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THEMA: So schmeckt der Sommer
2346 mal gelesen - 1 mal empfohlen
hannibal-der_Lektor
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 1 mal empfohlen.
05.08.2004 10:46 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.2001
Sommerzeit, des Deutschen liebste Zeit. Und natürlich auch die liebste des Österreichers.
Die liebste, aber auch irgendwie die verhassteste.

Schon einige Male machten sich deutsche Filmemacher daran, diese Erholungszeit, die auch immer ein Kampf der Kulturen ist, auf komödiantisch-bissige Weise zu sezieren.
Da gab es den wunderbaren „Superstau“, der sich über den alljährlichen Wahnsinn auf deutschen Autobahnen zur Ferienzeit mokierte.
Da gab es natürlich „Ballermann 6“, der die deutsche Importkultur auf des Deutschen liebster Baleareninsel auf die Schippe nahm und dabei zum Kult erhob. [Und leider auch viele noch billigere Nachahmer nach sich zog...]
Und da gab es natürlich „Club Las Piranhas“, mit dem immer wieder amüsanten Hape Kerkeling, der das abgeschottete und artifizielle Leben im Ferienparadies sehr gekonnt durch den Kakao zog.

Im Jahr 2002 orientierte sich der Österreicher Regisseur Harald Sicheritz an eben jenem „Club Las Piranhas“, und inszenierte mit „Poppitz“ einen weiteren Film, der eben dieses Thema aufgriff, was in Österreich auch prompt zum großen Box-Office-Hit wurde.
Passend zum Sommer 2004 nun kommt dieses Werk auch in die deutschen Kinos und liefert den stimmigen Begleitfilm zum alltäglichen Urlaubswahnsinn in den Traumresorts dieser Erde.

Der erfolgreiche Autoverkäufer Gerry (stark: Roland Düringer) fliegt mit seiner psychisch etwas angeschlagenen , aber umso attraktiveren Frau (Marie Bäumer), sowie seiner Tochter, einem typischen Null-Bock-Anti-Girlie (Nora Herschl), in den wohlverdienten Traumurlaub auf der Insel Cosa Mera. Unglücklicherweise verstarb kurz vor der Abreise der Chef des Autohauses, und nun vermutet Gerry, dass hinter den ständigen mysteriösen Anrufen des designierten Chefs ein mögliches Komplott gegen seine Zukunft, was ihm die Laune schon einmal gründlich verdirbt. Als dann auf der Hinreise auch noch sein Koffer verschwindet, ist er endgültig durch. Zumal ihm sämtliche anderen, durchaus schrägen Mitglieder der Reisegruppe, gehörig auf den Keks gehen. Speziell der schleimige, deutsche Sunnyboy Ben (Kai Wiesinger), der sich zu allem Überfluss auch noch an seine Frau ranzumachen scheint. Irgendwie scheint sich alles gegen ihn verschworen zu haben, egal ob der ewig gutgelaunte und nichts verstehende Rezeptionist (Maverick Quek aus „Berlin, Berlin“ bekannt), die ignorante Reiseleiterin Doris, der etwas indifferente Kiffer (sehr cool: Oliver Korritke), oder die Animateure, die sich an seine Tochter ranmachen.

Sicher, einige der Witze und amüsanten Szenen hat man in den oben erwähnten Filmen mit Sicherheit schon das eine oder andere Mal gesehen, aber das passiert wenn man das Klischee zur zentralen Stilform erhebt, und ist auch nicht weiter verwerflich, da es schließlich immer wieder einen gewissen Reiz hat, den Spiegel vorgehalten zu bekommen.
Und wenn man es schon nicht selbst ist, den man im Spiegel erblickt, dann doch zumindest jemanden den man kennt, jemanden den man schon mal im Urlaub erlebt hat – oder aber nur ein Vorurteil, dass man wieder einmal bestätigt bekommt. Glücklicherweise alles in einer konsequenten Überspitzung, dass sich Langeweile kaum einstellt.
Sicheritz schafft dies mit einem sicheren Gespür für Komik, und poliert den „Club Las Piranhas“ zusätzlich optisch und inszenatorisch, durch zahlreiche Zeitsprünge und den einen oder anderen Kameraeffekt, so auf, dass das Ganze auch in dieser Hinsicht in das 21. Jahrhundert passt. Und so bekammt halt jeder sein Fett weg, der kiffende Piefke, der sexgeile Ösi (btw: ja, da gibt es sogar einen tatsächlichen Bezug zur Realität...), der fette Bayer mit asiatischer Liebesgespielin. Klar, der Kampf um die Poolliege darf natürlich auch nicht fehlen, wenngleich Sicherling das glücklicherweise nur recht kurz aufgreift und sehr pointiert abhandelt.
Sicheritz' Qualitäten zeigen sich hier auch in den gut platzierten durchaus krittelnden Zwischentönen, wie z.B. die Animateure, die scheinbar immer gut gelaunt sind, aber doch alle irgendwie heftige psychische Probleme haben, und dennoch ihren Job machen müssen.
Natürlich findet auch das generelle Problem solcher Ferienanlagen am Rande seine Erwähnung. Selbstverständlich nicht bedingungslos kritisch (es ist ja nur eine Komödie), aber man kann schon etwas hinein interpretieren.
Die totale Abschottung, inklusive Vorgaukelung des totalen Paradieses – und das innerhalb der vollkommenen Armut drum herum. Die ganze Anlage natürlich von zig bewaffneten Soldaten geschützt und bewacht, ja sogar die Essenslieferungen finden nur unter militärischer Bewachung statt, während die hungernde und notleidende Bevölkerung dem Wagen verzweifelt hinterher rennt.
Dass der Tourist davon nichts mitbekommt, sondern eingelullt wird von All Inclusive und penetranter Animation, ist da selbstredend. Und irgendwie sehr typisch, und dabei nicht minder tragisch, dass Protagonist Gerry die Anlage natürlich nicht für so etwas wie Sightseeing verlassen will – für ein Telefonat in die Heimat dagegen schon.
Aber das ist nun mal das, was die All Inclusive-Idee mit sich bringt, und dass Urlaub damit gleichbedeutend dem Leben zu Hause, nur in schönerem Ambiente, ist, nimmt man nichtmal mehr wirklich wahr. Und hey, wer will auch schon ausserhalb einer solchen Anlage in einem einheimischen Lokal Geld ausgeben, wenn er doch in der Anlage das Essen rund um die Uhr umsonst bekommt. Und zudem auch noch unter seinesgleichen ist.
Tja, Kollateralschaden, und was kümmert es einen schon, wenn die Gelder somit garantiert nicht in die Kassen des „bereisten“ Landes fließen...

