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THEMA: Lost Control
1339 mal gelesen
- 1 mal empfohlen
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Thorongil
Filmkritik:
Empfohlen:
09.01.2008 00:27 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357
Mitglied seit 13.09.2004 |
-= Achtung SPOILER: dieser Beitrag verrät etwas über den Inhalt des Films! =-
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Lost Control
Control
(GB 2007)
60%
Ein rechtzeitiger Tod ist der Freund des Musikers. Das zumindest liegt nahe, wenn man sich die Karrieren und die Berühmtheit einiger Musiker ansieht. Ganz so ist es natürlich nicht. Gewaltigen Einfluss hat auch die Musik, die der Künstler vor seinem Ableben produziert hat. Im Falle von Joy Division, deren Sänger Ian Curtis in Control porträtiert wird, kommt hinzu, dass aus der Band nach dem Tode Curtis` New Order hervor gingen, die den Namen Joy Division erst bedeutsam machten. Nun weiß man freilich nicht, was aus Joy Division ohne die tragischen Ereignisse um Curtis noch geworden wäre. Eigentlich handelt es sich bei Joy Division um eine Art Eintagsfliege, die eben den großen Hit Love Will Tear Us Apart landeten und es auf eher magere zwei Alben schafften.
Ein Fan von Joy Division war der Anton Corbijn, der angeblich wegen der Band nach Manchester zog und Musikerfotograf wurde. Später drehte er Musikvideos für viele bedeutende Künstler. Nun wagte er sich an ein Porträt von Ian Curtis und bekam Unterstützung von dessen Ex-Frau und seiner Geliebten. Eine ziemlich genaue Rekonstruktion der Ereignisse schien also gewährleistet. Man fragte sich, ob die filmische Umsetzung interessant würde.
Corbijn drehte in Schwarz/Weiß. Seine Bilder zeugen von fotografischem Können. Jede Einstellung ist fantastisch anzusehen. Man könnte meinen, es wurden einfach Fotografien zu einem Film zusammengesetzt. Der Film sieht wirklich gut aus. Das Gehirn verbindet mit den S/W-Aufnahmen automatisch etwas Historisches und teils auch Düsteres, was eine ganz spezielle Atmosphäre schafft, die der Musik von Joy Division relativ nahe kommt. Zumindest optisch ist Corbijn nichts vorzuwerfen.
Dem Film fehlt es aber an Substanz. Die eigentliche Bandgeschichte gibt nicht viel her, bei der Beschreibung des Seelenlebens von Curtis konnten die Macher nur spekulieren. Es war nie wirklich klar, was in Curtis vorging, warum er sich letztendlich umbrachte. In dieser Hinsicht bringt auch das Drehbuch auf der Handlungsebene nichts Neues. Einzig und allein Curtis-Darsteller Sam Riley ist es zu verdanken, dass man eine Bindung zur Hauptfigur bekommt. Der hervorragend besetzte und brillant agierende Riley sieht nicht nur Curtis verdammt ähnlich, er verschafft seiner Figur auch so etwas wie emotionale Tiefe. Ähnliches kann man von Alexandra Maria Lara leider nicht behaupten. Sie spielt die Freundin von Curtis und darf nicht mehr, als ihm schöne Augen zu machen. In den mit Piepsstimme vorgetragenen Dialogen zwischen den Beiden herrscht Substanzlosigkeit und emotionale Tristesse. Überhaupt scheinen die Dialoge aus dem Katalog für Daily Soaps entnommen zu sein. Hier macht sich Corbijn einiges kaputt, was er sich technisch aufgebaut hat. Ebenso trüben einige erzählerische Längen den Gesamteindruck.
Control ist optisch sehr gut umgesetzt, kann auf emotionaler Ebene aber nicht das halten, was er mit seinem Titel verspricht, nämlich den Kontrollverlust seiner Hauptfigur spürbar zu machen. Als schön anzusehendes Künstlerporträt mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller taugt der Film allemal. Wer sich weder für die Musik noch für schöne S/W-Bilder interessiert, kann sich den Film getrost sparen. |
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H. Dorfmann
09.01.08 - 12:18 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857 Mitglied seit 13.02.05
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Oha, das klingt wenig berauschend - dabei freue ich mich doch seit Dons Begeisterung vor einigen Wochen sehr auf den Film, nicht zuletzt weil für mich JOY DIVISION eben weit mehr als der v on dir angesprochene Hit "Love will tear us apart" ist.
