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AUTOR BEITRAG
THEMA: Von Dalmatinermäusen und Zigeunertaxis
2896 mal gelesen - 5 mal empfohlen
hannibal-der_Lektor
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 5 mal empfohlen.
20.03.2002 14:41 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.2001
„Warum musste ich mir das jetzt anschauen?“ – Mit diesen Worten beschrieb der von mir durchaus geschätzte Sat1-Filmkritiker Hans-Ullrich Pönack (jeden Mittwoch zwischen 18 und 18.30 Uhr auf Sat1!) das Gefühl, dass man nach dem Besuch von „Die Royal Tenenbaums“ hat. Er bemühte ausserdem den Vergleich, dass das Filmerlebnis genauso wäre, wie das Erlebnis, wenn man ein Steak isst, welches zwar eine hervorragende Qualität besitzt, auch sehr gut aussieht und genau richtig lange in der Pfanne war, bei dem der Koch nur leider vergessen hat, die Gewürze hinzuzugeben.
Nun, ich sehe das absolut nicht so. Klar, man muss ihm im Grunde recht geben, dass der Film keine richtige Geschichte hat, keinen Plot den er verfolgt, keinen wirklichen Handlungsverlauf der auf einen bestimmten Klimax hinsteuert.
Doch dass ist es ja auch gerade, was den Film so besonders macht: Anderson will hier gar keine wirkliche Geschichte erzählen.
Nein, der Film ist vielmehr wie eine Art Bild, ein Portrait dass jemand einfach zeichnet, um eine Familie voller verschrobener Charaktere darzustellen, was man sich dann in den Flur hängen könnte um den Gästen, die das Haus besuchen zu zeigen: Das sind wir!
Und Anderson geht dabei virtuos zu Werke, wie ein Künstler, der seine Kreation mit völliger Hingabe zum Leben erwecken will, was ihm dann hier auch wirklich absolut gelingt.
In jeder Szene merkt man förmlich, dass sich der Regisseur etwas dabei gedacht hat. Jede Einstellung, jedes Requisit scheint eine Bedeutung zu besitzen und so wirkt alles gleichzeitig durchdacht, als auch völlig authentisch. Es muss einfach so sein, dass dieses Bild jetzt da hängt wo es hängt, dass der Vorhang eben genau dieses Muster hat, weil das Gesamtkunstwerk ansonsten unvollständig wäre.
Darüber hinaus vervollständigt noch eine exzellente Auswahl an Musikstücken die Wirkung der Szenen, so dass die Art der Inszenierung alleine schon zu einem absolut stimmigen Gesamtkunstwerk wird.

Das was diesen Film dann aber wirklich herausragend macht, ist dieses absolute Staraufgebot, von denen jeder einzelne exakt für die entsprechende Rolle maßgeschneidert zu sein scheint. Jeder scheint seine persönliche Figur völlig verinnerlicht zu haben, und spielt all seine Eigenheiten mit einer bierernsten Selbstverständlichkeit aus, dass es einfach nur zum Schiessen ist. Und das erstaunliche ist, dass der Humor sich vor allem aus den Dialogen und der Anhäufung von spleenigen Figuren zieht. Irgendwer schrieb mal, dass Ben Stiller hier absolut nicht komisch spielen würde, man aber trotzdem absolut über ihn lachen könnte. Das ist wirklich wahr, da diese Ernsthaftigkeit aller Darsteller absolut köstlich ist.
Der einzige der hier wirklich eine komödiantische Spielweise an den Tag legt ist der Chef höchstpersönlich: Gene Hackman als Royal Tenenbaum – und der spielt wirklich exzellent, so dass man den Golden Globe, sowie die Oscar-Nominierung vollkommen verstehen kann.

