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THEMA: In weiter Ferne, so nah
658 mal gelesen
Noch'n Doc
Filmkritik:
13.03.2006 09:21 Uhr
Status: Kritiker
geschrieben: 362
Mitglied seit 23.05.2002
Spoiler!

Eine Welt der zerstörten Umwelt und der genmanipulierten Menschen – und Beziehungen. Futuristische Städte (alles Originalschauplätze!) und öde Landstriche. In ersteren wohnen die Privilegierten und Fügsamen, in letzteren der Rest. Intakte Natur gibt es nicht. Die Sprache der Menschen ist übersät mit Einsprengseln aus dem Arabischen, Französischen, Spanischen. Eine Welt, aber kein Zuhause. Versicherungsgesellschaften regeln das Leben.

Normale Geburten gibt es kaum noch, die meisten Menschen sind geklont. Sexuelle Beziehungen sind nur dann erlaubt, wenn eine weniger als 25%ige Übereinstimmung des Genmaterials der Partner vorliegt. Ansonsten wäre das ein Verstoß gegen Code 46 – der weltweit gültigen Regelung der Beziehungen auf der Grundlage der Genetik.

Passierscheine, sogenannte Pelets, ausgestellt von der Firma Sphinx, ermöglichen das Reisen und andere besondere Aktivitäten. Sie gewähren Schutz, und im englischen deutet „cover“ darauf hin, daß es sich um eine versicherungstechnische Unbedenklichkeitserklärung handelt: Sollte ein Schaden entstehen, ist der von der Versicherung gedeckt. „Die Sphinx weiß alles“, und auch das aufgrund genetischer Informationen. Daher gibt es immer einen Grund, wenn die Scheine verweigert werden.

William ist ein Versicherungsagent aus Seattle, der in Shanghai einen Betrug bei der Ausstellung dieser Bescheinigungen aufklären soll. Die Liebe kommt ihm dazwischen. Er gerät in die Fänge des Systems, zu dessen Verteidigung er ausgezogen war. Wie das Leben so spielt, das sich seine Zufälle doch noch nicht hat verbieten lassen: Er verliebt sich erstens in die Täterin Maria, verstößt mit ihr zweitens gegen Code 46, und drittens läuft dann auch noch die Gültigkeit seines Pelets aus und er muß Maria um eine Fälschung für die Rückreise bitten. Glücklicherweise gibt es ja aber die Möglichkeit einer Gehirnmanipulation, mit der sich die bestehende Ordnung wieder herstellen läßt.

Das Futuristische dieses großartigen Science-Fiction-Films liegt hier nicht in den Effekten oder in fremdartigen Wesen aus fernen Welten. Winterbottom erklärt lediglich die Extreme der Gegenwart zur Normalität der Zukunft (darin in der Tat Gattaca nicht unähnlich, wobei letzterer jedoch in einem ganz anderen Stil daherkommt, optisch weniger bedrückend, und auch Winterbottoms Soundtrack trägt zur mystisch-bedrückenden Stimmung bei). Das macht diese Vision so bedrückend nah. Das Fremde dagegen ist in diesem Film das heute noch Normale, das Menschliche: die unplanbare Liebe, die Leidenschaft für individuelle Ambitionen, das Recht auf das Risiko, auf das Nicht-Wissen.
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