Ich war auch der Meinung, der Film sei eher in Richtung Dokumentation angelegt, deine Beschreibung klingt aber mehr nach Interpretation und reinem Spielfilmmuster, was ich eher schade finde, da gerade dort - wie wir zuletzt mehrfach an unterschiedlicher Stelle festgestellt haben - sehr frei eine bestimmte Sichtweise / Meinung als Tatsache verkauft wird.
Werde den geplanten Kinobesuch wohl nochmal überdenken, wobei ich schon gerne wüsste, ob es denn nun neue Einblicke gibt oder nicht... |
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LetThemEatCake!
09.01.08 - 14:07 Uhr
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Ich stimme Thorongil zu, was die ästhetischen Aspekte des Films angeht. Was aber die Porträtierung des Curtis angeht, widerspreche ich ihm. Die war nämlich menschlich nämlich nachvollziehbar (sowohl was Schauspiel, aber auch was die Konzeption dieser Figur angeht) -- wenngleich ich nun nicht gerade berührt war. Ist halt ein recht unspektakulärer Film, der hier eine Geschichte mit nur wenigen Höhepunkten erzählt und seinen Figuren auch nicht gerade prickelnde Dialoge in den Mund legt. Kann man mögen oder nicht mögen. |
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Thorongil
09.01.08 - 16:17 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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@ Dorfmann
So richtigen Zugang zur Musik von Joy Division habe ich vielleicht noch nicht gefunden. Nichtsdestotrotz kann ich den Film aus filmtechnischen Gründen beurteilen. Er muss ja auch für Nichtfans funktionieren. Eine Dokumentation ist er m.E. nicht. Der Info-Gehalt ist sehr dünn wie die Geschichte überhaupt.
@ Cake
Schrieb ich das nicht so ähnlich? |
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LetThemEatCake!
09.01.08 - 18:05 Uhr
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Nein, wir meinen teilweise unterschiedliches in Bezug auf die Bewertung von Figurenzeichnung und Narration.
Erstmal fand ich die Figur Curtis im Gegensatz zu Dir menschlich nachvollziehbar und verständlich in allen Belangen (wenn auch nicht berührend, aber das sollte sie ja auch gar nicht sein). Zweitens habe ich anders als Du Verständnis dafür geäußert, dass diese recht unspektakuläre Geschichte erzählt wird vom Film und finde sie im Gegensatz zu Dir auch nicht "substanzlos". Das Einzige, in dem wir beide übereinstimmen, sind die wirklich nicht prickelnden Dialoge. "Ian, I'm a little scared." -- "Scared of what?" -- "Scared of falling in love with you." Und das ist ja noch der harmloseste. Was da manchmal gesprochen wird in diesem Film, ist an unfreiwilliger Komik nicht zu überbieten. Ach ja, und diese Lara Maria (oder wie auch immer diese deutsche Vorzeigeschnepfe heißt) kann absolut nix.
P.S.: Ich finde übrigens nicht, dass die S/W-Bilder "historisch" oder "bedrohlich" wirken, sondern einfach transportieren sollten, wie Curtis die Welt sieht. |
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Thorongil
09.01.08 - 22:16 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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@ Cake
Auf mich haben die Bilder schon historisch (Biopoc) und düster (nicht bedrohlich!) gewirkt. Richtig, letzteres spiegelt Curtis` Seelenleben wider. Ich gestand auch Riley zu, dieses Seelenleben vernünftig zu transportieren. Er ist für mich der Lichtblick des Film. Nur vom Inhalt war ich eher enttäuscht, weil er für mich tatsächlich "substanzlos" ist. Ich habe nicht erkannt, was da jetzt "typisch Joy Division" sein soll. Es wirkte eher wie ein Stück aus dem Bandbaukasten. Also dennoch: Weitestgehende Übereinstimmung, Cake! |
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dersneaker
10.01.08 - 13:33 Uhr
Status: Neuling
geschrieben: 5 Mitglied seit 10.01.08
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Nun, allein wegen der Musik lohnt es sich schon in diesen Film zu gehen.
Obwohl er ab und an wirklich senie Längen hat, wird man im wahrsten Sinne des Wortes wirklich in eine andere Welt und eine andere Zeit entführt.
