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AUTOR BEITRAG
THEMA: Zach Braff, Du verdammtes Schlitzohr!
1262 mal gelesen - 4 mal empfohlen
Thorongil
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 4 mal empfohlen.
25.02.2005 23:45 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.2004
Zach Braff, Du verdammtes Schlitzohr!


Garden State
(USA, 2003)


100%


Wow! Ich bin überrascht und fasziniert, was aus diesem Typen, der bei SCRUBS eher naiv trottelig daherkommt, an Genialität entspringt. Zach Braff hat einen Coming of Age-Film gedreht, der äußerst komplex und dennoch so herzlich leicht inszeniert ist. Genaugenommen ist es eher ein Coming to Life-Film, der aber durchaus auch als Appell an die Jugend zu sehen ist, endlich erwachsen zu werden und zu LEBEN. Braff spricht so viele Themen an und wirft so viele Fragen auf, die ich mir in jungen Jahren selbst gestellt habe und sogar jetzt noch stelle. Doch nie wird ein mahnender Zeigefinger erhoben. Braff lässt durch seine Geschichte und die intelligenten Dialoge seine Figuren und nicht zuletzt sich selbst als Hauptfigur sprechen. Keine Szene ist sinnlos oder gar langweilig. Der Film strahlt am Ende eine emotionale Wärme aus, die zu Herzen geht. Fantastisch!

Es geht um den jungen Mann Andrew Largeman (Zach Braff), der von seinem bisherigen Leben desillusioniert ist und eher dahinvegetiert. Als arbeitsloser Schauspieler muss er im Chinarestaurant kellnern. Eines Tages bekommt er vom Vater (Ian Holm) den Anruf, seine Mutter sei gestorben, doch selbst auf der Beerdigung bleibt er seltsam unbeteiligt. Seine alte Heimat hat sich ihm entfremdet. Plötzlich schneit Samantha (Natalie Portman) in sein Leben ...

Zach Braff, dieses verdammte Schlitzohr ;o) Seine Traumfrau ist Natalie Portman, wen besetzt er für die weibliche Hauptrolle? Natalie Portman. Seine Lieblingsband sind die Shins. Es gibt eine Szene im Film, als "Large" Sam im Wartezimmer des Arztes kennen lernt:

- What do you are listening to?
- The Shins. You know them?
- No.
- You gotta hear this one song. It'll change your life. I swear.
...
- It's good. I like it.

... ja genau, dieses Schlitzohr! Als ich dann noch Nick Drake hörte, war mir klar, auf musikalischer Ebene konnte nichts mehr schief gehen! BTW: Brat Pitt himself hat im Radio eine ganze Sendung mit Nick Drake moderiert. Auf die Nominierung als "Sexiest Man Alive" des PEOPLE-Magazines antwortete Braff: Ein Fraggle hätte bessere Chancen als ich! ... ja genau, dieses Schlitzohr!

-= Achtung SPOILER: dieser Abschnitt verrät etwas über den Inhalt des Films! =-

Zach Braff, dieses verdammte Wunderkind. In seinem Alter schon solche Filme heraushauen, wo soll das noch hinführen? Die Story könnte man als genial bezeichnen. Über die Gesamtlänge des Filmes entblättert sich langsam Andrews bisheriges Leben wie ein Puzzle, das langsam Sinn ergibt und ebenso langsam zu der Selbsterkenntnis führt, die notwendig ist, erwachsen zu werden und zum Leben zu finden. Eigentlich klassisch angelegt, hilft ihm beim Erkenntnisgewinn eine fremder Mensch, der unerwartet anders ist, ein Augenöffner. Samantha gewinnt durch ihre Offenherzigkeit sein Vertrauen, ihr kann er sich öffnen, Dinge aussprechen, die er selbst seinen Eltern nicht anvertrauen konnte/wollte. Dieses neue Selbstvertrauen hilft ihm, am Ende auch mit seinem Vater ein reinigendes Gespräch zu führen. Während wir am Anfang noch einen deprimierten Kellner in einem Chinarestaurant sehen, der sich von den Gästen schikanieren lässt, sehen wir am Ende einen lebensfrohen jungen Mann, der sich traut, ein neues Leben anzufangen. Fantastisch!

