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THEMA: Paris je t’aime
3816 mal gelesen
- 3 mal empfohlen
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soraly
Filmkritik:
Empfohlen:
08.07.2007 19:19 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68
Mitglied seit 05.05.2007 |
Philosophierend wendet sich der Animationsfilm immer mit einer Moral von der Geschichte ab, er ergreift eine einhellige Stellungnahme aus dem bislang gerührten Potpourri, er zeigt Kindern die Güte, er streift die erzieherischen Fähigkeiten der Erwachsenen, er schließt sich, mit einem moralischen Ankerpunkt, dick aufgetragen, unfähig jedwede Verwechslung anzustiften, er führt zum doppelt vermummten Kitschresümee. „Ratatouille“ endet so vollkommen anders, in der Art aller Filme, die ein Kritiker zu Gesicht bekommt, nimmt er deren Kritik, deren Einfallslosigkeit, deren Spaß an Verrissen, sowohl im Schreiben, als auch im Nachhinein für den Leser, und zieht sie vor, zieht sie noch in den Prozess des Filmes herein. Des Kritikers Alter Ego stellt sich kauzig und zugenäht in der Form des Kultur- und Restaurantkritikers Anton Ego, sichtbar in seinem Namen schon die Parabel des Egoismus, der egozentrischen Auswüchse, dessen Freude, respektive Liebe am Essen zu einem Gutdünken an allermeistens negativer Worte gefunden hatte. Er repräsentiert den klischeebetriebenen Kritiker abseits einer besonders zuordnenbaren Sparte, der dreist die Worte des nachher gehenden Filmkritikers von „Ratatouille“ herauspickt. Abseits der Floskeln, respektlosen Beschuldigungen, harschen Absätze, ist es nunmehr jener Filmkritiker, der in den letzten Minuten dieser feinen Bourbon Vanille rührend die Moral aufsaugt und lieblich, glücklich blickend „Ratatouille“ ein dickes fettes Sternchen auf die Skala drückt.
Der Kritiker kann nach jenen Stunden in seinem Gefängnis nicht mehr hausen, nicht in den Worten Anton Egos, auch nicht in seinen eigenen. Unbestimmt vertrieben wird er von einer kleinen Ratte, die der Kunst, die dem Porträt eines Künstlers neues Leben einhaucht. „Ratatouille“, ein Mix aus Auberginen, Zucchini, Tomaten, Paprikaschoten und Knoblauch, gewürzt in der Frische von Kräutern, ist gleichsam der Mix von Brad Bird, der dem exquisiten filmischen „Ratatouille“ eine alte Prise Disney-Zeichentrick beschert, unvermutet und weise im neuartigen Gestrüpp der vielseitig einsetzbaren Technik klebt ihm eine reichhaltige Vergangenheitsstunde an. Ein zuvorkommender Page ist es, den Bird hier abgibt, sogar passend spricht er einen französischen Kellner am Rande, einer der hinter Modernität zurückstreckt und den guten vollmundigen Charakter eines Merlot beim Schopfe packt. Er beginnt Risiken in die heile Pixar- und Animationsstube zu schleusen, eine Ratte das Küchentor zu öffnen, poppiges Gewächs bei den „Unglaublichen“ verfrachtet liegen zu lassen, schlussendlich die in den letzten Jahre profilierte Effekthascherei zur Verweihräucherung auf den nackten Küchenboden nebst altem Gammelgemüse in den Müll zu treten.
Gerade eine Ratte rettet den Stolz und Trieb der neumodischen Animationsfabrik auf den mutigen Hinterpfoten, die kratzend über stählerne Arbeitsflächen hüpfen, Töpfe voll wunderbarer Suppe füllen. Nebenher, manch Elternteil wird hier ein leicht von Ekel getriebenes Gesicht aufgehen, steht die Ratte als Insekt oder ätzendes Tier am Rande der Nicht-Tötungskette, gerade in der wohlbehüteten Küche zur Essenszubereitungszeit ein ungeliebter Gast. Remy (Stimme von Patton Oswalt) ist es aber, der die Küche zum Dampfen bringen kann, sollte er in sie kommen. Ausgestattet mit einem abnormal feinen Riechorgan ist es für ihn ein Leichtes, Kräuter, Käse, allerlei Gewürze zu unterscheiden, selbst auf große Entfernungen beste Nahrung auszumachen. Seine Rattenfreunde, besonders Vater Django (Brian Dennehy) können reichlich wenige Vorteile aus dem Ballast des Suppenkaspers ziehen, manövrieren ihn kurzerhand zum Giftdetektor, um Schadstoffe vor Genuss des Abfalls ausfindig zu machen. Doch Remys experimentelles Kochgemüt schlägt über die Stränge einer schnellschussbereiten Hausmannskostoma, die schneller als der Wind das Schrotgewehr in alle Windungen pustet. Getrennt von seiner Familie wirbelt Remy im Abwasserkanal, bis der Gang ihn ausspuckt in den weiten Fächern der Metropole des Genusses, Paris. Unter dem Restaurant des meisterhaften Kochs Gusteau (Brad Garrett) gelandet, der ihn ab dato geisterhaft verfolgt, schwimmt die Ratte im Glück des Verzehrbaren.