In diesem Sinne, schönen Urlaub! Auf Mallorca, in der Dom-Rep oder sonst wo – nur man sollte vielleicht eines nicht vergessen: Eine Ferienanlage ist sicherlich schön, aber mit dem Land hat das alles nur peripher zu tun.
EbertistheBest
05.08.04 - 11:34 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5852
Mitglied seit 14.12.03
habe jetzt von nem freund,der auch in der sneak war, erfahren, dass "uschi" aus SdM mitspielte. aber das hätte mich auch nicht umgestimmt. hattest Du denn keine probleme mit dem dialekt? wären untertitel nicht hilfreicher gewesen? *g*

der bezug zu "club las piranhas" lässt mich doch aufhorchen. für einen tv-film war dieser doch ins einer ganzen absurdität ("So jetzt geht die blaue gruppe frühstücken!") doch wirklich unterhaltsam. nicht zuletzt dank hape.
hannibal-der_Lektor
05.08.04 - 11:51 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Ohja, ich denke, etwa 5-10% der Dialoge gingen an mir vorbei, da ich sie aufgrund des Dialektes kaum bis gar nicht verstanden habe.
Das sorgte auch generell für einiges Murren im Saal, speziell zu Beginn.

Ja, finde Club Las Piranhas ebenfalls großartig, bzw. habe mich damals köstlichst amüsiert. Würde ihn wirklich gerne mal wieder sehen - aber leider werden nur die anderen beiden von mir genannten Beispiele mit Regelmäßigkeit wiederholt.

Hat dein Freund dir auch erzählt, dass Uschi komplett nackt im Film zu sehen war? =)
EbertistheBest
05.08.04 - 11:55 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5852
Mitglied seit 14.12.03
uschi, nackt? das hat er mir verschwiegen...*grrr*
hannibal-der_Lektor
05.08.04 - 12:02 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Tjaja, ziemlich zu Beginn. Unter der Sonnenbank. Aber man sieht ziemlich viel. Um nicht zu sagen alles.

Das war auch so der Punkt, wo die meisten (männlichen) Skeptiker vom Film überzeugt waren. =D
hannibal-der_Lektor
06.08.04 - 10:01 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@Ebert

Ganz vergessen zu fragen: Wie fand dein Freund eigentlich Poppitz?
EbertistheBest
06.08.04 - 10:16 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5852
Mitglied seit 14.12.03
ach ja, außer dass er sich auch manchmal untertitel gewünscht hatte eigentlich ganz ok. obwohl begeistert war er nicht.
zapper276
17.09.04 - 01:15 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1219
Mitglied seit 29.04.03
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Komisch, ich meine alles verstanden zu haben. Habe da schon "unverständlichere" Filme aus Österreich gesehen.
Mr.Austria
08.12.04 - 17:51 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 14
Mitglied seit 08.12.04
Sevas!
I ois Österreicher hab den film natürlich ur supa gfundn.
Jetzt nichts gegen Deutsche aber das beste am Film war, das man endlich einmal gezeigt hat, wie de "Bifgis" (nicht böse sein) im Urlaub nerven.
"poppitz"ist in österreich schon vor ca.2 Jahren gelaufen ist.
Ich als Österreicher hab den film natürlich in Österreich gesehen und war begeistert. Poppitz is afoch leiwand!

PS: Hät mir vorgstellt das "Poppitz" in Deutschland mit Untertitel gelaufen ist. Aber nach den Komentaren die ich hier gelesen hab, doch nicht.

Deere, Mr.Austria
Mr.Austria
09.12.04 - 16:29 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 14
Mitglied seit 08.12.04
aja, bevor ichs vergesse.
In Deutschland ist eine Fassung gelaufen, wo der gesammte Text nochmals synkronisiert war. Zwar noch im Dialekt, aber nicht mehr so heftig.
Ich hab mir die DVD gekauft und da ist auch die Österreichische originale Version und die Deutsche oben.

wollt ich nur mal sagen.
schöne gr´üße , mr. austria
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