-= Ende SPOILER =-

Braff hat es auch handwerklich drauf. Hier kommen ihm wahrscheinlich seine vielen und frühen Dreherfahrungen zu Gute. Mit 14 debütierte er an der Seite von Gwyneth Paltrow im TV. Mit Woody Allen drehte er MANHATTAN MURDER MYSTERY. Collin Farrell ist sein Freund. Er muss wohl öfter genauer aufgepasst haben. Alles ist wunderbar in Szene gesetzt, ein gutes Spiel mit Kamerawinkeln und Licht. Der Einsatz der Musik und der Musiktexte ist immer treffend. Bis jetzt habe ich keinen Fehler irgendeiner Art in Erinnerung. Perfekt!

Ich bin tief beeindruckt und hätte nicht gedacht, dass mir ein Film in OV so vollständig zusagen könnte. Ein fantastischer Film eines jungen Mannes mit hervorragenden Zukunftsaussichten. Man kann nur auf Weiteres gespannt sein.

So, und jetzt traue ich mich gar nicht, diesen Text zu posten, weil bestimmt schon alles dazu geschrieben wurde und ich mich nur wiederhole. Und das 3 Monate vor Deutschlandstart. Faszinierend! Aber wenigstens überrascht meine 100%-Wertung, weil sie bei mir ganz besonders golden aussieht! Und wem habe ich das zu verdanken? Braff, Du verdammtes Schlitzohr.
spider-man2002
25.02.05 - 23:50 Uhr
Es war ja nur eine Frage der Zeit bis der nächste die 100% für Garden State raushaut! :-)
timo.benz
25.02.05 - 23:57 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 6627
Mitglied seit 20.01.03
@thoron

7 Kritiken, und du bringst doch noch was neues. Selber Schlitzohr! Diese kleine Homage an Zach Braff finde ich richtig gut. Vor allem sind ein paar sachen rausekommen die ich noch gar nicht wusste: Natalie Portman ist wirklich seine Lieblingsschauspielerin? Cool. Da hat Braff ja wirklich einen Filmgemacht, der in jeder Hinsicht sein Idealbild verkörpert. Was lernen wir daraus? Der Junge hat geschmack! Bin wirklich sehr gespannt was da noch kommt. Warte auch gerne 1, 2 Jahre, hauptsache der FIlm wird gut.
wink
Marcus Cohen
26.02.05 - 00:14 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3930
Mitglied seit 31.03.04
thorongil, du alter haudegen! freut uns doch alle, dass auch dir "garden state" gefällt. hab sehr gelacht beim lesen deines textes (hoffe, das liegt in der absicht des autors und beruht nicht auf unfreiwilliger komik). empfehlung, der herr.*
Thorongil
26.02.05 - 11:34 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Danke die Herren! Ich habe extra keine anderen Kritiken gelesen, sonst hätte ich wohl gar nichts mehr schreiben können. Freut mich, dass es Euch gefallen hat und ich noch etwas Neues beisteuern konnte. Der Text ging mir auch super schnell von den Fingern ;o) Nun kann ich endlich Eure Machwerke lesen und werde mich dann dort melden. CU!

Sagt mal, fehlt da eine Spoilerwarnung? Zumindest über dem viertletzten Absatz, oder? Hab vorsichtshalber schon einen Red-Antrag vorgefertigt, falls sich jemand beschwert ;o)
Rockefeller
26.02.05 - 11:46 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1154
Mitglied seit 07.02.02
Also nur aus Protest werde ich keine 100% vergeben, wenn ich den Film denn endlich mal zu sehen kriege grin

BTW: Es fehlen noch zwei Kritiken.
Thorongil
26.02.05 - 12:46 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Rocky

Hüte Dich, Du Spalter grin
Du darfst natürlich weniger geben, aber nur, wenn er Dir wirklich nicht 100% wert ist, das möchte ich dann aber begründet haben!
spider-man2002
26.02.05 - 13:18 Uhr
@Thorongil: Warte mal bis ich eine Kritik zu Garden State geschrieben habe, dass wird die Community erschüttern! grin lol
Marcus Cohen
26.02.05 - 13:24 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3930
Mitglied seit 31.03.04
spidey:

mal ohne ausweichmanöver und ohne viel circumstance:

wieviel würdest du denn "garden state" geben? oder anders gefragt: wie ist denn deine einschätzung vom film? oder noch anders: wie hat der film auf dich gewirkt?
spider-man2002
26.02.05 - 13:30 Uhr
@marcus: Wie pflegst du immer schön zu sagen, mehr Mut zur 0%! *rennschnellwegbevormichdieganzecommunitysteinigenwird*