Kochstudio, Spielwiese hin oder her, hinter dem Küchenverbot ist der Tanz mit der Kelle ein unmögliches Ding, dass keine Zufälle oder Hoffnungen in die kommenden Möglichkeiten einbezieht. Glück im Unglück für die Ratte, die in dem hoffnungslosen Tellerwäsche Linguini (Lou Romano) eine Marionette zum Showkampf mit den großen Köchen findet. Unter der Haube des jungen Mannes verborgen zieht Remy die Strippen, ungewollt fantasievoll unter den Augenringen des, nachdem der alte Herr des Hauses verstorben ward, neuen Küchenchefs Skinner (Ian Holm). Das Personal beäugt die beiden frischen Spieler aufs Genauste, angetrieben von der angenehmen Qualität Remys kleiner Essenskunstwerke. Die Zeit muss die wirkliche Willenskraft zeugen, sie, die die schlimmsten Kritiker noch auszustehen haben.
Provinziell, ganz und gar hinterwäldlerisch sieht dabei Birds meisterhaftes Kompott in seinen Grundgerüsten aus, es mutet an mit malerischen Hintergründen warmherziger Parisfahrten, dem Überblick der Stadt der Liebe, einer schweifenden Expertise französischer Kulturwelten. Remy findet die rosa Knollnase als Riechorgan aufgesetzt, er schnuppert hier und da, schlackert mit den Plüschohren, ein Kuscheltier kriecht und erkundet die Täler des, zumindest für eine Ratte, sagenumwobenen Küchenschlaghammers. Eine Brise „Das Parfüm“ springt hier in Wogen mit herum, leitet Remy in den Wortschatz um olfaktorische Weisheiten. Störend sollten die übertriebenen Charakterschraffuren, die der Menschen mehrheitlich, sehr wohl wirken, Realitätsnähe ist ihnen in der weit entfernten Kleidung, in dem drahtigen Rattenfell einzig gegeben, ihre glatten, rundlichen Gesichtszüge bar aller Kontakte zur Außenwelt, zum menschlichen oder besonders tierischen Ebenbild. „Ratatouilles“ Glanzstück erscheint in den Sensationseigenstücken der süßlichen Protagonisten, jene, die entgegen ihres Aussehens menschlicher agieren, als von so manch einem Mensch behauptet werden könnte. Wahrhaftig warmherzig öffnen sie ihre Augen, sie blicken offen und ehrlich ihrer geschichtlichen Konklusion entgegen, sie rede in intelligenten, zutiefst scharfsinnigen Phrasen, sie fühlen, riechen, schmecken, sie sind sie.
Das wirkliche Parfüm, der leichte Duft findet sich nicht in Oberflächlichkeiten, es steht schon anprangernd im Titel „Ratatouille“, der eingänglichen Floskel über eine Ratte, die die Kunst des Kochens zu verstehen vermag. Birds wahre Natur eines Regisseurs und Drehbuchautoren blitzt in der prekären und zutiefst schwierigen Begrifflichkeit auf, eine Unterhaltung im breiten Sinne zu erschaffen, die sowohl Kinder-, als auch Erwachsenenherzen höher schlagen lässt. Dem Gebot einfacher kindlicher Sorgsamkeit folgend umgibt „Ratatouille“ eine Wolke klarer Botschaften, dem Drang der Familie nahe zu stehen, seine Pakete mit Würde und Anstand zu schultern, neue Entdeckungen herauszufordern. Komplex und tragend, dabei nie aufmüpfig steht der Kern in Birds Universum geschult auf beider Seiten, der freundschaftlichen Parabel über die unbedingte Wichtigkeit der Familie, gleichsam dem puren Pflichtbewusstsein offen, medienkritisch die Quellen der Moderne zu begegnen. Strotzend allein des klischeehaften Sinnbilds eines Kritikers, spezifisch Anton Ego, herzhaft im Bariton stimmlich eingefangen von Peter O’Toole, der die Kritik nicht etwa heruntersetzt, sondern sorgsam die feinen Nuancen derer aufzeigt, die Lebendigkeit und wahrhaftige Ehrlichkeit hinter dem Vorhang aufspießender Negativität mit einem Zaubertrick hervor beschwört.
