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THEMA: Manche Film sind einfach für die Leinwand gemacht!
1077 mal gelesen
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hannibal-der_Lektor
Filmkritik:
28.02.2002 22:12 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247
Mitglied seit 23.03.2001 |
Die Kunst, einen guten Film wirklich so zu erzählen, dass man nachher erst einmal nicht in der Lage ist den Film schlecht zu bewerten, liegt für mich darin, den Zuschauer mit einem wirklich guten Schluss zu überzeugen. Bei einem großartigen Film kommt hinzu, dass man den Zuschauer während des kompletten Films sozusagen durch eine Spannungsspirale führt, die sich nachher in einem bombastischen Finale entläd, und den Zuschauer dermaßen wegbläst, dass er sich nach Ende des Films richtiggehend aus dem Sessel schälen muss. Und genau das ist Michael Mann mit seinem Film „Der letzte Mohikaner“ ausserordentlich hervorragend gelungen.
Schon zu Beginn wird man von der Musik gelockt, man lässt sich gespannt nach hinten in den Sessel sinken und wird in einer atemberaubenden Landschaft direkt auf eine rasante Jagd durch die nordamerikanischen Wälder mitgenommen. Ein ebenso furioser, wie auch nachdenklicher Auftakt, durch die Konfrontation mit einer indianischen Jagd. Danach entwickelt sich eine wirklich interessante und weitestgehend kitschfreie Liebesgeschichte inmitten großartiger und beeindruckender Schlachtensszenen, sowie monumentaler Landschaftsaufnahmen gepaart mit einem der überwältigendsten Soundtracks die jemals geschrieben wurden. Letztendlich ist dies aber alles „nur“ ein Vorspiel für einen filmischen Schlussspurt, ein grandioses Finale, einen Show-Down der einen mit seiner emotionalen Wucht einfach nur erschlägt und gefangen nimmt. Man wird förmlich mitgerissen, in diesem Sog aus Bildern voll blinder Wut und erschreckender Grausamkeit vor einer grandiosen Kulisse sowie einer Musik, die einen an den Ohren mit in das Geschehen zieht.
Was soll man sonst noch dazu sagen? Größere Schwächen besitzt der Film eigentlich nicht, sieht man mal von kleineren Unzulänglichkeiten in der Handlung kurz vor dem Finale ab, und auch langatmig wird der Film zu keiner Zeit. Dazu ist der Plot einfach zu dicht inszeniert, und bei so einem Finale ist einem das Vorspiel ja, wie schon erwähnt, im Grunde sowieso ziemlich egal. Wirklich schade, dass ich ihn nicht im Kino sehen konnte! |
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Nidal
01.03.02 - 08:30 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4522 Mitglied seit 12.07.01
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Dieses Board treibt einem fast die Tränen in die Augen! Hintereinander haben Hannibal, Herr der Filme und ich die absolute reine 100% gezogen!
Ich bin so unheimlich erleichert weil Deine Erwartungen ja bestimmt schon ins uferlose gewachsen sind, aber trotzdem hat Dich Mann´s Meisterwerk nicht enttäuscht! Ich denke diese Tatsache zeigt die ganze Qualität dieses Filmes!
"Die 7 intensivsten Minuten der Filmgeschichte" ist bestimmt eine gewagte Aussage, aber Deine Kritik unterstreicht dies in einer beeindruckenden Art und Weise. Einige Zitate von Hannibal:
"die sich nachher in einem bombastischen Finale entläd, und den Zuschauer dermaßen wegbläst" "Letztendlich ist dies aber alles „nur“ ein Vorspiel für einen filmischen Schlussspurt, ein grandioses Finale, einen Show-Down der einen mit seiner emotionalen Wucht einfach nur erschlägt und gefangen nimmt. Man wird förmlich mitgerissen, in diesem Sog aus Bildern voll blinder Wut und erschreckender Grausamkeit vor einer grandiosen Kulisse sowie einer Musik, die einen an den Ohren mit in das Geschehen zieht." "beeindruckender Schlachtensszenen, sowie monumentaler Landschaftsaufnahmen gepaart mit einem der überwältigendsten Soundtracks die jemals geschrieben wurden."