Spaß bei Seite, sehe den Film wie eigentlich alle hier (90-100%) wirklich ein wunderschöner Film, aber momentan tendiere ich doch sehr stark zu den 90%, aber bevor ich wirklich eine Kritik zum Film schreiben werde, werde ich mir diesen nochmal ansehen, es sind ja schon einige Wochen (von fast Monate) vergangen als ich Garden State gesehen habe und dann sehen ob die momtentan gefühlten 90% richtig sind oder doch eher die 100%!
Marcus Cohen
26.02.05 - 13:34 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3930
Mitglied seit 31.03.04
schön, das. außer don logan gibt es also niemanden, dem "garden state" nicht gefallen hätte.
Thorongil
26.02.05 - 14:19 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Der Logan findet GS nicht gut? Komisch, irgendwie laufen wir zwei immer konträr ...
Bond Girls
26.02.05 - 16:36 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3221
Mitglied seit 26.11.02
@Thorongil
Deine Kritik ist wunderbar geschrieben. Sie macht direkt Hunger selbst "Garden State" zu sehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Leider muss ich noch bis zum Deutschlandstart damit warten. Fest steht, dass ich mir den Film ansehen werde - schon allein, da Natalie Portman mitspielt. Daher würde ich auch gleich gerne wissen, wie du Natalie's Leistung in "Garden State" beurteilst!?
Thorongil
26.02.05 - 20:18 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Bond Girls

Danke fürs Lob! Mir gefiel Natalie gut. Sie spielt eine Art von Frau, Dir mir auch abseits des Films gefallen könnte. Sympathisch und ein bisschen verrückt ;o) Die Rolle passt prima zu ihr bzw. andersherum. Details erspare ich Dir, hab ja schon die Spoilerwarnung vergessen;o) Kurzes Warten wünsche ich, vielleicht siehst Du GS ja irgendwo früher ...
Pul
28.02.05 - 10:43 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Schöner Text, Thorongil! *
Zwar nicht viel Neues, wie Du befürchtest, aber mal wieder ein leicht anderer Ansatz.
Wohin das führen wird mit Zach Braff? Ich fürchte fast, dass das hier sein Karrierehöhepunkt war, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Sie spielt eine Art von Frau, Dir mir auch abseits des Films gefallen könnte.
Rongi ist verlie-hiebt, Rongi ist verlie-hiebt. Aber: Wer denn nicht?
Thorongil
28.02.05 - 14:20 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Pul

Danke Pul.
Ob das Weinen nun gewollt, zu viel, zu wenig oder sonstwas ist, kann man nicht genau sagen (ebenso das Lachen im Wartezimmer). Wahrscheinlich ist es genau so, wie Braff es wollte ;o)

Das mit dem Alligator könnte eine gegenteilige Metapher sein (da gibt es bestimmt einen Fachausdruck für). Der echte Alligator reißt das Reh aus dem jungen Leben. Der "falsche" Alligator zieht das "falsche" Reh hinein ins Leben. Denke schon, dass die Doku Absicht ist.
Pul
01.03.05 - 08:29 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@Thor on Gil
Ich glaube nicht, dass es dafür einen Ausdruck gibt. Aber das ändert nichts daran, dass mir Dein Gedanke gefällt. Natürlich, das passt: Das scheue, abwartende, fast tumbe ist nicht Andrews natürliches Temperament, sondern durch die Psychopharmaka und seine Geschichte bedingt (Man beachte in der Doku auch noch das Muttertier, das passiv danebensteht und seinem Jungen nicht helfen kann -> Vater). Ebenso ist sich auf die Lauer zu legen und sich ein hilfloses Tier zu reißen nicht Sams Natur, aber hier und jetzt notwendig. Jip! thumbup
Thorongil
02.06.05 - 17:04 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Pul

