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THEMA: Eine Liebeserklärung
862 mal gelesen - 2 mal empfohlen
Thorongil
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 2 mal empfohlen.
30.01.2008 19:23 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.2004
-=Spoilerwarnung: Dieser Beitrag verrät Inhaltliches!!!=-


Eine Liebeserklärung


Into The Wild
(USA, 2007)


80%


Im August 1992 fand eine Gruppe Elchjäger mitten in Alaska in einem alten Buswrack eine abgemagerte Männerleiche. Es handelte sich um Christopher McCandless, der sich zwei Jahre zuvor ohne große Erklärungen von seinem bisherigen Leben verabschiedet hatte. Zunächst machte sich der Autor Jon Krakauer an die Geschichte von Chris, arbeitete mit Hilfe seiner Familie das Leben auf und versuchte die letzten Ereignisse zu rekonstruieren. Sein Buch In die Wildnis (1996) wurde zum Bestseller. Nun wagte sich Sean Penn mit seiner vierten Regiearbeit an den Stoff.

Mittels leicht verschachtelter Erzählweise versucht Penn einen Weg ins Innere von Chris zu finden, um seine Handlungen nachvollziehbar zu machen. Um es gleich zu sagen, es gelingt ihm nicht wirklich, was allerdings auch fast unmöglich erscheint. Chris war ein zu schwieriger Charakter, ein Idealist, vielleicht auch ein Verrückter, auf jeden Fall aber ein Suchender. Was er genau suchte, ist nur erahnbar. Insofern ist es Penn hoch anzurechnen, dass er sich im Film nicht festlegt. Er präsentiert Ansätze, durchläuft Gedankengänge, ohne allerdings den letzten Schluss zu ziehen.

Penn erzählt hauptsächlich von Chris’ Reise. In einigen Rückblenden wird etwas Vorgeschichte gezeigt. Chris hatte die Konsumgesellschaft satt. Er litt unter den Zwängen des Elternhauses und der Gesellschaft. Sein „Ausbruch“ war präzise geplant, was man von seiner Reise nicht behaupten kann. Nur das Ziel Alaska stand fest, was ihn nach der Lektüre von Jack London faszinierte. Das Vermögen wurde gespendet und der Kontakt zur Familie abgebrochen. Auf seiner Reise lernte Chris als „Alexander Supertramp“ einige Menschen kennen und vielleicht auch lieben, ging am Ende aber doch seinen eigenen Weg.

Beim Hauptaugenmerk des Films macht es Penn seinem Helden nach. Die Natur steht im Mittelpunkt. Mit vielen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen versucht Penn etwas von Chris’ ersehntem Ziel einzufangen. Dabei sieht der Film aus wie eine Liebeserklärung an die USA. Hier zeigt sich, dass dieser politisch so kontroverse Charakterkopf Penn eigentlich ein Patriot ist und sich bei aller Kritik am Establishment um sein Land bemüht. Seine Bilder von Chris’ Begegnungen mit der Natur sind kraftvoll bis einfühlsam, die Menschen auf der Reise sympathisch. Manchem mag das als zuviel Land und Leute und zu wenig kritische Reflexion erscheinen, es kommt der Suche von Chris aber wesentlich näher als eine ernste Lehrstunde mit Gesellschaftskritik. Die auf den ersten Blick erschreckende Zahl von 148 Minuten Filmlänge sind selten langweilig oder uninteressant, dennoch ist der Film etwas zu lang geraten.

Jungstar Emile Hirsch schafft die Balance zwischen jungem naiven Highschoolabgänger und ernsthaftem Naturburschen mit klarem Ziel vor Augen. Auch die Abmagerung am Ende erscheint glaubhaft. Die Nebenrollen sind passend besetzt nur William Hurt und Marcia Gay Harden als Elternpaar wirken blass. Das mag aber auch an der Gewichtung durch Penn liegen, dem der aktuelle Weg von Chris bedeutender erscheint als das ehemalige Elternhaus.

Sean Penn ist ein beeindruckendes Porträt eines Aussteigers gelungen. Dabei setzt er genau auf die richtigen Elemente eines Lebens, dessen Ende zwar immer noch rätselhaft bleibt, dessen Antrieb aber eine Faszination ausübt, um einen ganzen Film zu tragen. Am Ende muss sich Chris eingestehen, dass man nur wirklich glücklich sein kann, wenn man sein Glück mit einem Menschen teilen kann. Er entschwindet dieser Welt allein, aber dennoch mit einem Lächeln auf den Lippen, so als ob er sein Ziel erreicht hätte, was auch immer es tatsächlich gewesen sein mag.
spider-man2002
30.01.08 - 22:28 Uhr
Freue mich über jede positive Kritik zu Into the wild!