Außerdem war es mal wieder schön, wunderschön fotografiertes Schwarz-weiß auf der Leinwand zu sehen. |
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H. Dorfmann
10.01.08 - 14:10 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857 Mitglied seit 13.02.05
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@Thorongil
Auch wenn Dich der Film nicht so recht packen konnte: eine Aufarbeitung der Musik von Joy Devision ist allemal angeraten, da gibt es nämlich wirklich großartige Stücke! |
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Thorongil
11.01.08 - 00:23 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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Wenn ich jetzt noch sage, dass mir NEW ORDER auch nicht sonderlich gefällt, brauch`ich mich hier gar nicht mehr blicken lassen, darum lasse ich es lieber ... |
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H. Dorfmann
11.01.08 - 00:29 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857 Mitglied seit 13.02.05
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Thorongil - SIE SIND RAUS! |
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Thorongil
11.01.08 - 00:32 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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Aber, wieso DAS denn? Immer diese Gesinnungsguerilla ... |
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H. Dorfmann
11.01.08 - 00:33 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857 Mitglied seit 13.02.05
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Gedankenpolizei - wenn schon, dann GEDANKENPOLIZEI! |
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Descartes danse
11.01.08 - 01:01 Uhr
Status: Insider
geschrieben: 3730 Mitglied seit 01.02.07
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Zu den Dialogen:
Ja, sie sind schal und man erwartet sich bisweilen ein bisschen mehr Tiefe in dem, was Curtis so erzählt.
Aber es ist doch wurscht! Ein grandioser Liedermacher -Jacques Brel- zerfetzt einem in "Orly" das Herz bei einer Trennungsszene, deren Dialog sich wie folgt liest:
"Il doit lui dire je t'aime.
Elle doit lui dire je t'aime
Je crois qu'il sont en train
De ne rien se promettre
...
Tout encastrés qu'ils sont
Ils n'entendent plus rien
Que les sanglots de l'autre"
Bei einem anderen -gar nicht mal so schlechten- Chansonier ...Michael Heltau... hört sich die Bearbeitung von Orly so an:
"Er sagt "Ich liebe dich"
und sie "Ich liebe Dich"
Und was man da noch sagt.
Ach Gott, ist's nicht egal
Und hilflos und banal?
Denn die zwei hören nichts
Als das Schluchzen des Anderen."
Und wozu braucht Corbijn noch grossartig Dialoge schreiben für zwei Beziehungen, die ohnehin sprachlos und (leider!) incommunicando sind, wenn er die Texte von Joy Division hat, die er fast wie ein Libretto einsetzen kann?
Ja! Ganz klar, dass der Dialog zwischen Ian und Debbie, nachdem er mit Annik unterwegs war und ihn das Gewissen plagt, richtig weh tut.
Aber er tut nicht (nur) weh, weil er sîmpel und schlecht geschrieben ist, sondern weil er so ein furchtbares Beispiel von Kommunikation ist, die schon gar nicht mehr stattfinden kann. Curtis kriegt beim Reden kaum mehr die Vokale oder die Lippen auseinander...
"Willst mit andern Männern schlafen? Weil... für mich wär's okay."
"Meinst du das ernst? Wenn du sowas zu mir sagst, meine ich fast, du liebst mich nicht mehr."
"Das tue ich glaub' ich auch nicht..."
Das war der NON-Dialog. Was er sagen will kommt dann in der nächsten Szene. Nämlich
When the routine bites hard
And ambitions are low
And the resentment rides high
But emotions wont grow
And were changing our ways,
Taking different roads
Then love, love will tear us apart again.
In ähnlicher Weise übernehmen Curtis' Texte bei "She's Lost Control" und "Isolation" seine eigentlichen Dialoge. |
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Thorongil
13.01.08 - 15:03 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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@ Descartes
Ja, einerseits kann man Inhalt auch mit der verwendeten Musik erzählen, doch da nutzt Corbijn m.E. die Möglichkeiten nicht. Andererseits sind solche Liebesdialoge tatsächlich in der Realität meist sogar noch dämlicher als im Film. Doch mal im Ernst, ich kann gern auf Realität im Film verzichten, die habe ich ja schon daheim! Da fordere ich einfach von einem Filmemacher, dass er seine Geschichte möglichst interessant umsetzt und nicht möglichst realitätsnah.