Besser kann man seine Gefühle nicht beschreiben und ich bin so verdammt glücklich diese Erfahrung mit Dir zu teilen!
PS: wie ich gelesen habe willst Du mit "Die Verurteilten" gleich das nächste Meisterwerk in Angriff nehmen! Kompliment, das nenne ich eine exclusive Filmauswahl!
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hannibal-der_Lektor
01.03.02 - 23:11 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247 Mitglied seit 23.03.01
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Danke Nidal.
Eigentlich finde ich den Film ja richtig schlecht, aber ich dachte mir einfach, dass drei mal 100% einfach genial aussehen würde.
NEIN! Natürlich nur ein Scherz. Ich hatte zwar nicht diese riesige Emotionswelle, die ich mir absolut erwartet hatte, aber das lag vermutlich daran dass ich eben diese extrem hohen Erwartungen hatte und darüberhinaus der Filmgenuss noch durch drei Anrufe zwischendurch getrübt wurde, was doch schon einiges ausmachte, weil auch mein Chef z.B. darunter war. Hinzu kommt noch, dass ich irgendwie emotional meistens ein wenig verklemmt bin, und es Filme nur ganz selten schaffen, mich emotional extrem tief zu berühren. Das schafften in den letzten Jahren bisher nur -seltsamerweise damals- Three Kings, Schindlers Liste und im letzten Jahr Amelie. Der letzte Mohikaner kommt nicht ganz in diese Tiefe, aber doch sehr nah daran. Im Grunde war es aber wirklich so wie ich oben beschrieben habe, und auch deine Titulierung mit den 7 intensivsten Minuten der Filmgeschichte ist schon sehr sehr nah an der Wahrheit. Nachher war ich einfach wie erschlagen, hatte das unbedingte Verlangen, diesen Film möglichst bald noch einmal zu sehen und bin ausserdem irgendwie gar nicht mehr in der Lage so richtig zu rekonstruieren, was eigentlich so vor diesem Finale stattgefunden hat. Und ich denke das spricht doch ziemlich für sich.
So jetzt wage ich dann noch mal eine kühne Behauptung, die unseren hoch geschätzten Kollegen HdR mal ein wenig aus der Reserve locken soll, damit er sich auch mal hier zumindest kurz äussert. Ich denke, dass sich Der letzte Mohikaner und Braveheart sehr gut vergleichen lassen, und ich bin mir eigentlich mit dem Abstand von einem Tag ziemlich sicher, dass Braveheart bei mir den Kürzeren zieht. Das ist zwar ein wenig vage, da ich in schon ewig und drei Tage nicht mehr gesehen habe, aber ich bin eigentlich ziemlich überzeugt davon, dass er bei mir in den 90er-Bereich fällt. Braveheart fehlt ein solch kräftiges Finale -er hat auch ein sehr gutes aber eben nicht so gut- und auch die Musik ist hier noch einen Tick besser als bei den Schotten. Aber wie auch bei K.Smith ist das noch unter Vorbehalt, da ich ihn einfach noch mal sehen muss um mich da mehr festzulegen.
