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AUTOR BEITRAG
THEMA: Märchenhaft
1571 mal gelesen - 1 mal empfohlen
LeChuck
Filmkritik:
Empfohlen: Filmkritik wurde 1 mal empfohlen.
28.08.2005 00:08 Uhr
Status: Meinungsmacher
geschrieben: 303
Mitglied seit 20.12.2002
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-


Womit fange ich nun diese Kritik an? Vielleicht nehme ich einfach vorweg, dass ich für "Das wandelnde Schloss" meine ersten 100% bei Kino.de vergebe. Das bedeutet: Für mich ein perfekter Film, an dem es nichts auszusetzen gibt!

Wie bei allen Filmen von Myazaki (die mir bekannt sind), handelt es sich um ein Märchen mit "Hintergrund". Und es stehen, wie bereits aus Mononoke oder Chihiro bekannt, junge Menschen im Mittelpunkt der Handlung.

In "Das wandelnde Schloss" wird die junge Hauptfigur Sophie jedoch zuerst mit einem Zauber in eine alte, gebrechliche Dame verwandelt. Für das Mädchen, welches ohnehin ein Mauerblümchendasein fristet, beginnt damit eine Reise in ein neues Leben und eine fremde Welt. Sie findet Zuflucht bei dem Zauberer Hauro, der mit einer Art überdimensionalen Monster-Wohnmobil, eben dem titelgebenden Schloss, durch die Lande reist. Sie bildet bald ein festes Mitglied der Hausgemeinschaft, die noch eine stume Vogelscheuche, einen kleinen Jungen und einen Feuerdämon umfasst. Gemeinsam werden alle Figuren in einen Krieg mit eingezogen, der das Land erschüttert.

In der Rahmenhandlung zieht Myazaki nun viele einzelne Geschichten auf. So ist "Das wandelnde Schloss" gleichzeitig Liebes- und Antikriegsfilm, Fantasymärchen und Komödie, Heimat- und Actionfilm. Und das Überraschende ist, dass das wunderbar funktioniert. Der Film entführt den Zuschauer in eine fremde und doch vertraute Welt, in der alle Hauptpersonen schicksalhaft miteinander verbunden sind.

Angesiedelt ist die Handlung in einem Märcheneuropa zu Beginn des letzten Jahrhunderts, allerdings mit teils fortschrittlicherer Technik. So fliegen vermehrt Kriegsmaschinen durch die Luft und eine hochgerüstete Armee bietet alles auf, was die moderne Kriegsführung zu bieten hat.
Das Land und die Kriegssituation sind sehr stark an Detuschland kurz vor Beginn der Weltkriege orientiert. Myazaki will vermutlich aber auch die Situation in Japan vor Kriegsbeginn reflektieren.
Die kriegerischen Handlungen nehmen dann auch einen großen Teil des Films ein. Zu Beginn läuft das Entsetzlich noch kaum sichtbar ab. Menschen jubeln den marschierenden Soldaten zu, und der Zauberer Hauro versucht sich der allgemeinen "Wehrplicht" für Magier durch Trickserei zu entziehen. Mit der Dauer jedoch dringt der Krieg in das Leben aller Personen ein und spätestens wenn Sophies Heimatstadt von Bomben getroffen wird, kann sich niemand mehr dem Schrecken entziehen.

Beinahe alle Figuren des Filmes machen in diesen Zeiten Verwandlungen durch. am offensichtlichsten sind die äußerlichen Veränderungen. Fast jede Figur nimmt über die Dauer mindestens zwei verschiedene Gestalten an und auch innerlich schlagen sich diese Änderungen nieder.
So wird aus der schüchternen Sophie eine resolute Dame, die den Haushalt im Schloss übernimmt. Hauro wandelt sich von einem eitlen Feigling in einen mutigen Kämpfer, die alte Hexe, der Sophie den Fluch zu verdanken hat, gerät irgendwann zur harmlosen Großmutter usw.

Und somit wären wir bei den Stärken von "Das wandelnde Schloss". Zuerst einmal wäre da die überbordende Fantasiewelt Myazakis, die allein schon den Film tragen würde. Mit unheimlich vielen Details schafft es "Das wandelnde Schloss" einen immer wieder zu überraschen. Die Szenerien reichen von Heidilandschaften (eben Miyazaki grin) über imperiale Hauptstädte bis hin zu alptraumhaften Kriegsschaupläten und jeder neue Handlungsort zieht einen in seinen Bann! Dabei sind sowohl Schauplätze als auch die Figuren immer mit einem doppeltem Boden versehen. Hinter jeder grünen Alm lauert ein Kriegsschiff und hinter fröhlichen Menschen ein dunkles Geheimnis. Nichts ist im Laufe des Films wirklich von Dauer und mit das Faszinierendste ist es zu sehen, wie die Haupfiguren sich immer neuen Herausforderungen stellen müssen.

Nebenbei schafft es Miyazaki, und das ist die zweite Stärke des Films, wunderbare Botschaften fast beiläufig unterzubringen. Er erzählt vom Erwachsenwerden und davon wie man Verantwortung übernehmen kann. Davon, wie man zu einem starken Menschen heranwachsen kann, wie man seinen Feinden vergibt und zu guter Letzt davon, wie die Liebe den Hass überwindet. Letzteres ergibt zugegebenermaßen ein "Love conquers all" Edelkitsch Filmende, aber dennoch so grandios umgesetzt, dass es einen zu Tränen rührt.

