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THEMA: Forgetting Veronica Mars?
885 mal gelesen
Thorongil
Filmkritik:
15.06.2008 16:40 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.2004
.

Forgetting Veronica Mars?


Nie wieder Sex mit der Ex
(USA, 2008)


60%


Serienstars haben es einfach, in die Herzen der Zuschauer zu finden, haben sie doch dafür meist einige Folgen Zeit. Filmschauspielern bleiben nur wenige Minuten, damit sie möglichst schnell zur Identifikationsfigur werden und der Film damit funktioniert. Beim Umstieg von der Serie zum Film hat der Schauspieler wiederum damit zu kämpfen, sein Serienimage loszuwerden, um einem anderen Charakter glaubhaft eine Seele einzuhauchen. Als Zuschauer sollte man den Seriencharakter möglichst vergessen, um mit dem Film zurecht zu kommen. Clever ist es, wenn man erst gar nicht versucht, schier unmögliche Wandlungen zu erschaffen, sondern einfach auf den Seriencharakter aufbaut. So macht es der aus How I Met Your Mother bekannte und für das Drehbuch von Nie wieder Sex mit der Ex verantwortliche Jason Segel mit den zwei Hauptrollen des Films und es funktioniert erstaunlich gut.

Nie wieder Sex mit der Ex (oder im Original Forgetting Sarah Marshall) ist eine der gerade modernen „Romantic Comedies“ für Männer aus dem Hause Judd Apatow (Produzent und Autor von solchen Filmen wie Jungfrau (40), männlich, sucht ... oder Beim ersten Mal). In diesen Filmen vom als Nachfolger der Farrelly-Brüder gehandelten Team Apatows sind meist leicht labile und ungeschickte Männer in einer Lebens- bzw. Liebeskrise die Helden, die dann wieder aus der Krise herausfinden müssen. Dabei gibt es viel Brachialhumor und die Protagonisten müssen ordentlich einstecken, ohne aber der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden. Der Umgang mit Sex und Liebe ist erfrischend unkompliziert und fast unamerikanisch. Kennt man eine dieser Komödien, kennt man alle, möchte man fast behaupten. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn hier kommt die Cleverness von Segel ins Spiel.

Serienkomponist Peter Bretter (Jason Segel) wurde gerade von seiner Freundin, der Serienheldin Sarah Marshall (Kristen Bell), verlassen und ist am Boden zerstört. Sein Bruder rät ihm, einen Urlaub auf Hawaii zu machen, doch ausgerechnet im gleichen Hotel hat sich seine Ex mit ihrem neuen Freund, dem esoterischen Sängerstar Aldous Snow (Russell Brand), eingenistet. Es kommt logischerweise zum Aufeinandertreffen, nur die entzückende Hotelrezeptionistin Rachel Jansen (wunderschön: Mila Kunis) sorgt für Ablenkung. Segel legt seine Rolle des Peter Bretter ähnlich der seines Seriencharakters aus How I Met Your Mother Marshall Erikson an. Er ist etwas tollpatschig, hat aber eine reine Seele und ist äußerst sympathisch. Auch seine Ex Sarah Marshall (schon wieder Marshall) ist mit Kristen Bell ausgezeichnet besetzt. Wie in der Serie Veronica Mars spielt sie ebenfalls im Film als Schauspielerin in einer Krimiserie eine Ermittlerin und ihr Charakter war dem von Veronica gar nicht so unähnlich. Auch sie war mir somit gleich sympathisch, ob das nun so gewollt war oder nicht. Bei diesem Film war es also gar nicht nötig, Veronica Mars zu vergessen, es half vielmehr. Weitere Parallelen bzw. witzige Referenzen, von denen es noch einige gab, werden hier nicht verraten.

Eigentlich ging ich ziemlich skeptisch an den Film heran und erwartete eine dieser ewig gleichen Teeniekomödien. Der Film machte es mir dann aber schwer, ihn nicht zu mögen. Das fing schon mit dem ersten Song „Love You Madly“ von einer meiner Lieblingsbands Cake an. Die Hauptcharaktere waren mir, wie beschrieben, sofort sympathisch und die erzählte Geschichte war trotz ihrer Vorhersagbarkeit und einigen Längen relativ unterhaltsam. Von einer uneingeschränkten Empfehlung des Filmes möchte ich dennoch absehen. Fans von Apatow werden sicher erwartungsgemäß bedient, ich hatte dagegen Glück, dass ich die Serien kannte, mit denen Segel hier so ausgezeichnet spielt. Für mich also nette und sympathische Unterhaltung ohne großen Tiefgang.
LetThemEatCake!
18.06.08 - 11:14 Uhr
LMAO!!! LMAO!!! Lustigste Komödie des Jahres -- zumindest in OV. Alter, was habe ich gelacht. Und ich weiß auch nicht, was man daran großartig aussetzen sollte. Doch, zwei Dinge: Dieses Dracula-Puppenmusical war fad (sollte vielleicht eine Anspielung auf die Broadway-Show "Avenue Q" sein, hat aber nicht gezündet). Und die von Thorongil gelobte Schauspielerin sieht richtig ekelig aus. Buah. *

