gedruckt worden ist:
In a war without heroes they are kings
In diesem Krieg, diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, geben sie Hoffnung, und das ist vielleicht das Wichtigste von allem. |
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CaptJackSparrow
27.01.05 - 11:06 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3227 Mitglied seit 08.11.04
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zu:
"Die Optik des Films ist ohnehin ein großer Pluspunkt, die Atmosphäre des Krieges wird dadurch dem Zuschauer viel näher gebracht, nichts wird verschönert. Aber irgendetwas daran ist immer noch lustig, und vielleicht ist das der Grund, warum der Film vielerorts die Plakette „Komödie“ aufgestempelt bekommen hat. Plötzliche, drastische Gewaltausbrüche, so übertrieben, dass es schon fast, und ich betone hier das fast, wieder lustig ist. "
-> Ich sehe das auch so, allerdings ist es eben Geschmackssache, ob man diese übertriebene(teils lustig wirkende) Gewaltdarstellung als Stilmittel mag.Ich finde es passt zum Film ist ist exzellent, kann aber auch Leute verstehen die deshalb den Film nicht so mögen.
Das mit der AUthentizität ist auch meine meinung, auch wenn das Ende etwas unglaubwürdig ist , mit dem Marsch der Flüchtlinge...und deren "Befreiung"
Zu den Darstellern, genau meine meinung, obwohl ich sagen muss IceCube liefert in diesem Film eine seiner besseren leistungen, wenn man an die miserablen Friday-Filme denkt...
zu:
"Der Film an sich lässt sich im Endeffekt doch ziemlich eindeutig in eine Kategorie einordnen: Antikriegsfilm. Da können andere sagen, was sie wollen, für mich ist es doch recht eindeutig. Trotz der typischen Merkmale eines Actionfilms zu Beginn von „Three Kings“, trotz der wenigen, eingestreuten Elemente, die auf schwarzen Humor schließen lassen und den Film somit als eine Art Satire proklamieren, bleibt für mich doch das Wichtigste da: Die Handlung. Unter keinen Umständen kann man bei der Handlung auch nur im Ansatz von Komödie, Satire oder sonst was sprechen"
- Nun ja ich würde schon sagen das er mehr Elemente hat als ein bloser
Antikriegsfilm(BlackHumor, Action), und ich finde ihn deshalb auch sehr ansprechend. Obwohl ich deiner Argumentation nichts entgegnen kann
Allerdings, wie oben schon geasgt ist es eben fraglich ob das alle so empfinden, und schließe mich deshalb dir an, dass der Film von vielen unterschätzt wird.
PS: Exzellente Kritik, meine Empfehlung! |
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lynn
27.01.05 - 13:22 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 8092 Mitglied seit 06.08.01
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Also, 80% okay, würde ich mit Sicherheit auch geben. Dennoch würde ich den (schwarzen) Humor als ein wichtiges Stilmittel im Film bezeichnen. Natürlich ist "Three Kings" ein Antikriegsfilm, aber vielleicht gerade deswegen, weil er zeigt mit welcher Leichtigkeit manche Männer in den Krieg gezogen sind (war schon früher so (Siehe "Im Westen nichts Neues") und ist auch heute noch so (siehe "Fahrenheit 9/11)) und, dass es manchem wie ein Spiel oder eine Riesenparty erschien. Natürlich geht es auch um die Schrecken des Krieges, doch gerade die werden einem doch durch einen bitteren Unterton nähergebracht, der durch eine merkwürdige Art von Humor entsteht. |
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John Shooter
27.01.05 - 16:31 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3279 Mitglied seit 13.06.04
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Erstmal danke an beide für die Antworten, und an Jack Sparrow für die Empfehlung.
Also:
Die Gewaltdarstellung passte fast ausnahmslos zum Film, vor allem in einer der ersten Szenen, in der einem Iraker der Kopf abgeschossen wird und der Schütze bejubelt wird. Das spiegelt den Charakter doch ziemlich stark wieder, gut gemacht, so finde ich.
Aber beispielsweise die Szene, in der die Kugel herausoperiert wird, mit der Innenansicht des Körpers, das fand ich fast schon abstoßend und wirklich übertrieben. Insgesamt hast du Recht, es passt zum Film.
Der "Marsch" am Ende war sicher übertrieben, aber ich fand es in Ordnung, die Menschlichkeit so stark durchscheinen zu lassen.
Der Film ist nicht nur Antikriegsfilm, aber hauptsächlich, das lässt sich auch recht eindeutig belegen. Hatte mich gewundert, dass der Film als Satire oder gar Komödie durchgegangen ist.
Lynn,
in der Wertung liegen wir also gleich, schonmal gut. Auch gut ist, dass du den Punkt mit der Leichtigkeit beschreibst, denn das trifft das alles ziemlich genau. "Im Westen nichts neues" hab ich gelesen, nicht gesehen, aber du hast Recht, das lässt sich vergleichen. "Fahrenheit" ist auch gut gewählt als Beispiel, auch wenn dort ja beide Seiten gezeigt werden. |
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lynn
29.01.05 - 09:33 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 8092 Mitglied seit 06.08.01
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Bei "Fahrenheit 9/11" meinte ich vor allem die Szenen in denen die Jungen Soldaten gezeigt werden, die gerne Rockmusik hören, wenn sie andere Leute töten. |
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John Shooter
29.01.05 - 11:38 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3279 Mitglied seit 13.06.04
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Stimmt, ja. Genau die Szene ist ja vergleichbar mit der Szene, die ich beschrieben habe, in der dem Iraker der Kopf abgeschossen wird. Das ist defintiv vergleichbar, und Russel wusste das schon vor Moore . |
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