Pia Kat
12.12.2000 01:00 Uhr
Status: Neuling
geschrieben: 2
Mitglied seit 23.03.2001 |
Die Adaption des Dänischen Königsreichs in ein New Yorker Megakonzern zeigt eines: Shakespeares Text ist zu groß, als dass er sich durch ein enges, einfaches Korsett schmälern ließe. Und Ethan Hawke überzeugt, dass die Hauptfigur in diesem vielschichtigen Stück, Hamlet selbst, ein wirklich zeitloser Held ist. Seine sensible, geistreiche, fortwährende Auseinandersetzung mit sich und der Welt und die daraus resultierende selbstgewählte Einsamkeit, seine spielerischen Selbstzweifel und sein genießerischer Narzismus, aber vor allem das traurige Unverständnis über den Lauf der Dinge, das Leben und die Überzeugungen der Mitmenschen, spiegelt ein allzu gegenwärtiges Lebensgefühl unserer Generation wieder. Er spricht aus, was sich so sinnig nicht einmal in unseren Gedanken in Worte fassen ließe und ist konsequent genug, auch danach zu leben, was uns unmöglich ist. Und hier wird Kino Kino. Wo Helden für uns leben und leiden und in diesem Fall lustvoll analysieren und erörtern. Hamlets Monologe werden zu ästhetisch rasenden Videoclips und schmuggeln die wundervoll klassische Wortmelodie bunt in unser Herz. Leider bleibt die bekannte Vielschichtigkeit des Stückes außen vor: Ophelias Liebesleid, ihre Welt aus Zweifel, Gehorsam, Lust und Schuld bleibt altbacken und unverständlich. Hier könnte und müßte eine Adaption mutiger und aktueller sein. König und Königin bleiben dem Zuschauer fremd. Es fehlt somit eine der größten Leistungen des Stückes, der Reichtum der Blickwinkel und Hamlets Welt ist nicht nur Mittelpunkt, sondern bleibt allein bestimmend. |