Hast du den Film inder Synchro gesehen?
Thorongil
30.01.08 - 23:22 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Spidey

Ja, und die Synchro lief Mo in der Sneak. Wüsste aber nicht, was man da hätte falsch machen können. Ach nee, ich glaube, der Elch war falsch übersetzt!
hannibal-der_Lektor
31.01.08 - 21:06 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
@spidy

Also, von mir wirds hierzu auch eine Kritik geben (um mich direkt mal unter Schreibdruck zu setzen).

Habe den Film heute/gestern (je nach Zeitzone betrachtet) gesehen.
spider-man2002
01.02.08 - 21:38 Uhr
@Hanni: Dann warte ich mal auf deine Kritik!

@Thoro: Die finde die deutschen Stimmen einfach nur schrecklich, passen nicht, wenn man das Original kennt.
Thorongil
02.02.08 - 11:54 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Spidey

Naja, auf die Stimmlage kommt es nicht unbedingt an. Und der Elch hat nun mal eine tiefe Stimme! grin


@ hanni

Ja nu!?!
Will SmithFan87
02.02.08 - 17:17 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 14928
Mitglied seit 20.10.01
Ich nehme sogar eine lange Fahrt und späte Startzeit in Kauf, um den Film zu sehen, weil er natürlich nicht (so wie schon "Once" z.B.) halbwegs in der Nähe läuft. Aber mich hat das Buch von Krakauer fasziniert und die Bilder sehen großartig. Denke, dass das heute ein sehr lohnenswerter Kinobesuch wird.
hannibal-der_Lektor
02.02.08 - 19:37 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
@Thoro
Immer ruhig mit den jungen Pferden... Erstmal stehen noch zwei andere Dinge auf der "Internet-To Do"-Liste - mal ganz abgesehen vom Hausputz und Kofferausräumen. =)

Aber ich sach mal so: Noch vor Ende des Rosenmontag gibts die Kritik.

Kann ja schließlich die ausnahmslos guten Kritiken hier nicht einfach so stehen lassen... *chchch*
Thorongil
02.02.08 - 19:53 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ hanni
Scherzkeks!

@ Will
Viel Spaß ;-)
spider-man2002
02.02.08 - 20:33 Uhr
@Thoro: Nein, auf die Stimmlage kommt es nicht an, aber trotzdem sind die Originalstimmen besser und z.B. die Europhrie uin Bar mit "Alaska-Alaska" kommt im Original besser rüber als in der Synchro, sind halt so Kleinigkeiten! :-)
Pul
08.02.08 - 00:14 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Wieso ist diese kritik noch nicht empfohlen, obwohl sie ziemlich meine Meinung widerspiegel? *

Da Du den Elch erwähnst: Das war ja schon ein ziemlich krasser Wendepunkt, wie er diese Aktion als tragedy und disaster empfindet, sogar vor einem Kruez betend der sinnlos getöteten Kreatur gedenkt. Und stark hier natürlich das visuelle "Herr der Fliegen"-Zitat.

Ja, und die Eltern waren wirklich blass, vor allem angesichts der hochkarätigen Besetzung.
Thorongil
08.02.08 - 00:52 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Danke, Pul! Jetzt erscheint die Kritik ja unter einem ... Stern ;-)

Da Du den Elch erwähnst

lol ... aber in welchem Zusammenhang! grin

Aber mal ernsthaft: Die Sache mit dem Elch ist in der Tat ein Wendepunkt. Da wird Chris das erste Mal (zumindest in Ansätzen) klar, auf was er sich da eingelassen hat. Interessant ist ja, dass er am Ende sogar ziemliches Pech hatte. Er wusste nicht, dass er sich nur wenige Meilen entfernt von einer Siedlung und einem Highway befand, dachte aber nur an den Weg, von dem er gekommen war. Diese Informationen spart sich Penn aber aus und bleibt damit bei der ausgewogenen Ballance, die er zuvor so wunderbar aufgebaut hat. Schön!
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