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THEMA: Eine Geschichte aus 1000 und einer Höllennacht
1358 mal gelesen - 1 mal empfohlen
Thorongil
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 1 mal empfohlen.
06.11.2007 17:09 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.2004
.

Eine Geschichte aus 1000 und einer Höllennacht

Persepolis
(F, 2007)


80%


Persepolis war die Hauptstadt des antiken Perserreiches. Der Film Persepolis ist aber die Geschichte eines Mädchens bzw. einer jungen Frau im Iran seit den 1970er Jahren. Dabei handelt es sich um die Autobiografie von Marjane Satrapi, die ihre Lebensgeschichte Anfang der 2000er Jahre als Comic veröffentlichte. Mit einer sehr kindlichen Bebilderung erzählte sie über ihre harte Jugend in der Zeit der Islamischen Revolution und setzte einfache Schwarz/Weiß-Bilder gegen dramatischen Inhalt. 2004 wurde ihr Werk zum Comic des Jahres gewählt.

In diesem Jahr erscheint nun der Film zum Comic. Zusammen mit Vincent Paronnaud setzte Satrapi ihr Comic in bewegte Bilder um. Dabei blieben sie nah an der Vorlage, nicht ohne die Möglichkeiten des Mediums Film für sich auszunutzen. Mir war gar nicht bewusst, wie beindruckend Schwarz/Weiß-Bilder in bewegtem 2D aussehen können. Erst erinnern die Sequenzen an Kinderfilme wie Heidi oder Wicki, um dann mit düsteren Einstellungen die Ernsthaftigkeit der damaligen Situation klar zu machen. Alles ist in Bewegung, die Perspektiven wechseln, mit Licht und Schatten wird wunderbar gespielt. Damit hebt sich der Film klar vom Comic ab und bekommt noch eine viel höhere Dimension.

Die Geschichte an sich ist überaus tragisch. Die kleine Marji wächst mit ihren liberalen Eltern in den 1970er Jahren in Teheran auf. Trotz aller Hoffnung nach dem Schahsturz wird das Land von den neuen Herrschern in den nächsten Abgrund geführt. Das Exil in Wien lässt Marji ihre Herkunft nur kurz vergessen. Sie findet sich nicht wirklich zurecht in dieser anderen Welt. Satrapi schildert bemerkenswert schonungslos die Verhältnisse, ohne einen Anspruch auf eine wahrhafte historische Einordnung zu haben. Vielmehr erzählt sie aus der Sicht eines kleinen Mädchens bzw. einer jungen Frau.

Beachtlich bei all der Dramatik ist, dass der Humor nicht vergessen wurde. Immer wieder bricht die Erzählweise aus, um dem Gräuel mit Übertreibung, Sarkasmus und munterem Witz etwas entgegen zu setzen. Das Timing ist gut, auch besinnliche Elemente haben ihren Platz. Die Geschichte wird interessant oder unterhaltsam erzählt. Gegen Ende verliert der Film etwas an Tempo, was den hervorragenden Gesamteindruck jedoch nicht trübt.

Satrapi ist mit Persepolis ein bemerkenswerter Film gelungen, der gegensätzliche Elemente gekonnt zusammenbringt, gut unterhält und dennoch ein spannendes und interessantes Bild vom Iran zeichnet, das hoffentlich einerseits zu mehr Verständnis führt, aber andererseits auch die Notwendigkeit von politischem Handeln klar macht.
spider-man2002
06.11.07 - 21:38 Uhr
Sollte der film in meine Nähe anlaufen, werde ich mir diesen auch ansehen, man hört ja wirklich nur gutes und deine Kritik ist da auch keine Ausnahme!
Thorongil
06.11.07 - 22:43 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Na dann viel Spaß! Und sag' nicht, Du seist nicht gewarnt worden, wenn er Dir gefällt! wink
spider-man2002
06.11.07 - 22:49 Uhr
Wie mir sollte mal wieder in letzter Zeit ein Film gefallen eek (wink)
timo.benz
07.11.07 - 07:12 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 6627
Mitglied seit 20.01.03
bei mir auch eingeplant! Sehr vielversprechend.
spider-man2002
26.11.07 - 20:03 Uhr
Schließe mich Thoros Worten an und füge noch hinzu:

KEINE SOLLTE SICH PERSEPOLIS ENTGEHEN LASSEN, WENN MAN DIE MÖGLICHKEIT HAT DIESEN FILM IM KINO ZUSEHEN.
Gerngucker
26.11.07 - 21:43 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2680
Mitglied seit 11.07.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Ich kann mich den bereits ausgesprochenen Empfehlungen nur anschließen: PERSEPOLIS besitzt einen Charme, dem man einfach nicht widerstehen kann. Ganz großartiges Kino: berührende Geschichte, treffsichere Sidekicks, atemberaubend-kreative 2D-Animation, stimmiger Soundtrack (Stichwort "Eye of the tiger"). Wenn der mal die einfallslosen, digitalen 3D-Biester nicht um Längen schlägt ...
Anton
19.02.08 - 13:35 Uhr
Status: Meinungsmacher
geschrieben: 263
Mitglied seit 23.03.01
War ebenfalls angenehm überrascht. Aufgefallen ist mir, dass meist nach einem Ortswechsel Farbe ins Bild kam, damit sollte wohl ein neuer, hoffnungsfroher Neuanfang symbolisiert werden. Die Animation ist zeichnerisch zwar sehr einfach, vor allem die Gesichter, aber irgendwie unwiderstehlich charmant!
Zudem ist der Film eine kleine Geschichtsstunde, wäre also auch was für unsere Kids als Schulfilm!?
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