Habe irgendwie den Überblick verloren, wo wir die Zugführerszene das letzte Mal beredet haben, aber Du hast ja auch bei mir EMV an. Ich habe mir die Szene nochmal angeschaut. Das was über den Zugführer gesagt wird, hat wohl geringere Bedeutung. Es geht einfach darum, dass Large unbedingt mit seinem Vater reden will und deshalb auch kein Interesse auf Sensationsmeldungen hat, die normalerweise jeden interessieren. Eine gewisse Abgestumpftheit gegenüber der Umwelt spielt sicherlich auch eine Rolle, obwohl sich Large zu dem Zeitpunkt schon wieder auf dem Wege der "Besserung" befindet. M.E. ist das Zugunglück schon bewusst eingesetzt (ebenso wie der Alligator und das Jungtier), dafür spricht die Einstellung mit Anfangssicht auf das TV. Der Vater wacht auf und schaltet den Fernseher aus, entweder weil er nicht mitbekommt, dass es sich um ein Zugunglück handelt oder weil er ebenso abgestumpft ist. Für letzteres spricht ja auch die ganze Situation, dass er Large lieber mit Medikamenten das Leben verpfuscht, als eine "humanere", aber vielleicht aufwendigere Therapie zu finden. Soviel hat Braff vielleicht nicht mit der Szene ausdrücken wollen, bis auf den ersten eben von mir angesprochenen Punkt, dennoch hat mich schon interessiert, was das Ganze bei einem so perfekten, durchinszenierten Film zu bedeuten hat. Jetzt aber Schlussstrich (wie geht das mit der Linie gleich?):



(ach so geht das ;o))
Pul
02.06.05 - 17:42 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Von wegen Überblick verloren. Du willst doch nur die Leute in Deinen Thread locken, wie der Alligator... doch lassen wir das.

Zum einen glaube ich nicht, dass man heutzutage noch bei jeder Meldung von einem Zug- oder Flugzeugunglück aufmerksam wird. Das schwirrt doch oft an einem vorbei. Und bei Licht betrachtet (darauf geht ja auch Neil Postman in "Wir amüsieren uns zu Tode" ein, wenn ich nicht irre), ist es ja auch nur Auswuchs unserer modernen Mediengesellschaft, dass wir uns plötzlich mit Katastrophen am anderen Ende der Welt beschäftigen, wo wir noch hundertfünfzig Jahre zuvor nicht mal mitbekommen hätten, dass 20 km weiter eine Postkutsche in eine Schlucht stürzte. Und schlimmer noch: Während wir die menschliche Katastrophe im Nachbarhaus oder -zimmer nicht mitbekommen. Auch und grade das trägt doch zu Befindlichkeiten wie der von Andrew bei.

Deswegen begrüße ich es, dass er nicht die Gelegenheit nutzt, sich vom TV abzulenken zu lassen, wie es doch oft passiert, sondern bei seiner unangenehmen Konfrontationsaufgabe bleibt.
Beim Vater liegt der Fall ja noch anders: Auf Andrews "Sorry, I didn't mean to wake you" (er hatte ja laut "Dad" gerufen, weil der Fernseher lief) sagt dieser "Oh no, you didn't. I was reading" und nestelt schnell an Papieren oder der Zeitung rum. D.h., er hat das TV a priori nur zur Berieselung laufen lassen, was mir symptomatisch zu sein scheint. Nun ist es in dieser Situation zu erklären, weil er sich vermutlich wach halten wollte, bis der Sohn nach Hause kommt, damit dieser sich nicht wieder vorm Gespräch drücken kann. Dad konnte schließlich nicht ahnen, welche Richtung dieses Gespräch nehmen würde.

Also: Bei beiden sehe ich es nicht als zeichen der Abstumpfung, sondern als eher gesund an, dass sie dem persönlichen Gespräch den Vorrang vor einer x-beliebigen TV-Meldung geben, während ich die Tatsache, dass das TV überhaupt läuft, hier einmal wohlwollend toleriere. Natürlich hat ein TV grundsätzlich nichts in einem Schlafzimmer verloren, aber das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zu Deinem letzten Punkt: Natürlich war es fahrlässig vom Vater, die vermeintlichen Probleme des Sohnes mit Tabletten zu deckeln. Damit hat er in mehrfacher Hinsicht von sich selbst abgelenkt: Zum einen ist es leicht, einen Sündenbock zu küren, insbesondere wenn es ein 9-jähriges Kind ist, das sich nicht wehren kann. Dann hat er mit dem Sedieren (also quasi psychischen Entfernen) und schließlich sogar dem physischen Entsorgen von Andrew verhindert, dass dieser irgendwann unbequeme Fragen stellt, z.B. ob es nicht auch ein klein wenig am Vater gelegen haben könnte, dass die Mutter so depressiv drauf war. Und schließlich hat er sich gegenüber sich selbst aus der Affäre gezogen, indem er sich Andrew als therapeutisches Objekt zur Beschäftigung mit der Familie suchte. Er hat sich auf die Position eines Therapeuten zurückgezogen, als wenn er ein Außenstehender wäre. Zweifellos wird er die Beschäftigung damit auch nicht in einer Supervision nachgeholt haben, obwohl das angezeigt gewesen wäre.
Thorongil
02.06.05 - 18:07 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5348
Mitglied seit 13.09.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@ Pul

