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THEMA: We Yawn The Night
727 mal gelesen - 1 mal empfohlen
Thorongil
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 1 mal empfohlen.
27.02.2008 18:18 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357
Mitglied seit 13.09.2004
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-


.

We yawn the night


Helden der Nacht
(USA, 2007)


30%


Ein Polizist, ein verdeckter Ermittler, kriminelle Machenschaften, Brutalität, Spannung bis zum Erstarren und eine hitzige Atmosphäre ... ja, The Departed war schon ein guter Film, aber schreibe ich lieber über Helden der Nacht! Gern wäre der Film so gut, leider versteht es Regisseur und Autor James Gray nicht, mit seinem Film nur in die Nähe von Scorsese zu kommen. We own the night (so der Originaltitel) ist langweilig, kaum spannend und oft viel zu unlogisch.

Die Grundidee ist zwar nicht neu, böte aber viel Potential für Spannung und Atmosphäre. Bobby (Joaquin Phoenix) führt sehr erfolgreich einen Nachtclub, in dem auch Drogengeschäfte der russischen Mafia geduldet werden. Die Polizei, zu der Bobbys Bruder Joseph (Mark Wahlberg) und sein Vater gehören, versucht hinter die Machenschaften der Mafiosi zu kommen. Als Joseph angeschossen wird, arbeitet Bobby verdeckt für die Polizei, um die Russen zu überführen, doch die Situation eskaliert.

Gray legt viel Wert auf Charaktertiefe und Gefühl. Es kommt gehäuft zu Konfliktsituationen, die das Innere bzw. die Gefühlswelt der Protagonisten beleuchten sollen. Die Szenen sind aber so in die Länge gezogen, dass kaum Spannung aufkommen kann. Zudem hapert es an der Logik. Viele Handlungen der Figuren sind kaum nachvollziehbar. Die Charaktere bleiben einem seltsam fremd. Die Schauspieler geben zwar ihr Bestes, um gegen die behäbige Inszenierung anzukämpfen, scheitern aber an der falschen Prioritätensetzung von Gray. Ohne eine ordentlich erzählte Geschichte bringen solche Schauspielleistungen nichts, dann wirken sie nur fehlgeleitet.

Die Ungereimtheiten auf der Handlungsebene stören ebenso gewaltig. Der Auslöser für das Scheitern einer geregelten Festnahme in der Drogenfabrik ist lächerlich. Dann muss man sich fragen, warum ein potentieller Kronzeuge, dem man eben noch eine andere Identität geben wollte, sich plötzlich als Polizist auf dem Präsentierteller zeigt. Dass die Polizei zu doof ist, ein zu stürmendes Haus zu umstellen, ist dann noch die Krone der Misere. Das pathetische Ende lässt den Zuschauer wiederum ungläubig zurück. Es fehlt an Konsequenz, dieses Drama auch als Drama zu verkaufen. Stattdessen ist der Halbkriminelle nun ein richtig Guter geworden und bezeugt seinem Bruder die Liebe. Auch hier denkt man wehmütig an die wunderbare Geradlinigkeit und Konsequenz eines The Departed.

Es ist schon ärgerlich, wie Gray mit dem vorhandenen Potential umgeht. Er fährt den Karren zielstrebig gegen die Wand. Zu viele störende Einflüsse verhindern einen Zugang zum Film: Unglaubwürdigkeit der Handlung, Logikschwächen, schlechtes Timing und eine lächerlich wirkende Polizei. Das ist alles so überflüssig wie der Film selbst.
H. Dorfmann
27.02.08 - 20:40 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857
Mitglied seit 13.02.05
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Eieieie - und ich armer Wicht hatte noch sowas wie Erwartungen an den Film sad

Gewohnt solide und fundierte Kritik, aus der man deinen Unmut nicht nur herauslesen sondern gar heraushören kann grin
timo.benz
28.02.08 - 07:27 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 6631
Mitglied seit 20.01.03
ja, der Film ist grütze. und nach der hälfte erreicht da allerlei dann den bodensatz. sehe den film aber gerade noch im gelben bereich. auch wegen der tollen verfolgungsjagd.
LetThemEatCake!
28.02.08 - 10:56 Uhr
"We Yawn At Night" als Überschrift hätte ich besser gefunden, weil das pointiert die Erkenntnisse wiedergäbe, die wir aus diesem Film ziehen können. Abser seis drum. Ansonsten Zustimmung zu dem Text. Die Ungereimtheiten und Konstruierheiten habe ich bereits im Nachbarthread so ähnlich beschrieben. Weiterer Punkt ist die völlig unglaubwürdige Familienthematik und der wohlfeile Sinneswandel des J. Phoenix. Wer soll das dem Film eigentlich abkaufen? Blöde Zeitverschwendung, das alles.

Empfehlung für die Kritik (*), und damit verabschiede ich auch schon aus diesem Thread, denn ernsthaft diskutieren werde ich über diesen Film nicht.
Thorongil
28.02.08 - 11:37 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Heinrich

Ja, den kannst Du Dir sparen. Binda auch nur gruppenzwangsmäßig rein, aber auch, weil mir der Trailer ganz gut gefiehl ;-)


@ timo

Die Verfolgungsjagd war teilweise nicht schlecht. Aber auch hier gab's inszenatorische Probleme, wo man gar nichts erkennen konnte ... nicht wegen des Regens, sondern wegen des Alkohols im Blut des Kameramanns!^^ Sah aber insgesamt gut aus.


@Cake

Verbuch den Titel als künstlerische Freiheit. Für das "at" hätte ich noch ein Wort umstellen müssen, allerdings fehlt hier nun eines am Ende, naja! Diskussionswürdig ist der Film in der Tat nicht, er war mir dennoch eine kleine Warnung wert! Danke für's *!
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