Den überrannten Witz, dumpfe Actionschlachten, selbstverliebte Charaktere, sie stehen Schlange ihren Einsatz zu erfahren, sie stehen allerdings noch immer. All die Schadstoffe von Automobilen, Superhelden finden flugs den Sensenmann, der Ersatz spaltet in hoffnungsfrohen Orchesterklängen, hungrigen Kamerafahrten, dem selbstkritischem Unterton in der genialistischen Speisekarte. Lieblich erklingen französische Flirren Michael Giacchinos, sausen die Messer, die Kräuter in den Kochtopf, die Pfanne beflügelt ihre zischelnden Flammen. Hollywoods Kameramänner könnten ruhigen Gewissens eine Karottenscheibe mit in ihren einfallslosen Dreh- und Wendekreis in den schnellen, aber nie hastigen Wogen „Ratatouilles“ mitnehmen, sie könnten lernen aus schwungvollen, runden Schnitte. Die Kamera fährt, sie steckt zurück hinter Remy, sie benötigt nur leichte Schwenks, ohne wahnwitzige unübersichtliche Drehphasen. Sie bewegt sich geschickt, sie spielt mit ihren atmosphärischen Räumen, den überschaubaren Maßen der Großküche, den unendlichen Fahnenmasten Paris.
Eigentlich aufsparen wollte man sich den kringelten Pflichtruf „Paris je t’aime“, siehe, sollte es nicht besser sein, auf das nächste Frankreich-Abenteuer zu warten, sehen, welch eine schöne Ausstrahlung über die Leinwand pirscht? „Ratatouille“ allerdings ist entfernt vom bloßen halbgaren Aufmarsch seiner Animationsartgenossen, seine Legierung entfernt metallene, schüttere, lieblose Grundsätze. Kräftig geschmort, deftig und erheiternd, warmherzig und trocken, er kompensiert Alt und Neu, Naturprodukte und technische Spielereien in eine unglaublich intelligente Parabel, stammend aus wiedergeborenen Disney-Zeichentrickfilmen. Vorgesetzt eine einzige Speise, ein Happen Leben und Schönheit, in einem Restaurant nur mit dem Dank an den Koch unterstrichen.
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turgidson
08.07.07 - 21:01 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1408 Mitglied seit 29.08.06
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sehr geehrte soraly
mal von Profi zu Amateur:
Sie begehen hier immer wieder den Anfängerfehler von sich auf die Umwelt zu schließen. D.h. Sie stehen vor dem Spiegel und bewundern ihre hohen Wangenknochen, ihre feine Nase, die hohe Stirn, die zarten Finger, die schlanken Fersen, etc. und denken sich: Die Welt muss mich lieben.
Doch Sie vergessen: Männer schauen nur auf den Arsch und die Titten!
Ergo: Sie schreiben ganz wunderbar... aber all dies kommt dem Interesse des Betrachters nicht entgegen. Der will nämlich ne konkrete Information bezüglich der Qualität des Films (kurz und knapp, wenn es geht) und/oder unterhalten werden, d.h. panem et circenses, also ein parr Schenkelklopfer ;-)
Aber ich bezweifle, dass hier viele Personen herumschwirren, die sich an "Sprache" ergötzen können. Aber vielleicht wollen Sie ja nur diese "Elite" ansprechen. Na dann, viel Glück! Einer bzw. Eine muss ja die deutsche Sprache retten! ;-) |
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soraly
08.07.07 - 21:16 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Tatsächlich heißt es nicht umsonst Kritik, in den allermeisten Fällen ist sie umfangreich und geht auf zahlreiche Aspekt eines Filmes ein. Sollte ein „Boa, war der geil“ ausreichend für eine 100% Wertung stehen, ist das Nahe einer hilfreichen Rezension, die ihren Ansprüchen genügt, turgidson?