„Wer Spaß daran hat, Leute zu beobachten, der könnte allerdings durchaus gefallen an diesem Film finden.“ Das war ein anderer Satz von Herrn Pönack, und dem kann ich mich absolut anschließen. Wer die Art von Filmen wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ mag, der wird auch hier seinen Gefallen an dieser Ansammlung von skurrilen Charakteren, dem charmanten Humor und dieser liebenswürdigen Art der Inszenierung finden und den Besuch absolut nicht bereuen.
Ich habe mich auf jeden Fall pudelwohl in diesem Film gefühlt, und letztendlich scheitert die Top-Wertung wohl hauptsächlich daran, dass ich eben nicht dieses Glücksgefühl wie bei Amelie hatte. Ausserdem hatte ich noch ein paar Probleme mit Szenen, die meiner Ansicht nach zu sehr ins Leere liefen. Zumindest hatte dies den Anschein, oder ich habe es einfach nicht verstanden.
[Die 90% sind daher mit Tendenz nach unten zu sehen]

Nichtsdestotrotz wird dieser Film am Ende des Jahres durchaus den Sprung in meine Top10 schaffen können, und für jeden Cineasten sollte dieses kleine Fimjuwel (ja, endlich habe ich den Ausdruck auch verwendet) eigentlich ein Pflichtbesuch sein. Wenn es euch also möglich sein sollte, dann geht in eines der knapp 100 Kinos, die diesen Film zeigen und genießt ihn! Auch weitere Wege wie bei mir lohnen sich!
Silky
20.03.02 - 15:38 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 15957
Mitglied seit 05.09.01
thumbup
Werde mir diese Familie heute abend gönnen ! :-))

Sehr schöne Anmerkungen von Dir. War ja vorher schon höchst neugierig und positiv gestimmt, Deine Kritik verstärkt dies noch.
hannibal-der_Lektor
20.03.02 - 16:00 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
Dann wünsche ich dir wirklich sehr viel Spaß und einen angenehmen Abend.
Wenn das Kino nicht so weit weg wäre, dann würde ich mir den Film evtl heute abend sogar noch mal gönnen. Der Film besitzt einfach so viel Liebe zum Detail, dass man in manchen Szenen gar nicht alles auf einmal erfassen kann. Besonders in den Szenen in irgendwelchen Räumen scheint jedes einzelne Requisit eine Bedeutung zu besitzen und über den Besitzer etwas auszusagen. Köstlich.

Eine meiner Lieblingsnebenfiguren ist übrigens Sanchez...
Pul
20.03.02 - 16:01 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10650
Mitglied seit 23.03.01
Schließe mich Silky an, sowohl was die Bewertung Deiner Kritik als auch was das Sehen heute abend anbelangt.

Schönes Bild mit dem Bild. Das ist ja wohl auch der Grund, warum die Charaktere immer in den gleichen Klamotten rumlaufen, oder?
hannibal-der_Lektor
20.03.02 - 17:56 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-

Pul, auch dir Dank für deine Zustimmung.

Den Aspekt mit den ständig gleichen Klamotten hatte ich so gar nicht betrachtet, aber wenn man das in dem Zusammenhang sieht, könnte man das durchaus so deuten. Vor allem auch wenn man z.B. daran denkt, dass die einzige Person, die ab und an unterschiedliche Kleidung trägt erstmal Royal Tenenbaum ist, der ja quasi ein wenig "aus dem Rahmen fällt" (mein Gott, wird das metaphorisch...) und später dann Richie aus seiner Rolle fällt, den radikalen Wechsel vollzieht und somit aus dem vom Bild festgelegten Schema heraustritt.
Ein wenig könnte man das sicherlich so interpretieren, dass der Film halt ein Portrait ist und damit jede Figur auf bestimmte Eigenschaften und eben auch Kleidungen festgelegt sind...
Nidal
21.03.02 - 09:42 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4522
Mitglied seit 12.07.01
@Hannibal
Hab mich gefreut das Du diesen Film gesehen hast, dachte schon das sich hier nie eine Diskussion entwickeln würde. Denn "The Royal Tenenbaums" hat es verdient das über ihn gesprochen wird.

Nun zu Deiner Kritik, ich denke schon das Anderson uns eine Geschichte erzählen. Er will uns die Familiengeschichte der Tenenbaums erzählen, natürlich nicht in einer Art und Weise wie wir es sonst von Hollywood gewöhnt sind. Doch eindeutig erzählt Anderson eine Geschichte, und darüber hinaus noch eine verdammt liebenswürdige!
Der Hausangestellte Sanchez war wirklich auch für mich so etwas wie der heimliche Star des Filmes. Ich hätte mir gewünscht das er etwas mehr gesprochen hätte, er war so herrlich synchonisiert und zusammen mit Gene Hackman wirklich ein klasse Trio! Besonders als er ihn zum Schluss mit dem Messer verletzt war doch urkomisch!