Mit der Musik von Joy Division kann ich beim besten Willen nicht viel anfangen. Sie ist mir zu eintönig, zu geradlinig und daher langweilig. Das Gefühl, was die Musik erzeugt, gefällt mir nicht. Da mögen die Texte noch so stark sein. |
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Ubob
14.01.08 - 11:09 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 690 Mitglied seit 29.12.02
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Ich kann die Meinung nicht teilen - aber ich bin auch zugegebenermasen Fan der Band.
@Thorongil: Eintönig klingt die Musik nur für Leute, die eher kommerzielle Hörgewohnheiten haben. Für mich klingt das Radioprogramm langweilig. Wenn jemand von einem Musikstil nicht angezogen wird, sondern eher eine Abneigung gegenüber den Songs entwickelt, dann kann er natürlich auch zum Sänger keinen Bezug aufbauen, der durch die songs ein Ventil findet.
Ich denke auch nicht, dass sich die Liebes- und Lebensgeschichte des Ian Curtis aus dem Kontext reissen lässt. es ist klar, dass man daran dann keinen Gefallen findet.
Deshalb habe ich mir Filme wie "RAY" nicht angeschaut, weil mich die Musik und auch somit der Musiker nicht interessierte. Andere Liga eben, aber darum nicht unbedingt schlecht, nur weil ich mit RAY nichts anfangen kann.
Joy Division waren auch kein One-Hit-Wonder, da diese Band keine typische Singles-Band war. Der Ansatz ist falsch. Frank Zappa wäre demnach ja auch ein One-Hit-Wonder gewesen. (Bobby Brown) |
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Thorongil
14.01.08 - 11:27 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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@ Ubob
Was heißt, das Radioprogramm klingt langweilig? Habt Ihr bei Euch nur einen Sender? Hier in Berlin wird so ziemlich jeder Geschmack bedient. Klar, vieles ist sogenannte Chartmucke, doch gibt es einige durchaus hörbare Sender abseits des Mainstream.
Ein Biopic MUSS für mich auch für Nichtfans funktionieren. Ich fand die Figur des Ian Curtis auch interessant, das "Umfeld" hat mir aber nicht gefallen. Das hat mir den Zugang zum Film etwas verhagelt. Ich kenne die zwei Studioalben von Joy Division und finde, dass es dort verschiedene äußerst interessante musikalische Ansätze gibt. Ich brauche aber mehr Melodie in der Musik, um sie wirklich zu mögen.
Ich warte ja noch auf einen Seher, der die Musik richtig schlecht findet und den Film toll ... |
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Ubob
14.01.08 - 12:35 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 690 Mitglied seit 29.12.02
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Siehste Du! So wie für Dich diese Band unzugänglich und trist ist, kann ich auf die meisten Radiosender und Ihren aufgesetzten Gute-Laune-Moderatoren verzichten.
Noch mehr Melodie in der Musik als bei Joy Division? Wie gesagt, als Nebenbeigedudel im Radio taugt das eben nicht. Dafür hälts länger. Aber musik ist wie gesagt Geschmackssache. Ich hatte nur den Eindruck, dass sich der fehlende Zugang zur Musik auch auf den Film übergeschlagen hat.
Ich sehe das mit dem Film anders. Ich vergleiche es nochmals mit Musikern, die mich nicht interessieren. Man KANN eben oft Musik und den WAY OF LIFE eines Musikers nicht trennen! Wer die Musik nicht mag, der interessiert sich wohl kaum für das Umfeld und die Ursachen, die eine solche Musik entstehen lassen.
Der Film RAY kann noch so toll sein - die Musik interessiert mich nicht und die Person des RAY interessiert mich auch nicht. Ich habe GREAT BALLS OF FIRE gesehen und so wie ich die Musik von Jerry Lee Lewis nicht sonderlich interessant finde, so uninteressant fand ich auch den Typen und seinen Mikrokosmos.
Musik schlecht finden und Film toll? Hmmm...wäre interessant.
Letztendlich ist die Musik aber hier das Resultat des Lebens von Ian Curtis. Bei vielen Künstlern spiegelt sich Ihr Leben nicht in der Musik wieder. Sie schreiben songs routiniert und es ist Ihr Arbeitsalltag. Das war hier jedoch nicht der Fall. |
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timo.benz
16.01.08 - 15:00 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 6631 Mitglied seit 20.01.03
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Und wozu braucht Corbijn noch grossartig Dialoge schreiben für zwei Beziehungen, die ohnehin sprachlos und (leider!) incommunicando sind, wenn er die Texte von Joy Division hat, die er fast wie ein Libretto einsetzen kann?
