Moncho
Filmkritik:
12.02.2007 19:52 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 342
Mitglied seit 16.09.2004 |
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-
ACHTUNG: NICHT NUR DIESER FILM WIRD GESPOILERT, SONDERN AUCH "LORD OF WAR"
Beim Anschauen der ersten Hälfte von "Thank you for smoking" ist mir ständig "Lord of War" in den Sinn gekommen, dessen Protagonist
Yuri Orlov ähnlich clever und unverfroren agierte wie hier Nick Naylor. Beides sympathische Männer die ihren Job wirklich gut beherrschen.
Beide erleben in ihrer Karriere einen Tiefpunk, kommen aber wieder ins Geschäft. Mit seinem Sohn hat Nick Naylor allerdings ein ganz anderes
Verhältnis als Yuri Orlov...
Kurz zur Geschichte: Nick Naylor ist Vizepräsident der "Gesellschaft zur Studie der Auswirkungen von Tabak" (so ähnlich), die von einem
Tabakkonglomerat finanziert wird. Seine Aufgabe ist es, für Tabak und das Rauchen zu lobbyieren. Die Kamera und wir Zuschauer begleiten
Nick ausschnittweise bei diversen Auftritten und Pressekonferenzen, lernen seine privaten Verhältnisse nach und nach kennen, sitzen mit
seinen "Kumpels" von der Alkohol- und Waffenlobby am selben Tisch in der Bar und können aus der ersten Reihe mitverfolgen wie er subtil
innerhalb seines Arbeitsplatzes sich (noch weiter) emporquatscht.
Da er wirklich eloquent und im Grunde nicht unehrlich ist, gelingt es Nick Naylor sogar krebskranke Ex-Raucher auf seine Seite zu ziehen, oder wenigstens sie zu veranlassen zu tun was er möchte. Sein Sohn, ein sehr aufgeweckter Junge, begleitet ihn mal auf einer Geschäftsreise und kann miterleben, wie sein Vater mit Filmleuten verhandelt und den ehemaligen "Marlboro Man" besucht (in spezieller Absicht). Überhaupt ist Nick zu seinem Sohn erstaunlich offen und verschweigt ihm fast nichts, wenn dieser fragt.
Bei seiner Mission einer Reporterin seine, bzw. die Sicht seines Arbeitgebers schmackhaft zu machen, begeht er dann einen schweren
Fehler (ich war zuerst ein bisschen enttäuscht über diese klassische Fussangel, in die Nick getreten war, aber ist sicher nicht unrealistisch).
Dieser Fehler führt nach gewisser Zeit zu seinem Abstieg und zum Verlust seiner Stelle. Das ist aber icht das Ende...
Ein typisch amerikanischer Film (wie "Lord of War" auch), der eine Karriere beschreibt und zu einem grossen Teil von der Hauptfigur lebt.
Diese ist in "Thank you for smoking" wirklich gut gelungen. Aaron Eckhart spielt den Lobbyisten mit einem gewinnenden (nicht öligen)
Lächeln und seine entwaffnende Offenheit nimmt mich als Zuschauer trotz dem Wissen wofür er steht für ihn ein. Trotz seines stressigen Jobs nimmt er sich Zeit für seinen Sohn, beantwortet ihm alle Fragen, die er stellt, kurz, nimmt ihn ernst. Dieser zahlt es seinem Vater mit Liebe und Bewunderung zurück. Die Anti-Raucher Vertreter wurden mehr oder weniger alle ein wenig als steif und verstockt dargestellt, was eventuell ein wenig unfair ist. Allerdings ganz unrealistisch wirkt es nicht, wenn man an all die halbschlauen Nichtraucher Kampagnen denkt, die im deutschsprachigen Raum mit Steuergeldern finanziert werden.
Gut gelungen ist meiner Meinung nach auch das Gesamtbild aus Medienschlachten, Manipulation und Gunst der Stunde. Im Gegensatz zu "Lord of War" spürte ich nach dem Film keine Beklemmung, da die Thematik nicht ganz so schrecklich ist. Der ganze Streifen ist leichter, satyrischer und zumindest ich denke, dass es auch nicht so schlimm gewesen wäre, hätte Nick seinen Job am Ende wieder angenommen. Gerade diese Leichtigkeit hat auch meine Gedanken angeregt, darüber wie sehr wir durch die Medien beeinflusst werden und wie sehr wir das auch möchten und brauchen (was zwar schon
auch ein wenig beklemmend sein kann)... |