Es mag immer zwei Extreme geben. Einer Zwei-Satz-Variante kann ich persönlich kein Stück abringen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass „Ratatouille“ von sich aus Schenkelklopfer ausschließen mag.
Ach, nebenbei dahergestellt: Sehen Sie sich leicht über allen anderen Usern, ist der Profi so sehr in Ihnen versammelt, dass das normale Volk unter Ihrem cesarischen Gemüt zu leiden hat? Vielleicht unterschätzen ja gerade Sie die Qualität der hier Herumschwirrenden. |
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TheCritic
08.07.07 - 21:33 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 7824 Mitglied seit 10.08.02
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soraly, frage mich, ob der Eingangssatz ernst gemeint sein kann. Welche Filme sind denn Dein Erfahrungshorizont, daß Du mit so einer Verallgemeinerung alle Animationsfilme unter Disneykitsch subsumieren willst? |
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soraly
08.07.07 - 21:47 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Auf Disney bezog sich im Eingangssatz schon großflächig einmal gar kein Wort. Die anfangs erwähnten Eigenschaften sind typischerweise die einer Familienunterhaltung, ob man dafür eigens "Triff die Robinsons", "Robots" oder sogar "Ice Age" zu Rande ziehen muss, sei jedem selbst überlassen. Selbst "Findet Nemo" (so großartig er auch sein man) kann Kitsch nicht entfliehen. |
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nopa
08.07.07 - 22:13 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 2209 Mitglied seit 18.03.04
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Den überrannten Witz, dumpfe Actionschlachten, selbstverliebte Charaktere, sie stehen Schlange ihren Einsatz zu erfahren, sie stehen allerdings noch immer. All die Schadstoffe von Automobilen, Superhelden finden flugs den Sensenmann, der Ersatz spaltet in hoffnungsfrohen Orchesterklängen, hungrigen Kamerafahrten, dem selbstkritischem Unterton in der genialistischen Speisekarte. Lieblich erklingen französische Flirren Michael Giacchinos, sausen die Messer, die Kräuter in den Kochtopf, die Pfanne beflügelt ihre zischelnden Flammen. Hollywoods Kameramänner könnten ruhigen Gewissens eine Karottenscheibe mit in ihren einfallslosen Dreh- und Wendekreis in den schnellen, aber nie hastigen Wogen „Ratatouilles“ mitnehmen, sie könnten lernen aus schwungvollen, runden Schnitte. Die Kamera fährt, sie steckt zurück hinter Remy, sie benötigt nur leichte Schwenks, ohne wahnwitzige unübersichtliche Drehphasen. Sie bewegt sich geschickt, sie spielt mit ihren atmosphärischen Räumen, den überschaubaren Maßen der Großküche, den unendlichen Fahnenmasten Paris.
Das gibt schon einen Eindruck, aber "Ratatouille besticht durch flinke, harmonische Sequenzen in einem organischen Umfeld" auch. Nicht, daß das so ein besonders guter Stil wäre, aber es sind halt nur 10 Worte an Stelle von 150+.
Ansonsten, jeder wie er's (oder sie) mag. Was die Sache mit den Rechten angeht, ich denke, da ist Kino.de nicht widersprüchlich, wenn du die Commons-Lizenz nicht opfern möchtest, kann der Text wohl hier nicht erscheinen, aber da wissen die Betreiber dieses Forums wohl genauer Bescheid.
Reds wo seid ihr? |
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TheCritic
08.07.07 - 22:24 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 7824 Mitglied seit 10.08.02
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Die von Dir erwähnten Filme würde ich alle in der disneyfizierten Ecke verorten. Man könnte sich auch außerhalb dieser Sphären bewegen. Asien böte sich mit Jin Roh, Ghost in the shell, Perfect blue, Akira, Dragon 1/2, Die letzten Glühwürmchen an. Europa würde dank Fantastic planet, Le triplettes de Belvilleund der Filme von Svankmajer ebenso einen Blick lohnen wie jenen über den Teich, wo Regisseure wie Tim Burton an ganz anderen Baustellen arbeiten als meinetwegen Filme wie South park: Longer, bigger & uncut oder Mercano el marciano. Selbst der Urdisney mit seinen Silly Symphonies und den Donald-Kurzfilmen hat eine andere Stoßrichtung als die, die Du beschreibst. Aber so weit muß man sich gar nicht von Ratatouille entfernen - Brads unterschätzter Erstling The iron giant widerspricht schon der Allgemeingültigkeit Deiner Aussage.