Danke, Decartes. Du sprichst mir aus der Seele. Mich hat der Film übrigens teilweise schon emotional berührt. Es tut verdammt weh zu sehen, wie Cutis es einfach nicht schafft seine Sprachbarriere im richtigen Leben zu durchbrechen. Wir als Zuschauer bekommen immer im richtigen Moment die Antwort auf unsere Fragen, wenn der nächste Song einsetzt. So viel Glück haben die beiden Frauen nicht. Und das tut weh. Und doch ist das alles verständlich. Curtis war ja fast noch ein Kind. Er ist völlig überfordert mit allem was um ihn herum passiert. Das ist nicht cool, das ist nicht arschig – das ist halt menschlich.
Hatte ich erwähnt wie toll ich das Shadowplay Cover von THE KILLERS finde? Habe mir eben in der Pause gleich den Soundtrack zugelegt. |
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Thorongil
16.01.08 - 15:23 Uhr
Status: Citizen Kane
geschrieben: 5357 Mitglied seit 13.09.04
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Also steht und fällt der Film doch in gewissem Maße mit der Musik. Alle "Fans" des Films sind auch Fans der Musik. Ich habe mich nach Sichtung des Filmes etwas mit der Musik von Joy Division beschäftigt. Ich komme nicht zurecht damit. Das klingt für mich alles nach ewiger Strophe ohne Refrain. Eine musikalische Steigerung ohne Höhepunkt, die mich irgendwie unbefriedigt zurück lässt. Das ist wahrscheinlich auch das Gefühl, was die Musik auslösen soll und was auch zu den Texten passt. Ich mag es aber nicht. So nehme ich also auch den Film als Film, der zwar in vielen Bereichen gut gemacht ist, mich aber nicht wirklich komplett überzeugt. |
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Ubob
17.01.08 - 14:10 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 690 Mitglied seit 29.12.02
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Ich sehe das etwas anders.
Auch wenn alle Fans des Films auch Fans der Gruppe sind, so steht und fällt der Film aber nicht mit der Musik. MAn kann es einfach nicht aus dem Kontext reissen.
Viele Fans der Gruppe sind auch mit der Grundstimmung des Filmes vertraut, interessieren sich für den Menschen Ian Cutis.
Es ist manchmal wie ein WAY OF LIFE. Wenn ein Sänger wie Morrissey zum Beispiel es schafft seine Lieder und Texte so zu schrieben, dass viele Fans das Gefühl haben, der Song wäre nur für Sie persönlich geschrieben, dann interessiert man sich auch für den Menschen, der diese Songs schreibt. Was Ihn bewegte, welches Umfeld er hatte. Es ist vielleicht wie ein Bruder im Geiste. So ist das auch hier etwas.
Für mich haben auch alle Joy Division Songs ganz tolle Refrains!
Aber wie erwähnt: Wenn Dir der Zuganzg zur Musik fehlt, dann fehlt Dir vielleicht auch der Zugang zu diesem doch sehr speziellen Mikrokosmos.
Es ist eben schon ein bisschen wie eine andere Welt. |
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H. Dorfmann
17.01.08 - 14:40 Uhr
Status: Filmexperte
geschrieben: 2857 Mitglied seit 13.02.05
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Bin noch mal in mich gegangen und würde mich auch eher an die Sichtweise von Ubob und Descart anlegen - bin freilich auch nicht unbelastet, da ich ja zu der besagten Gruppe gehöre, die die Musik von Joy Division lieben.
Seltsam daran ist aber folgendes: obwohl mich die Lieder im Film erneut fasziniert haben, ich sie als geniale Ergänzung und phantastisch eingesetzt empfunden habe war dies nur eine Randnotitz! Viel mehr hat mich die darstellerische Leistung, das perfekte Timing und die schier unfassbare Bildkomposition beeindruckt - genau DAS macht für mich CONTROL letzten Endes aus, vor allem weil ich glaube, das hier seitens Regie und Produzententeam wirklich KEIN knapp 2 Stunden Musikclip gezeigt werden sollte. Der Focus liegt dafür einfach viel zu deutlich auf dem Innenleben und auch wenn wir uns alle einig sind das Musik als Stilmittel im Film grandioses hervorbringen kann, so funktioniert es alleine da |