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THEMA: Extravagant, und wie...
91 mal gelesen
Dark Lord
Filmkritik:
07.02.2010 21:01 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 1481
Mitglied seit 23.03.2006
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-


Das Kabinett des Dr. Parnassus
Kinostart: 07.01.2010
Darsteller: Christopher Plummer, Heath Ledger, Lily Cole, Andrew Garfield, Tom Waits, Colin Farrel, Jude Law, Johnny Depp, Verne J. Troyer
Regie: Terry Gilliam
Verleih: Concorde


Inhalt:
Ein alternder Gaukler (Christopher Plummer) geht einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits) ein. Er wird unsterblich und wieder jung und kann eine bezaubernde Dame für sich gewinnen. Doch dies hat einen hohen Preis, denn die Zahlung dafür ist, dass all seine Kinder ab dem sechzehnten Lebensjahr dem Teufel gehören werden. Mit Bevorstehen des 16. Geburtstages seiner Tochter Valentina (Lily Cole) schlägt ihm der Teufel einen neuen Pakt vor. Wer zuerst fünf Seelen für sich gewinnen kann, erhält Valentina zum Preis. In dieses Geschehen tritt dazu noch der junge Tony (Heath Ledger), dessen Vergangenheit zwielichtig zu sein scheint.

Hintergrund:
Terry Gilliam präsentiert Heath Ledgers nun endgültig allerletzten Film, der nur unter Mithilfe von Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrel zustande kommen konnte, da jeder jeweils eine Traumsequenz fertig stellen musste, da Ledger während des Drehs verstorben war. Die Zuschauer überzeugte der Streifen aber eher nicht, da man mit einem Budget von 30 Mio. Dollar weltweit gerade mal 49 Mio. einspielen konnte.

Kritik:
Zuvor hatte „The Dark Knight“ den Bonus Ledgers letzter Film gewesen zu sein. Doch nun kommt mit „The Imaginarium of Doctor Parnassus“ der wahre letzte Film des Mimen in die Kinos und auch nur weil seine Freunde Depp, Law und Farrel seine Darstellung komplettiert haben. Was Terry Gilliam, der Ex-Monthy Python-Star daraus gemacht hat, ist jedoch nicht wirklich ein Meisterwerk geworden, was Ledger nach der tollen Darbietung in „The Dark Knight“ eigentlich gegönnt gewesen wäre.

So verzettelt sich Gilliam komplett in der Erzählweise seines Streifens. Die Handlungsfäden wirken wahllos aneinander gestrickt und der komplette Film wirkt wirr in der Inszenierung. Sprunghaft wird mit einem zähen Erzählstil versucht, eine schlüssige Story zu erzählen, doch dies gelingt kaum. Nicht nur, dass man eine verdammt langatmige Inszenierung vorgesetzt bekommt, man muss auch lange überlegen, was das Ganze überhaupt soll. Verworrenes Geschwafel eines sturzbetrunkenen Mannes führen langsam in eine sehr abstruse und wirre Geschichte ein, was jedoch immer wieder unterbrochen wird von traumartigen Zwischensequenzen im Kabinett genau diesen Mannes, Dr. Parnassus. Im Endeffekt hat dieser Mann eben im Inhalt beschriebenen Pakt mit dem Teufel geschlossen und ist im Folgenden immerzu nur am Jammern und Heulen und Saufen. Dann kommt der Teufel eben und schlägt ihm den neuen Pakt vor und nun geht das Ganze fröhlich weiter.
Dazu kommt noch ein Junge namens Tony, gespielt von Heath Ledger, der sich der Gauklertruppe um Parnassus anschließt und ihm eben diesen Pakt oder eher die Wette, vor dem Teufel 5 Seelen zu gewinnen, für sich zu entscheiden.

Im Verlauf dieses Wettstreites wechseln sich Traumsequenzen und Realität ab, wobei irgendwann vollkommen der Handlungsstrang verloren geht. Alles ist vollkommen chaotisch und nichts ist wie es scheint. Eben der wirre Verstand eines wirren Mannes. Das kann man dem Film noch gut ankreiden, er hat es vollkommen verstanden dieses Chaos darzustellen, mit dem traurigen Ergebnis, dass der Zuschauer vollkommen die Lust verliert.
So plätschert dieses Werk dann nur so hin. Ledger wird dabei zu Depp, Depp zu Ledger, Ledger zu Law, Law zu Ledger und Ledger zu Farrel. Klar so weit? Das Beste daran ist, dass Realität und Traum ab der Farrel-Episode vollkommen verschwimmen und man überhaupt nicht mehr das eine von dem anderen unterscheiden kann. Spätestens dann ist das Chaos perfekt und man fragt sich bestimmt nicht zum ersten Mal, was das alles nur soll. Dann ist der Film zu Ende und die Frage ist immer noch ungelöst. Was sollte das Ganze?

Meine Erklärung dazu ist, dass ein vollkommen mit der Situation überforderter Gilliam mit aller Macht versucht hat, seinen Film fertig zu stellen und dabei so einiges aus den Augen verloren hat. Mag ja alles seine künstlerische Freiheit haben, aber mir hat dieser „Trip“ wirklich keinen Spaß bereitet und um ehrlich zu sein, hätte ich mir lieber etwas anderes anschauen sollen.

Ich will kurz noch auf die Darsteller eingehen. Christopher Plummer überzeugt als vollkommen wirrer alter Mann, der zunehmend wie ein Penner umher kriechend perfekt in die Szenerie passt. Ledger selbst sehe ich da eingereiht hinter Depp, der für mich am besten agierte und den einzigen vorzeigbaren Part des Films begleitet, vor Farrel, der als selbstsüchtiger und vollkommen verkommener Gauner brilliert und auch vor Law, der mir etwas blass blieb als vollkommen besessener Knallkopf. Dazu fügen sich die Nebendarsteller in die Gesamtszenerie ein, wobei im gesamten Film keine wirklich außergewöhnlichen Darstellerleistungen anzufinden sind. Nicht schlecht, aber auch nicht außergewöhnlich. Solide eben und auf jeden Fall ein positiver Aspekt des Films.

Ein weiterer positiver Aspekt des Films ist die Optik in den Traumsequenzen. Hier wechseln sich wunderschöne Traumwelten mit surrealen Passagen ab und geben sich ein ausgewogenes Gleichgewicht. Außerdem bietet sie einen herrlichen Kontrast zur trist gehaltenen Außenwelt.

Fazit:
Alles in allem optisch und schauspielerisch überzeugender aber vollkommen wirr erzählt und konstruierter Genrefilm, der einfach keinerlei Bindung zum Zuschauer eingeht, der sich spätestens nach einer Stunde entnervt im Kinosessel windet.




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Blicke in die Finsternis, und du wirst dich in ihr wiederfinden.
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