nopa, turgidson: Es steht dem Leser selten zu, sich über den Schreibstil zu mokieren. Man wird ja nicht gezwungen, den Text zu lesen. |
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soraly
09.07.07 - 08:04 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Du begehst den Fehler Animationsfilm und puren Zeichentrick über einen Kamm zu scheren, des Weiteren wird ziemlich deutlich, dass ich besonders die amerikanische Schiene anspreche, womit die Animeklassiker auch in den Bach fallen. |
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alex80
09.07.07 - 08:20 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1069 Mitglied seit 27.06.02
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ich würde an dieser stelle gerne das extrem ausufernde, aber dennoch wirklich interessante buch ´from walt to woodstock: how disney created the counterculture´ von douglas brode empfehlen. und der titel ist dabei nicht zynisch gemeint. brode musste zwar dick auftragen um sich gegenüber einem zur wahrheit gewordenen vorurteil positionieren zu können. aber ich finde er hat nicht unrecht. |
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TheCritic
09.07.07 - 09:58 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 7824 Mitglied seit 10.08.02
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soraly, aber das ist doch genau der Punkt. Animationsfilme sind eben nicht nur computeranimierte Spielfilme amerikanischer Studios. Wer diese kulturelle Hegemonie akzeptiert, beschneidet seine eigenen Erfahrungswelten.
Computer sind nur ein Handwerkzeug, um animierte Bilder zu erzeugen. Collagen, Stop Motion, Scherenschnitt, Übermalungen, Claymation, Zeichnungen - ist alles neben dem derzeit übermächtigen CGI alive and kicking. Ob mit diesem Handwerkszeug ein Disney oder ein Tex Avery arbeitet, ist doch das wesentliche Element. Im Moment ist der Computereinsatz noch so teuer, daß abendfüllende Spielfilme auf Nummer sicher von den Studios getrimmt werden. Aber auch hier zeichnet sich mit Shrek, Waking Life und Final Fantasy eine Diversifizierung ab, die durch schnellere und billigere Computer sicherlich in der Zukunft noch voranschreiten wird. |
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soraly
09.07.07 - 10:30 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Du drehst dich im Kreis einen Eingangssatz, der die momentane Situation der Animationsfilme porträtiert in allen Formen und Farben auf zukünftige Erscheinungen anzupassen, jene die weder für das Momentum „Ratatouille“ relevant erscheinen, noch für die Form einer Kritik. Kritik bedeutet Momentaufnahme, ihr genügt es zum Zeitpunkt ihrer Relevanz, dem Starttermin des rezensierten Films, präsent ihre Meinung auszudrücken. Kritik ist eine sich anpassende Form, die zwanzig Jahre später natürlich einige Stellungnahmen zurück ordern müsste, ihre Aufgabe aber bei weitem darin verfehlen würde, auf all die vielen zukünftigen Neuerungen einzugehen.
Tangiert es das Publikum tatsächlich, klar vor Augen zu haben, welche Fortschritte kommend dieses Genre einnehmen werden? Es bestehen keine Zweifel über die Richtigkeit deiner Aussage. Natürlich, und die Wandlung ist im Hinblick auf die Anfangsschuhe eines „Star Wars“, den Strukturen eines „Toy Story“ klar erkenntlich, Veränderung kommt und geht, der Schauspieler könnte von einem ansehnlichem, real wirkenden, Computergeschöpf ersetzt werden. Aber das wann und wo steht im Raum und bleibt fern einer zeitlich nahen Quelle, die mit einbezogen werden könnte, somit für mich keine klare Definition erfährt.
Die Grundsatzdiskussion „Was sind Animationsfilme, was nicht?“ steht hier nicht nur Debatte, steht ebenfalls nicht in dem ersten Satz in jedweder Form. Einzig das Spiel mit dem Klischee, durchaus auch ironisch hinzunehmen, ist es mir wert, als Einleitung zu dienen.