Wie abgestumpft bist DU denn? wink
Naja, Du hast mit Deinen Betrachtungen soweit Recht, dennoch bleibe ich bei der Behauptung, dass der Inhalt der TV-Sendung schon eine Rolle spielt. Bei Deiner Sichtweise, es handele sich nur um Wachhaltung beim Vater, hätte man die klischeehaften Cartoons oder Dauerwerbesendungen nehmen können. Braff nahm aber eine Zugkatastrophe im eigenen Land und hält die Kamera am Anfang der Szene nicht etwa auf den Vater, sondern auf das TV-Gerät. Wenn es ums eigene Land geht, sind die Amis schon sensibilisiert. Bei solchen Sachen ist CNN oder FOX sofort auf Sendung. Large will mit seinem Vater sprechen und da kann die Landung von Außerirdischen im TV kommen, Large interessiert es nicht/übersieht es unbewusst. Wann der Vater eingeschlafen ist bzw. ob er etwas von der Katastrophe mitbekommen hat und sie wahrhaftig als Berieselung sah, weiß man nicht. Er scheint so eine Art "Bild der amerikanischen Gesellschaft" abzugeben. Den einfachsten Weg wählen und Problemen aus dem Weg gehen. Immerhin will er mit Large sprechen, weil er neuerdings allein ist, da die Frau gestorben ist. Seine Herangehensweise ist aber immer noch die Gleiche. Er versteht Andrew's Gefühle nicht.

Wenn Du willst, sieh' die TV-Szene als Medien-/Konsumgesellschaftskritik. Das TV läuft also nicht nur "wohlwollend", sondern absichtlich mit entsprechendem Inhalt. Eine Bedeutung hat die Sache auf jeden Fall. Fragt sich, ob eine große ...

@ Thread
Nee, ernsthaft. Dein letztes "@ Thorongil/Zugkatastrophe" habe ich nicht gefunden. Im aktiven GS-Thread war es nicht - dann nehme ich doch den eigenen ...
grin
Pul
02.06.05 - 18:32 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Meine Betrachtungen zu dieser Szene waren nur ergänzend und als Antwort auf Deine zu sehen, hinsichtlich abgestumpft nicht abgestumpft. Dass ich Deine These, der Zugführer könne hier allegorisch für den Vater stehen, damit ablehne, war so nicht zu verstehen. Aber weitergekommen waren wir in dem Punkt ja auch nicht.

Du hast recht: Die Amis reagieren bei derlei im eigenen Land natürlcih schon hellhörig, ähnlich wie das bei uns wäre (ich erinnere an dieses grausige ICE-Unglück vor ein paar Jahren). Nichtsdestotrotz sehe ich es nicht als Schwäche oder Abgestumpftheit an, sich davon nicht von einem derart wichtigen Gespräch ablenken zu lassen. Wenn die Meldung wirklich so wichtig ist, wird sie eh die nächsten Tage die medien füllen. Was ist wichtiger? 10 Stunden früher zu erfahren, dass irgendwo hundert Menschen verunglückt sind oder eine vielleicht unwiederbringliche Chance zu einem Versöhnungsgespräch mit einem Angehörigen zu nutzen?

Die Berieselung bezog ich auf das Anschalten des TVs, nicht auf die Nachricht von der Katastrophe. Eingeschlafen war er ja vielleicht über einer Gameshow.

Immerhin will er mit Large sprechen, weil er neuerdings allein ist, da die Frau gestorben ist.
In diesem Punkt muss ich widersprechen: M.E. sieht er in Andrew nicht notwenigerweise tröstende Gesellschaft, das wird er sich abgeschminkt haben. Aber er sieht es als Therapeut als seine Pflicht, seinen Patienten vor weiterem Schaden zu bewahren, den er befürchtet, wenn sich Andrew auch nach dem Tod der Mutter noch nicht seiner "Schuld" stellt. "Saying good-bye is important. I'm glad you could fit it in"
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