Ansonsten aber ein sehr unterhaltsamer, saukomischer und manchmal sogar recht herzlicher und leicht nachdenklicher Film. Manche werfen "Forgetting Sarah Marshall" ja mangelnden Fokus vor. Aber ich fand, dass gerade die Figurendichte (4 Hauptprotags plus diverse abgefahrene kleineren Rollen zur komödiantischen Unterstützung) den Film sehr vielschichtig und auf meschuggene Art und Weise herrlich überladen machen. LMAO!!! LMAO!!! Ebenfalls gelungen fand ich, dass "Forgetting Sarah Marshall" diverse Abstecher in seiner Erzählung macht und z. B. Krimi-TV-Serien parodiert, etc. Wie gesagt: Sollen Filmsnobs hier ruhig mangelnden Fokus attestieren. Ich fand das alles lustig. LMAO!!! LMAO!!!


* Also dieses Blondchen, nicht die Rezeptionistin. Denn die Rezeptionistin ist H-A-M-M-E-R. tasty


Thorongil
18.06.08 - 13:36 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Cake

Aha, interessant! Einer der die Serien (und wie ich merke: gerade Veronica Mars - die Blonde) nicht gesehen hat und den Film klasse fand. Ich finde aber schon, dass der Film inhaltlich innerhalb der Apatow-Filmfamilie ziemlich austauschbar bzw. redundant ist. Bei mir lag der große Unterschied eben bei den mir ans Herz gewachsenen Seriendarstellern. Der Film ist zwar insgesamt sehr sympathisch und unterhaltsam, hängen bleibt aber nicht wiel. Insofern sind die 60% für mich ok.
LetThemEatCake!
18.06.08 - 15:31 Uhr
Freilich habe ich schon mal eine halbe Episode von VERONICA MARS gesehen, nachts bei ARD oder ZDF oder so (bevor ich diesen "Teenie-Pseudo-Noir-Bullshit featuring ekelige Frau" enerviert abgeschaltet habe, weil: What the fuck?). Und sicher bin ich mir der Ironie bewusst, dass diese Tussi in "Forgetting Sarah Marshall" eine Seriendarstellerin spielt, die in Kinofilmen Fuß fassen will. Aber das ist für mich doch kein Grund, den Namen dieser ekeligen Person zu wissen. Wie käme ich denn auch dazu?


Was die "Austauschbarkeit" angeht: Sicherlich folgt "Forgetting Sarah Marshall" gewissen Genrekonventionen und ist daher bisweilen vorhersehbar. Aber zumindest traut er sich was und ist stellenweise tatsächlich unberechenbar. Hier wird halt ordentlich auf die Kacke gehauen und sich was getraut. Und manchmal auch mit etwas nachdenklicheren Tönen überrascht. Austauschbar sind eher Filme wie "What happens in Vegas" und andere sanft biedere RomComs.

Was Judd Apatow insgesamt angeht (ob nun als Regisseur oder Produzent):

- 40 YEAR OLD VIRGIN ist der Hammer

- KNOCKED UP hatte seine lustigen Momente, war mir aber zu sehr um seine Figuren bemüht, hatte zu dramatische Anwandlungen und wollte zu menschlich sein, kam dabei jedoch nicht hinaus über recht banale Betrachtungen zum menschlichen Leben

- FORGETTING SARAH MARSHALL ist da schon viel besser, weil: LMAO!!! und die nachdenklicheren Momente sparsamer dosiert und daher effektiver sind
Thorongil
18.06.08 - 16:53 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Cake

Ich will Dich gar nicht zu Veronica Mars bekehren, weil das nämlich keinen Zweck hat. VM ist übrigens eine Serie, die man von Anfang gesehen haben muss, weil ein Zwischeneintieg selten funktioniert (Stichworte: Personenentwicklung und Empathie). Ansonsten: Über Humor kann man sich bekanntlich prima streiten. Ich fand den Film unterhaltsam, mein Hintern ist aber noch dran! wink
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