@alex80. Vielen Dank für den schönen und sicherlich provokanten Buchtipp. |
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turgidson
09.07.07 - 10:34 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1408 Mitglied seit 29.08.06
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Who is it in the press that calls on me?
I hear a tongue, shriller than all the music,
Cry 'Caesar!' Speak; Caesar is turn'd to hear.
Da werfe ich hin, all meine Lebensweisheit...und was ist der Jugend Dank?
Sie sind jung und begabt, doch bemerke ich ein Diskrepanz zwischen dem Niveau der Beobachtung und dem Niveau des zu Beobachtenden.
(wir reden hier über einen Kinder-/Familien-Unterhaltungsfilm..und sie schreiben: "eine unglaublich intelligente Parabel", "eine Ratte rettet den Stolz und Trieb der neumodischen Animationsfabrik " etc.)
Ich unterstelle mal einfach: so dolle kann der Film gar nicht sein, wie Sie Ihn beschreiben.(Ja, ja, ich habe bisher nur die Vorschau gesehen...aber die war "Durchschnitt" mehr nicht!"
Daraus schließe ich: Ihr ausgeprägter "Trieb" mittels Kritik ihre sprachliche Leistungsfähigkeit zu kommunizieren dominiert Ihr Interesse an einer adäquaten Beschreibung des Objekts.
Und somit erscheinen Sie persönlich interessanter als jeder Film, den Sie hier "kritisieren".
Ergo: Begabungen sollte man fördern, aber "Kinokritik" ist doch eher die Absteige des gescheiterten Literaten.(Schauen Sie sich doch mal hier um...traurige Gestalten wir. ;-)
Sie hingegen sind jung und begabt: Schreiben Sie nen Buch! Dann müssen Sie auch nicht mehr drittklassige Filmen hochpuschen, sondern können über das schreiben, was Sie am meisten fasziniert: soraly ;-)
P.S.: Wenn man selber ein Riesen-Ego besitzt erkennt man halt einander ;-) |
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TheCritic
09.07.07 - 10:44 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 7824 Mitglied seit 10.08.02
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soraly, Dein erster Satz beschreibt DEN ANIMATIONSFILM in seiner formellen Ausprägung. Animation ist nicht nur Pixar + Dreamworks. Aber egal. |
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turgidson
09.07.07 - 10:55 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1408 Mitglied seit 29.08.06
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Ihr Linguisten
Soraly schreibt im ersten Satz:
"immer"
"Immer" bezieht sich auf einen Zeitraum von 0 bis Gegenwart!
"immer" ist nicht "ewig", d.h. Vergangenheitsumfassend aber nicht zukunftsbezogen!
Aber: "immer" ist keine "Momentaufnahme" sondern beschreibt einen "Zeitraum"!
Also: Ihr habt beide Recht, irgendwie bzw. -heute bin ich einfach mal Arschloch: Ihr habt beide Unrecht! ;-) |
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soraly
09.07.07 - 11:57 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Über „Ratatouille“ kann man bis zum Abwinken herfallen, bis dann tatsächlich der Kinogenuss folgt und hoffentlich die Erkenntnis kommt, dass all die lobenden Kritiker (beileibe, die 10 ist keine Fata Morgana meinerseits) in ihrer Form Recht hatten. Wir sprechen uns im Oktober wieder, oder zu dem Zeitpunkt, an dem der Kinositz eingenommen wurde, vorher umgehe ich solche Diskussionen. Übrigens: Vorschau, Trailer, Clips, sie sind mittelmäßig, „Ratatouille“ in seiner Gesamtheit nicht.
Kann Momentaufnahme nicht gerade Gegenwart und Vergangenheit einschließen, schließlich zeigt sie das Momentane, beeinflusst von der Vergangenheit ;). |
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turgidson
09.07.07 - 14:01 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1408 Mitglied seit 29.08.06
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October 2007 ...gleicher Ort...gleiche Zeit?
Ist das ein "Date"?
Da sag ich doch nicht nein ;-)
Oder ist das wieder so ne Momentaufnahme? Ohne Gewähr für die Zukunft? :-(
Frauen...eben waren Sie noch Gegenwart..schon sind sie in der Vergangenheit...