Der Film hat sehr, sehr gute Chancen auf eine vordere Platzierung am Ende das Jahres, für mich auf jeden Fall der Geheimtipp 2002 - bisher!
Er gehört zu dieser Art von Filmen die man sich bestimmt auch öfters anschauen kann und dabei immer etwas neues entdecken wird.
hannibal-der_Lektor
21.03.02 - 23:20 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-

Du unterliegst einem klitzekleinen Irrtum. Die Person, die du meinst, und zwar den Inder, hieß Pagoda und den fand ich ebenfalls sehr klasse. Erinnerte ein wenig an Kaya Yanar's Figur "Ranjid" (oder so ähnlich). Und natürlich ist die Messer-Szene eine der genialsten Stellen überhaupt!

Sanchez ist dagegen "der vereidigte Notar", der die Scheidungspapiere prüfte, und das war meiner Meinung nach einfach eine hammergeile Stelle, die so knalltrocken rüberkam, dass ich einfach richtig lachen musste.
Im Grunde genauso wie der Fahrstuhlführerdoktor Rusty - lauter so kleine tierisch geniale Einfälle.

Ich bin trotzdem noch immer der Meinung, dass Anderson hier keine wirkliche Geschichte erzählt, sondern uns vielmehr so eine Art "Blick durchs Schlüsselloch" gewährt. Man schaut rein, erfasst die Szene, ordnet allen Charakteren etwas Bestimmtes zu, und sieht wie sich diese Verteilung während einer kurzen Phase umwandelt.
Okay, das hinkt jetzt etwas, aber ich lasse mich gerne aufklären, was nun die wirkliche Geschichte und der Handlungsfaden sind.
Nidal
22.03.02 - 08:10 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4522
Mitglied seit 12.07.01
achja, Sanchez das war doch die Mischung aus Spanier und Mexicaner?! Jawohl, auch diese Nebenfigur passt wunderbar in das ganze Szenario. Wes Anderson und auch Owen Wilson dürfen am Sonntag nicht leer ausgehen, sellten so ein originelles Drehbuch gesehen. ("Memento" möge mir verzeihen)

Genau Pagoda - der Inder! Scheisse, je mehr ich darüber nachdenke hat "The Royal Tenenbaum" wirklich die 80% verdient. Wes Anderson hat im Grunde meine hohen Erwartungen erfüllt, und mal ehrlich wo kommt man schon Superstars wie Glover, Hackman, Paltrow, Huston, Wilson, Stiller und Murray so abgedreht zu sehen? Bei Soderbergh sind alle wie aus dem Ei gepellt, dazu ist dieser Film das ideale Kontrastprogramm!

Ich hab in meiner Kritik geschrieben das Anderson eine Geschichte (Märchen würde vielleicht besser zutreffen) in Bildern und Ton erzählt. Es war einmal Royal Tenenbaum...und wenn sie nicht gestorben sind...!

Im Grunde ist doch eine Handlung klar zu erkennen, sie geht von A nach B. Ich gebe Dir recht das der Film nicht aufgrund dieser Geschichte so genial ist,er lebt natürlich fast ausschließlich von den Charakteren und diesem abgedrehtem Humor. (ich vermisse ihn jetzt schon ein bisschen, und der DVD Start ist doch noch sooo lange hin)
hannibal-der_Lektor
22.03.02 - 23:12 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
Ja, okay. Im Grunde ist es natürlich schon eine Geschichte, die dort erzählt wird, aber andererseits nimmt diese eigentlich einen so kleinen Raum ein, dass sie gar nicht erwähnenswert ist. Aber wir sollten uns darauf nicht versteifen. =)