Zusammengefasst gesagt: Für mich der beste Film des Jahres und uneingeschränkt empfehlenswert. Alle denen "Chihiro" zu sehr ein Kinderfilm war sei versichert: "Das wandelnde Schloss" bietet wieder mehr Hirnfutter für Erwachsene und ist unterhaltsamer als sämtliche Hollywood Blockbuster der letzten Monate.
Shailiha
28.08.05 - 00:18 Uhr
Ich glaub´nach dieser Kritik werd ich mir den Film jetzt doch angucken. War mir nämlich überhaupt nich sicher, da ich viele schlechte Kritiken darüber gelesen hab und mir persönlich Prinzessin Mononoke viel besser gefallen hat als Chihiro. Daher wusste ich nicht so genau ob ich in "Das wandelnde Schloss" gehen soll.
Werd´s jetzt tun ;) Mal sehen, wann hab ich Zeit? *grübel* ;)
LeChuck
28.08.05 - 09:31 Uhr
Status: Meinungsmacher
geschrieben: 303
Mitglied seit 20.12.02
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Ich fand "Das wandelnde Schloss" besser als Chihiro. Letzterer war zwar gut, aber ich konnte die Geister- und Dämonenwelt in Chihiro teils nicht so gut verstehen.
Dämonen, Hexen und Zauberer kommen zwar auch in dem neuen Miyazaki Film vor, jedoch spielt das Ganze in einer Welt, die mehr Bezug zur Realität hat.

Du kannst mir dann ja mal deine Einordnung von "Das wandelnde Schloss" im Vergleich zu Mononoke und Chihiro mitteilen, sobald du ihn gesehen hast.
Meine Rangliste:
Platz 1: Mononoke (knapp vorn, also mit 100,5% grin)
Platz 2: Das wandelnde Schloss
Platz 3: Chihiro
Platz 4: Die Heidi Fernsehserie grin
haittori
06.09.05 - 00:10 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 10
Mitglied seit 11.08.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Deine Kritik zum Wandelnden Schloss muss ich mit 100% bestätigen!
Ich finde den Film ebenfalls sehenswert! Ich habe nicht erwartet, dass ein so großer Miyazakifilm entstehen könnte. Da mir Chihiros Reise gefallen hat, wollte ich den neuen Film Miyazakis nicht verpassen. Und mal ehrlich: Der Film ist jenseits unserer Vorstellungen! Der Trickfilm war so zauberhaft und phantasiereich, dass ich mir gedacht habe, Hollywood wird diese Effekte und Szenerien des Films irgendwann einmal visuell kopieren! Dadurch dass Miyazaki sich an die traditionelle Kunst des Animes gehalten hat, macht es den Film noch wertvoller!
haittori
06.09.05 - 00:21 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 10
Mitglied seit 11.08.04
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
Ich konstruiere auch mal meine Rangliste zu Miyazaki
1. Das wandelnde Schloss
2. Prinzessin Mononoke
3. Chihiros Reise ins Zauberland
Heidi habe ich nie geguckt. Ich war immer vom Anfangslied abgeschreckt!
Ithryn
11.09.05 - 03:32 Uhr
Status: Neuling
geschrieben: 4
Mitglied seit 23.08.05
Also, bevor ich deine HAMMER Kritik gelesen hatte wahr ich schon ziemlich frustriert, jetzt kurz vorm heulen :(

Ich will den Film unbedingt auch sehen! Aber wie schon gesagt, er läuft in meiner Gegend nicht...

Deine Kritik ist sehr gut geschrieben und man bekommt noch viel mehr Lust zu den Film zu sehen :)

Danke
Jane2
11.09.05 - 08:54 Uhr
Status: Kinogänger
geschrieben: 7
Mitglied seit 23.09.03
Um es vornegweg zu nehmen, von diesem Film habe ich mehr erwartet, als schliesslich geboten wurde: Heidi heißt jetzt Sophie.
Es fällt manchmal schwer, den verschiedenen aufgezeigten Handlungssträngen des Films zu folgen. Die Verknüpfungen der Stränge untereinander sind nicht immer klar gezeichnet.
Final ist die Geschichte mit einer oberflächlichen Allerweltsmoral versehen - Liebe versetzt Berge und kann sogar Kriege beenden - was man sonst eher aus den Disney-Produktionen kennt und für die Myazaki nicht unbedingt bekannt ist; denn durch ihre Liebe schafft es Sophie zuletzt nicht nur, sich von dem Fluch der Hexe zu befreien, sondern auch die Welt vor einer vollständigen Zerstörung zu bewahren.
LeChuck
13.09.05 - 13:27 Uhr
Status: Meinungsmacher
geschrieben: 303
Mitglied seit 20.12.02
E-Mail-Verfolgung eingeschaltet
@Ithryn: Danke für die Blumen
@Jane2: Ich kann die Gründe, warum einige den Film nicht mögen, nachvollziehen. Mich persönlich hat die Phantasie des Films und seine Art eine Geschichte eher "nebenbei" zu erzählen sehr fasziniert.
Wenn man hingegen eine klassisch stringente Handlung erwartet ist klar, dass man enttäuscht sein kann.
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