Würde der Moment doch ewig anhalten...;-) |
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soraly
09.07.07 - 18:07 Uhr
Status: Cineast
geschrieben: 68 Mitglied seit 05.05.07
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Sie vergessen die Kleinigkeiten, welche großartige Möglichkeiten die digitale und analoge Fotografie doch beschert. Im Oktober, ja dann, können Sie das Bild noch einmal eingerahmt betrachten und den guten alten Zeiten nachhängen. |
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Magnolya
05.10.07 - 15:15 Uhr
Status: Neuling
geschrieben: 1 Mitglied seit 05.10.07
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"„Ratatouille“, ein Mix aus Auberginen, Zucchini, Tomaten, Paprikaschoten und Knoblauch, gewürzt in der Frische von Kräutern, ist gleichsam der Mix von Brad Bird, der dem exquisiten filmischen „Ratatouille“ eine alte Prise Disney-Zeichentrick beschert, unvermutet und weise im neuartigen Gestrüpp der vielseitig einsetzbaren Technik klebt ihm eine reichhaltige Vergangenheitsstunde an."
Mann, muss so ein Geschwurbel sein? Bin im Lesen komplizierter Texte geübt (Germanistin auf Freiersfüßen), aber deine Schreibe hier ist einfach nur Blabla, verklausulierte Aussagen, deren Informationswert einfach nicht durchkommen mag, weil ich allein nach den ersten drei Sätzen keinen Bock mehr hatte, weiterzulesen. |
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BeHiKuLyPoTaTa
12.10.07 - 19:09 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 13 Mitglied seit 22.04.04
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Hallo Miteinander,
Hallo Soraly,
ich wollte eigentlich nur mal schauen, was die Garde der Schnellgucker über Ratatouille zu sagen hat, da ich prinzipiell eher nicht so auf Zeichentrick, Animation und dergleichen stehe, aber vielleicht nicht drumrum komme.
Jetzt muss ich einleitend sagen, dass ich heute schon sehr lange vor einem Bildschirm hocke, ungefähr seit 9.00 Uhr, um genau zu sein, und dass, was Du, liebe Soraly, da auf meine geschundenen Augen loslässt, empfinde ich persönlich als eine bodenlose Frechheit, die mir den Tag (und die Augen) nicht abzurunden vermag. Auch wenn sich das jetzt sehr persönlich anhören mag (wofür ich mich entschuldigen möchte), so assoziiere ich mit Deinem Schreibstil etwas aus einem vollkommen anderen Bereich, nämlich das krampfhafte Sich-Bemühen notorisch uncooler Menschen (wir sehen sie jeden Tag in der U-Bahn), die richtig fett einen auf coolen Macker raushängen lassen wollen, dabei aber leider übersehen, dass man Coolheit nicht gewollt erreichen kann. Richtig coole Leute sind, ohne auch nur irgendeine gekünstelte Anstrengung vollbringen zu müssen, cool. Ihre Coolheit liegt komplett in ihrem Wesen, in ihrer Persönlichkeit verankert, sie selber merken es oft gar nicht, aber sie sind es: cool...und wir, wir spüren es automatisch, intuitiv.
Ich möchte Dich nicht beleidigen, aber Du kannst Dir schon denken, das ich Deinen literarischen Erguss hier mit dem uncoolen Gesprächs- und Poser-Gebaren der "Leute aus der U-Bahn" gleichsetze. Und bitte: glaub' nicht dem Mitgeschädigten, der Dir geraten hat, Du solltest lieber ein Buch schreiben - er wollte hier nur seine Ruhe haben (Danke, Kumpel!), könnte Dich aber auf einen falschen Trip bringen. Schreib bitte KEIN Buch, es sei denn, Du machst vorher eine literarische Schlankheitskur und trennst Dich von diversem Ballast (angefangen mit Satzstruktur, Satzlänge usw. usf.). Was noch? Ach ja: wie hieß es doch gleich in der FOCUS-Werbung? "...und immer an den Leser denken!" Nach erfolgter Schreibkatharsis also bitte noch mal neu vorstellen hier - so ist's leider nur Schreibkatarrh! "Sechs, setzen!" |
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derbösewicht
20.12.07 - 11:22 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 734 Mitglied seit 29.10.05
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@Magnolya
Na, da muss dir während deines Studiums doch mal der eine oder andere postmoderne Text untergekommen sein. Ich als Nichtgermanist würde den Sprachstil da einordnen. Oder hab ich da was falsch verstanden. Turgidson wird es mir ja bestimmt gleich erklären. |
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