Tja, die Wartezeit. Da ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass Anderson's Erstling Rushmore irgendwann einmal bei uns in der Videothek erscheint, dachte ich natürlich, dass ich auf Premiere warten müsste. Aber nein! Auf dem Weg von den Tenenbaums zum anschließenden Burger King-Mahl kamen wir am One Dollar House in Köln vorbei und dort laufen noch so Filme wie Amelie, Blow und eben auch Rushmore! Ja sogar Clerks oder Big Lebowski laufen dort.
Das Problem ist nur, ob ich jemanden für Rushmore nach Köln motiviert bekomme...
Chris Striker
24.03.02 - 21:29 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4553
Mitglied seit 06.10.01
Der Humor von "Rushmore" ist im Vergleich zu den "Tenenbaums" konventioneller. Auch wenn "Rushmore" sehenswert ist, Tenenbaum hat für mich einen wesentlich höheren Unterhaltungswert. In der Münsteraner Sneak ist "Rushmore" übrigens gar nicht gut weggekommen. Diese Woche wurden die Sneaknoten der letzten zwei Jahren veröffentlich. Rushmore landet mit einer 3,5 auf dem fünft letzten Platz:

1. 1,29 Shrek
2. 1,69 Die Monster AG
3. 1,74 Forrester – Gefunden (OmU)
4. 1,80 Ein Mann sieht rosa
5. 1,82 Lammbock
6. 1,86 Brendan trifft Trudy
7. 1,90 Heartbreakers
8. 1,96 Das Experiment
9. 1,99 Meine Braut, ihr Vater und ich
10. 2,01 Die fabelhafte Welt der Amélie
11. 2,02 Billy Elliot
12. 2,04 A Beautiful Mind
13. 2,05 Was Frauen wollen
14. 2,09 Lucky Break
15. 2,24 666 – Traue keinem, mit dem du schläfst
16. 2,35 Memento
17. 2,35 Greenfingers
18. 2,38 Vaya con dios
19. 2,39 Fickende Fische
20. 2,41 Spy Game
21. 2,46 Bridget Jones
22. 2,47 Evolution
23. 2,49 Ritter aus Leidenschaft
24. 2,54 High Heels and Low Lifes
25. 2,54 Gegen jede Regel
26. 2,59 Helden aus der zweiten Reihe
27. 2,62 Traumpaare - Duets
28. 2,69 Moulin Rouge
29. 2,70 Sass
30. 2,72 Nichts bereuen
31. 2,78 Zoolander
32. 2,81 Corellis Mandoline
33. 2,82 Duell
34. 2,89 America’s Sweethearts
35. 3,01 Weil es dich gibt
36. 3,07 The Score
37. 3,10 Wie Feuer und Flamme
38. 3,15 Über kurz oder lang
39. 3,42 in todsicheres Geschäft
40. 3,51 Rushnore
41. 3,60 Joyride
42. 3,90 Wedding Planner
43. 4,40 The Fast and the Furious
44. 4,49 O
hannibal-der_Lektor
24.03.02 - 21:38 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
Naja, da z.B. das Duell höher als The Score bewertet wird, oder da Memento noch einen Platz hinter 666 in dieser Rangliste liegt, halte ich diese Liste zwar für interessant, aber für mich persönlich hat sie null Aussagekraft.
Und dass Rushmore nicht so gut sein wird wie Tenenbaums dachte ich mir schon, da sie ja auch schon von der Thematik her ziemlich unterschiedlich angelegt sind.
Bei Rushmore gibt es ja einen richtigen Plot. =)
Aber alleine schon wegen Bill Murray lohnt es sich für mich diesen Film anzuschauen.
hannibal-der_Lektor
31.03.02 - 01:22 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.01
So, auch ich habe heute ein zweites Mal den Royal Tenenbaums einen Besuch abgestattet, dieses Mal in der englischen Originalversion, und muss sagen, dass er mich erneut wieder vollkommen begeistern konnte.
Unterschiede zwischen beiden Versionen herauszustellen ist eigentlich ziemlich müßig, ausser dass man festhalten kann, dass die Synchronstimmen absolut gute Arbeit geleistet haben und die Originale vollwertig ersetzen konnten. Im Falle von Sanchez kam das sogar noch ein wenig besser rüber als im Original, aber das ist ja eh so ein kleiner Faktor, der im Grunde völlig unwichtig ist.
Lediglich Gene Hackman kommt mit der Originalstimme noch ein wenig trockener und besser rüber als in der deutschen Fassung. (So, let's swing to the next grave)