PS: Es sind ja nicht nur Die Verurteilten, sondern vor allem erwarte ich sehr viel von "Es war einmal in Amerika", der ein Meilenstein meines Lieblingsgenres sein muss. Und hinzu kommt noch "Die üblichen Verdächtigen" - in der Tat sehr exklusiv. Bin von einem Kumpel halt zur Nachbildung zwangsverpflichtet worden, da er es für nicht akzeptabel hält, dass ich so viel in einem kino-Forum bin und Kritiken schreibe, wenn ich soviele Klassiker noch nicht gesehen habe. =) Daher ist er seine Videosammlung durchgegangen und hat mir eine Liste geschickt mit lauter Must-See's. Ausserdem wird er dann noch das unendlich große Reservoir seines Bruders durchforsten und Mitte nächsten Jahres kenne ich dann alle wichtigen Filme der letzten zwei, drei Jahrzente. =) |
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Nidal
04.03.02 - 12:30 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4522 Mitglied seit 12.07.01
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@Hannibal ein Satz hat meine Interesse geweckt: "Hinzu kommt noch, dass ich irgendwie emotional meistens ein wenig verklemmt bin, und es Filme nur ganz selten schaffen, mich emotional extrem tief zu berühren"
Genau darüber mach ich mir in letzter Zeit häufiger Gedanken! Liegt es an mir das ich irgendwie "abgestumpft" bin, oder gibt es einfach nur sehr, sehr wenig Filme die mich emotional bewegen können!? Ich möchte mal zwei Beispiele nennen: 1) "Der Club der toten Dichter" vor Jahren hat mich der Film in meinen emotionalen Grundfesten erschüttert, jetzt da ich den Film letzte Woche gesehen habe musste ich feststellen das der Schluss wirklich einzigartig ist, doch ich war ein Stückchen entfernt mich dem Film vollkommen hinzugeben (OK, ich rede hier von "sich einer Träne verdrücken")
2) "A Beautiful Mind" (kein Spoiler) auch hier ist der Schluss wirlich bewegend, doch ausser einer schwachen Gänsehaut - null Reaktionen! Da stellt sich ja die Frage ob es an den Filmen liegt oder ich inzwischen so eine Art Schutzmauer um mich errichtet habe.
Jetzt noch eine gute Nachricht! Als ich "Der letzte Mohikaner" zum ersten Mal gesehen habe, hab ich durchaus die gute Qualtität erkannt, aber bei weitem noch nicht die Genialität. Doch glaub mir Hannibal, je öfters Du diesen Film siehst umso mehr wird er Dich emotional bewegen! Der Eindrücke werden unheimlich intensiv. Auch ich verspühre wieder eine Lust mich ein viertes Mal von diesem Film verzaubern zu lassen. (diese Woche werd ich wohl stolzer Besitzer eines DVD Players, und meine ersten Filme werden wohl "Braveheart" und "Der letzte Mohikaner" werden)
Da wären wir auch beim nächsten Thema: "Braveheart" Halte Dich mit voreiligen Schlüssen lieber etwas zurück. Ich halte es für einen Fehler das Ende von "Braveheart" als schwächer anzusehen. (ich weiss Du meinst nicht schwach, aber im Vergleich zum Mohikaner schwach) Ich möchte hier aber auch für keinen Film die Partei übernehmen, ich finde Beide grandios! Vielleicht weil Mann´s Film weniger Beachtung erhält schlägt mein Herz für ihn auch etwas stärker! |
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hannibal-der_Lektor
04.03.02 - 19:37 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247 Mitglied seit 23.03.01
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Glückwunsch! Zu der Anschaffung eines DVD-Players kann ich dir nur gratulieren. Aus cineastischer Sicht lohnt es sich wirklich sehr, da man einfach die Filme in besser Qualität als auf Video sehen kann und zudem noch die Bonusmaterialien hat, die bei manchen Filmen wirklich hochgradig interessant sind und manchmal sogar zum besseren Verständnis eines Films führen. Achja, weiss nicht ob dus in der Cinema gelesen hast, aber auf der Memento-DVD wird es wohl tatsächlich die Möglichkeit geben, den Film CHRONOLOGISCH zu sehen. Das fände ich eine hochspannende Sache, da wir uns das schon direkt nach dem Kinobesuch gewünscht hatten.
Die emotionale Abstumpfung... Ich mein, ich hab ja immer noch die Tatsache im Hinterkopf, dass mich Amelie wirklich ein ums andere Mal wieder sehr tief berührt hat und daher gebe ich da auch nicht ganz die Hoffnung auf. Aber generell ist das vielleicht ein Kreuz unserer Generation. Man springt von einer Sache zur nächsten, ohne sich wirklich auf eine Sache speziell einzulassen. Aber um das zu erörtern ist das vielleicht auch nicht ganz der richtige Ort. Vielleicht sollte ich Soziologie studieren, dann könnte ich darüber mein Diplom schreiben, und in ein paar Jahren schreib ich dir dann meine Erkenntnisse... =) (bin grad schwer am grübeln über meine Zukunft, also nicht wundern... *g*)
Ich hoffe, dass mein Bruder noch den Club der toten Dichter ausgeliehen hat, damit ich ihn mir die Tage anschauen kann.