Mittlerweile geht meine Bewertungsnadel aber doch mehr als tendentiell von der 90% Marke weg, hin zur Höchstwertung. Dieser Film bietet einfach perfekte skurille Unterhaltung mit einem gewissen Maß an Anspruch, einem absolut hochwertigen Starensemble die äusserst gut aufgelegt sind und darüberhinaus auch mehreren magischen Momenten wie ich jetzt beim zweiten Ansehen feststellen durften.

Alleine die Szene nach dem Prolog in der der Adler Mordecai freigelassen wird und zu den Klängen von "Hey Jude" über die Stadt fliegt ist wirklich grandios und mein absoluter Anwärter für den von HdR vorgeschlagenen Preis "Magische Filmszenen". Diese Szene ist einfach grandios und ist so wunderbar abgestimmt mit der Musik, dass ich alleine schon für diese kleine Stelle den Film noch einmal sehen möchte.

Aber auch noch andere denkwürdige kleine Szenen ließen sich da aufzählen, wie z.B. der plötzliche Bruch ins Ernsthafte, mit dem Frisurenschnitt und dem darauffolgenden plötzlichen Selbstmordversuch von Richie. Auch diese Stelle strahlt einfach eine unglaubliche Magie und Faszination dadurch aus, dass sie einmal beinahe im völligen Gegensatz zum vorigen steht und dann auch durch die wunderbare Harmonie mit der Musik.

Sowieso ist der Soundtrack wirklich hervorragend und ich höre auch gerade ein paar frisch runtergeladene Stücke, während ich hier tippe. Leider, leider, finde ich nicht die Filmversion von "Hey Jude"...

Oder ein weiteres Beispiel: Der Nachmittag von Royal mit seinen beiden Enkeln Ari und Uzi ist ebenfalls eine dieser Passagen die so wunderbar schön in Szene gesetzt wurden und in Verbindung mit der Musik einfach absolut im Gedächtnis bleiben.

Ansonsten natürlich auch die vielen kleinen Momente, wie der Übergriff von Pagoda auf Royal, der Auftritt von Sanchez, der Talkshow-Auftritt von Eli, das Wortgefecht zwischen Royal und Henry, usw. und so fort. Alles so Stellen die im Gedächtnis bleiben und diesen Film so großartig machen. Das Drehbuch hatte seine Oscar-Nominierung 5 Mal verdient, und von Gosford Park erwarte ich in der Hinsicht eine Menge, wenn er die Tenenbaums UND vor allem Amelie hinter sich lassen konnte...

Im Grunde könnte ich auch wirklich noch ein drittes Mal in Die Royal Tenenbaums gehen, und es würde mir dennoch nicht langweilig, was zum einen natürlich an den wunderbar schrulligen Charakteren und dem Zusammenspiel liegt, aber auch vor allem an der extrem Detailverliebtheit des Films. Man konnte sich fast gar nicht satt sehen, selbst beim zweiten Mal, alleine wenn man schon die unterschiedlichen Zimmerausstattungen der drei Kinder betrachtet, oder die Wohnung von Eli mit den beiden "großartigen" Wandgemälden. Fast überall findet man etwas was einem so beim ersten Ansehen gar nicht aufgefallen war, wie z.B. die Aufschrift neben dem Tor zu Tenenbaums Grab "Lot 190", die auch auf mindestens einer Buchseite als Zahl am Ende der Seite angegeben war - welche Bedeutung dies auch immer besitzen mag.
Ich denke, ich werde diesen Film auf 100% hochstufen, sobald dies hier technisch möglich ist. Ansonsten sei dies hiermit offiziell bekanntgegeben.

PS: Meine drei absoluten Download-Tipps aus einem insgesamt sehr genialen Soundtrack:

1. Nick Drake - Fly
2. Van Morrison - Everyone
3. Elliot Smith - Needles in the hay

Und natürlich Hey Jude von den Beatles...
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