Achja, am 7.3. kommt soweit ich weiss Amelie auf DVD heraus. Da wäre deine Chance. Und am 28.3. kommt er sogar wieder neu in unsere Kinos. Also Augen auf! |
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Nidal
05.03.02 - 14:31 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 4522 Mitglied seit 12.07.01
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@Hannibal Lass uns die Diskussion ein anderes mal fortsetzen, hab heute erfahren das mein Beifahrer aus meiner Zivildienstzeit gestern tödlich verunglückt ist. Wir waren jetzt nicht unbedingt die besten Kumpel´s, aber in den 13 Monaten hat sich doch eine kleine Freundschaft entwickelt.
Ich glaub da wird unser Gespräch über emotionale Abstumpfung etwas überflüssig...
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hannibal-der_Lektor
05.03.02 - 17:50 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247 Mitglied seit 23.03.01
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Klar. Mein Beileid. |
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Zelluloid
12.03.02 - 22:30 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1215 Mitglied seit 16.06.01
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"weitestgehend kitschfreie Liebesgeschichte" Naja. Ich weiß nicht, ob ich das so stehen lassen würde. Vor allem die Beziehung von Uncas und Alice ist nicht ganz ausgegoren. Ein Blick - und schon hat Amor die beiden mit ihren Liebespfeilen getroffen! Und das geht dann so weit, daß sie ihm dann auch in den Tod folgt - wenn das nicht kitschig ist, was ist denn dann Titanic für Dich? Am Rande sei erwähnt, daß es diese Liebesbeziehung im Buch nicht gibt und Alice muß auch nicht sterben. Trotzdem will ich hier keinen falschen Eindruck hinterlassen - ich finde den Film auch absolut großartig! (siehe meine Kritik) |
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hannibal-der_Lektor
13.03.02 - 19:52 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 10247 Mitglied seit 23.03.01
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Okay, ich muss wirklich zugeben, die Tatsache, dass Unkas und Alice sich lieben ist mir beim ersten Sehen gar nicht so stark ins Auge gefallen. Ich war einfach zu gebannt von der Atmosphäre des Films, und bei dem Absturz von Alice war ich einfach insgesamt von dem Finale dermaßen mitgerissen und erschlagen, dass ich das gar nicht als so merkwürdig wahrnahm.
Beim zweiten Sehen war das schon ziemlich anders, da ja doch hier und da diverse Andeutungen bzgl. dieser Beziehung gemacht wurden. Es war in der Tat unausgegoren, aber ich denke, das wurde einfach gemacht um den Faden nicht ganz ins Leere laufen zu lassen, der am Anfang im Hause der Siedler gesponnen wurde. (wir suchen eine Frau für Unkas)
Generell zu dem Vergleich mit dem Buch kann ich -noch- nicht allzu viel sagen, da ich momentan dabei bin den Lederstrumpf komplett durchzulesen, wo ich gerade am Beginn der Mohikaner-Geschichte bin. Aber es zeichnet sich ja schon ab, dass das Original sehr stark im Film verändert wurde. So hat z.B. der einzige Kumpel von mir, der vorher das Buch kannte, den Film für nicht gut befunden, während alle anderen sehr begeistert waren. |
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Zelluloid
17.03.02 - 23:47 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1215 Mitglied seit 16.06.01
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Zum Thema Buch kann ich nur sagen: Ich kenne auch den kompletten Lederstrumpf und Der letzte Mohikaner ist sicher die beste Geschichte (vor Der Wildtöter), allerdings finde ich die meisten Änderungen, die für den Film vorgenommen wurden, gut. Du kannst Dich zu diesem Thema ja mal äußern, wenn Du mit dem Buch fertig bist. |
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